Weilheim und Umgebung

Bis zur Traubenernte bleibt das Risiko

Weilheimer Wengerter ziehen positive Zwischenbilanz – Radikalschnitt gegen die Kirschessigfliege

Noch wenige Wochen bis zur Weinernte. Die Weilheimer Wengerter spekulieren auf ein gutes Jahr. Allerdings bleiben bis zum Schluss einige Risiken.

Dick voll mit Früchten behangen sind die Reben an der Limburg. Kommt nichts dazwischen, winkt in Weilheim ein gutes Weinjahr. Fo
Dick voll mit Früchten behangen sind die Reben an der Limburg. Kommt nichts dazwischen, winkt in Weilheim ein gutes Weinjahr. Fotos: Carsten Riedl

Weilheim. „Und, wie wird das Jahr?“ ruft ein Passant in den Weinberg am Weilheimer Egelsberg hinein. Dort ist Hobby-Wengerter Rainer Bauer gerade mit der Rebschere zugange und zwickt hier und da Traubenbündel ab. „Bis jetzt sieht es sehr gut aus“, ruft er zurück und fügt hinzu: „Wenn es keinen Hagel gibt.“ Der Hagel ist aber nur eines von vielen Risiken, denen die Wengerter und ihre Trauben Jahr für Jahr ausgesetzt sind. Das Wetter spielt dabei ebenso eine Rolle wie Schädlinge.

„Der Behang ist dieses Jahr sehr gut“, sagt Werner Kauderer, Vorsitzender der Weilheimer Weinbergbesitzer. Auch mit der Sonne ist er zufrieden. „Allerdings sind die Trauben zwei Wochen später dran als letztes Jahr.“ Mitte September werden die ganz frühen Sorten reif sein, allen voran die Acolon-Trauben. „Der größte Teil kommt aber erst Mitte Oktober“, schätzt Kauderer. Da geht es an die Ernte von Silvaner, Kerner und Spätburgunder.

„Mit dem Echten Mehltau hatten wir keine Probleme“, so Kauderer. Mit dem Falschen Mehltau dagegen schon. „Das lag an der Nässe.“ Rechtzeitiges Spritzen hat in Weilheim jedoch Schlimmeres verhindert. Zwar sind auch jetzt noch hier und da ein paar braune Blätter an den Reben zu sehen. „Im jetzigen Stadium macht der uns aber nichts mehr aus“, zeigt sich Rainer Bauer gelassen.

Viel schlimmer als die Weilheimer hat es offenbar die Esslinger Weingärtner erwischt: Sie sprechen von einem Befall mit dem Pilz Peronospora, wie der Falsche Mehltau heißt, „so schlimm wie noch nie“. Je nach Sorten gibt es an den Hängen über der Reichsstadt teilweise massive Ausfälle.

Was es im Juni zu viel geregnet hat, regnet es jetzt zu wenig: „Der August ist etwas zu trocken“, sagt Werner Kauderer. Eine allzu große Belastung für die Trauben fürchtet er deshalb aber nicht.

Bleibt noch ein Risiko, dessen Ausmaß keiner der Hobby-Weingärtner einschätzen kann: „Die Kirschessigfliege wird kommen“, ist sich Werner Kauderer sicher: „Sie hat ja schon bei den Kirschen erheblichen Schaden angerichtet.“ Das Heimtückische an dem aus Asien eingeschleppten Schädling: Er bohrt sich in kerngesunde Früchte und macht sie zu saurem Mus – und zwar zu einem Zeitpunkt, zu dem Winzer und Landwirte machtlos gegen sie sind. „Sie befallen die Früchte ganz kurz vor der Ernte, sodass wir wegen der Wartezeit nicht einmal mit Spritzmitteln gegen sie vorgehen können“, klagt Kauderer. Auch natürliche Feinde hat die Fliege hierzulande nicht.

Trotzdem haben die Wengerter ihre ganz eigenen Methode gefunden, sich gegen den Schädling zu wappnen: das Freischneiden. „Wir entfernen seitlich an den Reben so viele Blätter wie möglich“, sagt Werner Kauderer und deutet auf die schmal zurechtgestutzten Rebreihen. Nur oben schießen jetzt die jungen, hellgrünen Blätter in die Höhe: „Die brauchen wir, die liefern den Zucker“, erläutert Rainer Bauer.

Mit dem Radikalschnitt an den Reben bezwecken die Weingärtner vor allem eines: Dass die Trauben möglichst ungeschützt in der Sonne hängen. „Die Kirschessigfliege versteckt sich nämlich gern im Schatten“, so Kauderer. Die Maßnahme, um die Kirschessigfliege zu vergraulen, birgt zwar das Risiko, dass die Trauben einen Sonnenbrand bekommen. „Aber wenn man früh genug damit beginnt, gewöhnen sich die Früchte daran, dann ist das kein Prob­lem“, versichert der Vorsitzende der Weinbergbesitzer.

Zur Strategie im Kampf gegen Drosophila suzukii, wie der Schädling mit lateinischem Namen heißt, gehört noch mehr: So wird das Gras im Weinberg so kurz gehalten wie möglich. Ab einem gewissen Zeitpunkt dürfen zudem keine heruntergefallenen oder abgeschnittenen Trauben mehr auf dem Boden liegen bleiben. das würde nämlich die Fliegen anlocken.

Wie viele Stunden Handarbeit im Zurückschneiden, Mähen und Spritzen stecken, vermögen weder Werner Kauderer noch Rainer Bauer zu sagen. Sie wissen nur: „Es sind sehr viele.“ Klar ist für beide aber auch, dass es nicht darum geht, die Arbeit gegen den Erlös am Schluss aufzurechnen: „Für uns ist das reines Hobby.“

Thema höchster Weinberg: Rainer Bauer hat seinen Weinberg vermessen lassen - er ist höher als der bisherige Spitzenkandidat in N
Thema höchster Weinberg: Rainer Bauer hat seinen Weinberg vermessen lassen - er ist höher als der bisherige Spitzenkandidat in Neuffen. Treffen mit Rainer Bauer, Werner Kauderer und Johannes Züfle am Weinberg von Rainer Bauer an der Limburg.
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