Weilheim und Umgebung

Brunnen birgt beschwingte Botschaft

Osterfest Zu viert zwei Tage lang gearbeitet: Trotz der bestehenden Ausgangsbeschränkung rund um die Feiertage ist der Osterbrunnen in Bad Boll von fleißigen Helferinnen bunt geschmückt worden. Von Jürgen Schäfer

Dieses Jahr ist er ein Lebenszeichen: der Osterbrunnen in Bad Boll zeigt, dass es weitergeht. Foto: Carsten Riedl
Dieses Jahr ist er ein Lebenszeichen: der Osterbrunnen in Bad Boll zeigt, dass es weitergeht. Foto: Carsten Riedl

Dieses Jahr ist alles anders. Wie wird es sein an Ostern - ohne Gottesdienste, ohne Familienfeiern? Eines aber ist wie jedes Jahr, als wäre die Welt nicht aus den Fugen: Der Osterbrunnen von Bad Boll. Er steht auf dem Dorfbrunnen, prächtig wie immer.

Wer hätte das erwartet, wo doch alles abgesagt wird? Auch in Bad Boll sah es schlecht aus. Bürgermeister Hans-Rudi Bührle verrät: „Es stand auf der Kippe.“ Die Landfrauen, die sich immer vor Ostern im Bauhof trafen, um den Brunnenschmuck zu flechten, mussten passen. Sie sind ja im Durchschnitt schon älter und wollten sich keinem Corona-Risiko aussetzen.

Aber Tanja Blessing war da. Als Geschäftsfrau hat sie Zwangspause, sie musste ihr Blumencafé schließen, und als Floristin ist es für sie Ehrensache, sich um das Brauchtum zu kümmern. Sie besprach sich mit Bürgermeister Bührle. „Wir dürfen doch dieses Jahr den Osterbrunnen nicht ausfallen lassen.“

Sie fand Mitstreiterinnen. Bei den Landfrauen war noch nicht das letzte Wort gefallen. Die neue Co-Vorsitzende Petra Müller und Schriftführerin Anja Liebler, zwei junge Mitglieder, wollten wenigstens für einen Ersatz sorgen. Eine Blumensäule, eine Girlande. Bürgermeister Bührle erfuhr das und brachte die Schafferinnen zusammen. Motto: ein richtiger Osterbrunnen auch dieses Jahr.

Zwei Tage haben sie zu viert geschafft, auf Tanja Blessings Seite auch Mitarbeiterin Karmen Privitzer, und die Chefin konnte die perfekte Werkstatt im Freien bieten: Ihren Hof, der windgeschützt ist und viel Platz bietet. „Kalt und sonnig war’s“, sagt sie, zum Glück blieb es trocken, und schön war es für die Frauen, sich beim Binden von Thuja und Co. kennenzulernen. Es stellte sich heraus, dass Petra Müller auch Floristin ist, das ist ihr früherer Beruf, und deshalb ist der Osterbrunnen für sie auch immer eine besondere Abwechslung. „Es war mal wieder schön“, sagt sie. Bürgermeister Bührle schaute vorbei und überzeugte sich davon, dass die Frauen das Kontaktverbot einhielten. „Sie waren vorsichtig, sie haben Abstand gehalten.“

Das Werk hat eine Botschaft: Man soll spüren, dass man zusammenhält und sehen, dass es weiter geht - das sieht Tanja Blessing in dem Osterbrunnen dieses Jahres. „Ich bin froh, dass es geklappt hat“, freut sich der Schultes. „Es ist ein kleiner Glücksmoment. Ein Lebenszeichen.“

Schmerzlich war es für Hilde Götz, auf die vertraute Arbeit zu verzichten. Der Osterbrunnen ist ihr Kind, sie hat ihn immer mit Eiern geschmückt. Aber sie sieht mit Freude, dass die anderen es geschafft haben und lobt sie: „Er ist schön, er ist anders als unserer, aber auch schön“, hat sie zu Tanja Blessing gesagt.

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