Weilheim und Umgebung

Das lokale Rock-Mekka im Grünen

Festival Zum 24. Mal trafen sich Rocker aus ganz Deutschland am Pfingstwochenende unter der Limburg und feierten das legendäre Kult-Ur-Open-Air. Von Sabrina Kreuzer

Sie heizten dem Publikum ordentlich ein: Die Punkrock-Gruppe Parole:PaulaFoto:Sabrina Kreuzer
Sie heizten dem Publikum ordentlich ein: Die Punkrock-Gruppe Parole:PaulaFoto:Sabrina Kreuzer

Grüne Wiesen und Wälder, so weit das Auge reicht. Der blaue Himmel erstreckt sich über die Landschaft und schwere Gitarrenmusik liegt in der Luft. Gitarrenmusik? Genau, denn einmal im Jahr verwandelt sich das idyllische Weilheim in das lokale Mekka der Rockmusik - und das schon seit fast einem Vierteljahrhundert.

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Auch an diesem Pfingstwochenende trafen sich zahlreiche Pilger unter der Limburg und feierten gemeinsam das 24. Kult-Ur-Open-Air, auch wenn sich das Wetter in diesem Jahr nicht von seiner besten Seite zeigte. Doch ausgerüstet mit Regenjacken und Gummistiefeln lässt es sich genauso gut feiern wie bei strahlendem Sonnenschein. Die ganz harten Musikfans schwingen sogar lieber das schlammverschmierte Tanzbein.

Der kleine Bruder von weltweit bekannten Festivals wie Wacken oder Rock am Ring steht seinen Geschwistern eben in nichts nach: Der Spaß an der Musik und die Freude am Leben stehen hier im Vordergrund. Dafür steht das Kult-Ur-Open-Air - hier treffen sich alte Bekannte und Freunde wieder. Der Blick in die Menge zeigt: Zwischen eingefleischten Rockern, die lässig mit den Füßen wippen, tanzt die heranwachsende Generation - eine bunte Mischung ohne Vorurteile und Berührungsängste.

Auch die Bands, die beim Kult-Ur-Open-Air auf der Bühne stehen, kennen keine Barrieren. Die Lücke zwischen Bühnenrand und Publikum muss geschlossen werden. Das findet zumindest der Sänger und Gitarrist Jannik von der Band „Long Way Home“. So fordert er die Besucher zuerst auf, weiter nach vorne zu kommen und springt letztendlich selbst von der Bühne. Für einen Song mischt er sich in die Menge, der Mikrofonständer versinkt dabei im nassen Schotter. Aber die Fans und Zuhörer sind ihm dankbar, schunkeln mit und beleuchten mit den Blitzlichtern an ihren Handys das Festzelt. Umso später der Abend, desto besser die Laune - was für allgemeine Partynächte gilt, ist auch beim Kult-Ur-Open-Air nicht anders. Dabei ist es völlig egal, welche Art von Rockmusik gespielt wird. Oder ob es überhaupt Rockmusik ist. Zwischen den Bands unterhält der Köngener Singer/Songwriter Dominik Tahedl mit Cover-Songs von den Imagine Dragons, Stone Sour oder Ed Sheeran sowie eigenen Songs. Bei seiner Version von „Radioactive“ wird genauso mitgegrölt wie bei „A-Team“ oder dem ruhigen Song „Through Glass“ der sonst so harten Band Stone Sour.

Auch Soundchecks eignen sich dafür, wild zu tanzen und zu feiern. Das zeigt sich schon, als Long Way Home ein Sample einspielen und die Menge damit in Aufruhr versetzen oder als sie einen Song anspielen, ihn abrupt abbrechen und von der Bühne verschwinden. „War’s das schon?“, ruft die Menge auf die Bühne. Nein, natürlich nicht. Auch bei „Parole:Paula“, einer vierköpfigen Punkrock-Band aus dem Raum Stuttgart, sieht es nicht anders aus. Als Sänger Marcel beim Soundcheck „We found love“ von Rihanna und Calvin Harris ansingt, schmettert ihm das Publikum entgegen: „We found love in a hopeless place.” Nur wenige Minuten später, als Parole:Paula ihre eigenen Songs zum Besten geben, bildet sich vor der Bühne ein so genannter Moshpit. Ein Kreis, in dem die Zuschauer tanzen. Und Marcel sagt glücklich: „Wir können wirklich von einem Highlight sprechen.“

Ein Wochenende, 19 Bands und zufriedene Gesichter: Das 24. Kult-Ur-Open-Air unter der Limburg hat wieder einmal gezeigt, dass man für ein gelungenes Festival nicht weit reisen muss - die schwäbische Heimat hat genauso viel zu bieten. Das große Jubiläum an Pfingsten 2019 wird jetzt schon mit Spannung erwartet.