Weilheim und Umgebung

„,Deutschland den Deutschen‘ ist nicht falsch, aber kontaminiert“

Interview

Veranstaltung mit Prof. Meuthen in Weilheim/Teck in der  Limburghalle. Mit dabei ist die Direktkandidatin Dr. Vera Kosova. Organ
Foto: Carsten Riedl

Schlagzeilen hat die AfD zuletzt vor allem mit ihrem Whats-App-Chat in Sachsen-Anhalt und schlechten Umfragewerten gemacht. Der Teckbote hat dazu AfD-Bundessprecher Jörg Meuthen befragt.

Thema Whats-App-Chat: Wie stehen Sie zur Aussage „Deutschland den Deutschen“ und zur Forderung nach Ende der Pressefreiheit?

Jörg Meuthen: Das eine geht gar nicht. Eine Einschränkung der Pressefreiheit ist definitiv gegen unsere Programmatik. Das kommt auch nicht von einem namhaften AfD-Mitglied. Die andere Äußerung stammt von André Poggenburg (AfD-Landesvorsitzender in Sachsen-Anhalt) selbst und ist deshalb sensibler. Der Satz „Deutschland den Deutschen“ an sich ist ja nicht falsch. Wenn ich beim Bundesparteitag sage „Dies Land ist unser Land“ ist das inhaltlich ganz ähnlich. Und was soll man denn sonst sagen: „Deutschland den Marokkanern“? Oder: „Deutschland den Argentiniern“? Aber „Deutschland den Deutschen“ als Aussage ist kontaminiert, weil die NPD sie verwendet hat. Deswegen ist es außergewöhnlich unklug, den Satz zu äußern. Es erweckt den Eindruck, wir seien äußerst rechtsaußen.

Sind Sie das denn nicht?

Meuthen: Wir sind konservativ, und zwar dezidiert konservativ, wir sind freiheitlich, wir sind patriotisch. Das sind die drei zentralen Attribute. Aber man versucht uns permanent an die Backe zu kleben, wir seien rechtsextrem. Und wenn dann noch einzelne Versprengte in den Chats Wörter wie „Machtergreifung“ verwenden, dann ist der Schaden, der daraus erwächst, unermesslich.

Laut Allensbach-Institut liegen die Umfragewerte der AfD auf Bundesebene aktuell bei 6,5 Prozent. Ist die Partei auf dem absteigenden Ast?

Wir haben im Moment ein Problem: CDU und FDP - Parteien aus dem ursprünglich bürgerlichen Lager - gelingt es, Wasser auf ihre Mühlen zu lenken. Wir sind die Schmuddelkinder, und sie versuchen, sich als die Seriösen darzustellen. Das ist wenig glaubwürdig. Die CDU hat das alles verbockt. Und jetzt wird der Bock zum Gärtner gemacht. Die beiden Parteien stellen sich als diejenigen dar, die das in Ordnung bringen - und kommen damit bei den Menschen auch durch.

Wie ist denn Ihr aktuelles Verhältnis zu Frauke Petry?

Professionell. Wir tun unsere Arbeit im Dienste der Partei, und dahinter haben alle Befindlichkeiten zurückzustehen.

Bianca Lütz-Holoch

Zu den Personen

Prof. Dr. Jörg Meuthen ist Bundessprecher der AfD und sitzt für seine Partei im baden-württembergischen Landtag. Der derzeit beurlaubte Professor für Volkswirtschaftslehre an der Hochschule in Kehl ist 55 Jahre alt, verheiratet und hat fünf Kinder.

Dr. Vera Kosova­ ist die Bundestagskandidatin der AfD im Wahlkreis Nürtingen. Die 34-Jährige wurde in Usbekistan geboren. Sie ist angehende Kardiologin, hat einen Sohn und lebt in Leinfelden-Echterdingen.bil

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