Weilheim und Umgebung

„Ehrliche und echte Küche“

Gastronomie Sascha und Jennifer Grampp übernehmen in Ohmden nach zwei Jahren Leerstand den „Landgasthof am Königsweg“ und führen ihn unter gleichem Namen weiter – aber mit neuer Philosophie. Von Thomas Zapp

Sascha und Jennifer Grampp sind die neuen Pächter des „Landgasthofs am Königsweg“.Foto: Markus Brändli
Sascha und Jennifer Grampp sind die neuen Pächter des „Landgasthofs am Königsweg“.Foto: Markus Brändli

Sie sind die neuen Gesichter des „Landgasthofs am Königsweg“ in Ohmden: Das Gastronomen-Ehepaar Sascha und Jennifer Grampp hat den traditionsreichen Gourmet-Tempel gepachtet. Aktuell wird der Innenraum mit Platz für 40 Gäste komplett renoviert, am 6. Juli soll das neue Restaurant unter dem alten Namen nach zwei Jahren Leerstand wiedereröffnen.

Das Paar tritt ein nicht ganz leichtes Erbe an: Der 2017 verstorbene Vorbesitzer Fritz Richter hatte im liebevoll restaurierten, mehr als 400 Jahre alten Fachwerkhaus über einen Zeitraum von mehr als 20 Jahren eine Sterne-Gastronomie etabliert. „Das ist nicht unser Ziel“, wehrt Sascha Grampp ab und erklärt warum: „Damit ist ganz schwer Geld zu verdienen.“ Nicht umsonst gebe es zahlreiche Spitzenköche, die wegen der hohen Kosten für das erforderliche Personal ihren Stern zurückgeben, wie etwa Johann Lafer.

Auf den Tisch kommt Regionales

Dem 34-Jährigen geht es weniger um Lorbeeren als um authentische Küche. Er und seine Frau wollen mit hochwertigen Produkten aus der Region punkten. „Das kann dann einen Euro mehr als in der Gaststätte kosten, aber das kann der Gast auch schmecken“, sagt der gebürtige Heininger, der mit seiner Frau in Hattenhofen lebt. Solides Handwerk mit eigenen Ideen, so wird es auch Klassiker der schwäbischen Küche wie den Zwiebelrostbraten geben, aber mit einer besonderen Note.

Auf der Karte sollen regionale Produkte die Hauptrolle spielen. Das Gemüse stammt von Landwirten aus Hattenhofen, das Fleisch von der Erzeugergemeinschaft Schwäbisch Hall, die Fische von einem Lieferanten auf der Bodenseeinsel Reichenau. „Auf Bestellung gibt es natürlich auch einen Seeteufel, aber eben nicht standardmäßig“, sagt Sascha Grampp. Gelernt hat er im Zeller „Schäferhof“ bei Harald Hartmann, über Stationen auf der Ostalb und dem Catering-Unternehmen Vujicic Gastro in Uhingen ging es in den Golfclub Solitude in Mönsheim. Noch im vergangenen Jahr baute er das Restaurant im Stadtpark von Göppingen auf. Ehefrau Jennifer lernte er 2008 im Landgasthof Lamm in Hattenhofen kennen. Sie ist gelernte Restaurantkauffrau und hat zuletzt das Restaurant im Golfclub Hohenstaufen in Donzdorf geleitet.

Anfang Januar erfuhren die beiden, dass die neuen Besitzer des Landgasthofs einen Pächter suchen, und sofort war die Leidenschaft geweckt. „Die Selbstständigkeit war schon immer ein Traum“, sagt Jennifer Grampp. Die Gastronomie war für die beiden nicht nur beziehungsstiftend. „Sondern auch beziehungserhaltend“, sagt Sascha Grampp. Denn wer nie in der Gastronomie gearbeitet habe, könne den Zeitaufwand nicht verstehen, den man aufbringen müsse. Auch wenn sie künftig gemeinsam arbeiten, werden sie sich nicht ständig über den Weg laufen: Jessica wird das Restaurant und die Reservierungen für die sieben Hotelzimmer übernehmen. Sascha wird die Küche und den Einkauf leiten. „Ich will aber für die Gäste möglichst oft sichtbar sein“, sagt er.

Für das Paar ist der „Königsweg“ eine Investition in die Zukunft, die Einrichtung und einen Großteil der Küche stemmen sie aus eigenen Mitteln und einem Bankkredit. „Der Druck ist da, aber dem stellen wir uns. Wir sind gekommen, um zu bleiben“, bekräftigt Sascha Grampp. Als Motivation hängt in seinem Büro eine Collage erfolgreicher Köche, die er zu seinen Vorbildern zählt. Dabei ist für ihn nicht entscheidend, ob sie einen oder mehrere Sterne erkocht haben. „Ehrlich und echt muss die Küche sein. Nur dann kommen die Gäste wieder.“

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