Weilheim und Umgebung

Erst Backstuben-Duft, dann Kuhstall-Luft

Sommertour Der Grünen-Landtagsabgeordnete Andreas Schwarz besucht die Bäckerei Scholderbeck und den Demeter-Betrieb auf der Ziegelhütte. Von Iris Häfner

Andreas Schwarz, Thekla Walker und Dr. Markus Rösler (von links), Landtagsabgeordnete der Grünen, in der Vesperstube der Ziegelh
Andreas Schwarz, Thekla Walker und Dr. Markus Rösler (von links), Landtagsabgeordnete der Grünen, in der Vesperstube der Ziegelhütte.

Sommertour im Herbst: Passend zum meteorologischen Herbstbeginn ist Andreas Schwarz, Fraktionsvorsitzender der Grünen-Landtagsfraktion und hiesiger Abgeordneter, mit Kollegen und Gästen im Biosphärengebiet Schwäbische Alb bei kühlem Regen unterwegs. Die Kälbchen auf der Ziegelhütte bei Ochsenwang stört die Witterung in keiner Weise, sie genießen die Streicheleinheiten in der Außenbox. „Als Bauer freut man sich über jedes Wetter. Heute haben wir Zeit für Gäste. Vor zwei Tagen wäre es schwieriger gewesen, da haben wir richtig geschuftet“, begrüßt Bernd Schnabel seine Besuchergruppe. Er stellt den Demeter-Betrieb mit Eigenvermarktung vor, bittet in den Kuhstall und geht auf die Erzeugnisse dieser „Lebensgemeinschaft“ ein. Eines davon ist der Mostkäse, der später in der warmen Vesperstube - dem Feuerchen im Ofen sei Dank - verkostet wird und auf breite Zustimmung stößt.

„Der Hof ist sehr wichtig für das Biosphärengebiet. Es gibt nur vier Betriebe, die Käse herstellen“, sagt Achim Nagel, stellvertretender Leiter der Geschäftsstelle Biosphärengebiet Schwäbische Alb. Er gilt als Vorzeigebetrieb, weil hier Ökologie, Ökonomie und Soziales Hand in Hand gehen. Bis zu fünf Jugendliche arbeiten auf dem Hof mit, der mit der Jugendhilfeeinrichtung Michaelshof eine Einheit bildet. „Die Arbeit im Stall ist ideal, um beispielsweise Pünktlichkeit zu lernen, denn die Tiere geben den Rhythmus vor“, so Nagel. Die Jugendlichen lesen aber auch die Äpfel auf, aus denen nach der Gärung des Apfelsafts Most wird - und der wiederum für die Käseherstellung benötigt wird.

Bei der Käseverkostung stellt Dr. Wulf Gatter seine Arbeit am Randecker Maar vor. Seit knapp 50 Jahren beobachtet er dort mit vielen Mitstreitern den Vogel- und Insektenzug. Seine Zahlen erschrecken: Um 90 bis 95 Prozent hat die Anzahl der Schwebfliegen in diesem Zeitraum abgenommen. „Die Zählung lohnt sich nicht mehr, die Reusen sind leer“, sagt er und prangert die fehlenden Forschungsgelder, beziehungsweise die bürokratischen Hürden an. Als Grund für das massenhafte Aussterben der Insekten - und damit für viele weitere Arten - nennt er langlebige Gifte, die auch für die Menschen hochgefährlich sind. Das sind beispielsweise Neonicotinoide.

Die Wertschätzung der natürlichen Abläufe in der Landwirtschaft liegt auch Biobäcker Bernd Sigel am Herzen - die Tagesreise durch die Biosphäre hat „beim Scholderbeck“ in Weilheim begonnen, bei der zu Beginn auch Stuttgarts Regierungspräsident Wolfgang Reimer und Landrat Heinz Eininger mit dabei waren. „Was ich hier mache, hat auch mit Lokalpatriotismus zu tun und ist ein Stück weit Egoismus. Ich will mit dem Rad an blühenden Ackerrandstreifen vorbeifahren, und deshalb beziehe ich von den Landwirten rund um die Teck mein Getreide und nicht vom Ausland - und wir zahlen einen höheren Preis“, erklärt Bernd Sigel in der Backstube.

„Der Doppelzentner Weizen ist günstiger als die gleiche Menge Holzpellets - Lebensmittel sind billiger als Heizstoff“, prangert Eve Neubold-Sigel in diesem Zusammenhang an, und ihr Mann wirft ein: „Man heizt billiger, wenn man Weizen statt Holz in den Ofen wirft.“ Für 100 Kilogramm Getreide bekommen die Landwirte zwischen 16 und 18 Euro, für Pellets werden zwischen 20 und 22 Euro verlangt, rechnen die beiden vor.

Froh ist das Paar über die Zuwanderer, denn der Bäckerberuf ist unattraktiv. Bis zu sechs Flüchtlinge arbeiten in der Nachtschicht. Sie kommen aus Syrien, Afghanistan, Pakistan und Gambia. „Für uns ist es ein Riesenproblem, wenn drei von ihnen abgeschoben werden.“ Andreas Schwarz ist erstaunt. Er dachte, dass diejenigen „safe“, also sicher, sind, die einen Ausbildungsvertrag haben. Er will sich über den konkreten Fall informieren.

Grünfutter für die Kühe und Informationen für die Gäste gab es gestern auf der Ziegelhütte.Fotos: Mirko Lehnen
Grünfutter für die Kühe und Informationen für die Gäste gab es gestern auf der Ziegelhütte.Fotos: Mirko Lehnen
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