Weilheim und Umgebung

Fahrt frei auf allen Gleisen

Im „Wesley’s“ hat die Evangelisch-methodistische Kirche mit einem Modellbahntreff begonnen

Das neue „Wesley’s“ der Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK) in Weilheim ist zugleich Treffpunkt, Laden und Café. Zum Sonderprogramm gehört auch ein Modellbahntreff. Die Premiere – oder besser Probefahrt – verband die Generationen.

Im „Wesley‘s“ gibt es einen Modellbahntreff. Auf dem Foto sind die beiden Initiatoren bei der Arbeit zu sehen: Rolf Schuhmann (l
Im „Wesley‘s“ gibt es einen Modellbahntreff. Auf dem Foto sind die beiden Initiatoren bei der Arbeit zu sehen: Rolf Schuhmann (links) und Jürgen Bellingrodt. Foto: Peter Dietrich

Weilheim. Bellingrodt. Dieser Name hat für Eisenbahnfreunde und Fotografen einen ganz besonderen Klang. Auf 40 000 Aufnahmen wird das Werk des 1972 verstorbenen Altmeisters der Eisenbahnfotografie, Carl Bellingrodt, geschätzt. Es ist in Büchern und Zeitschriften, auf Postkarten und Kalenderblättern zu finden. Mit ihm verbindet Jürgen Bellingrodt aus Weilheim nicht nur der Nachname, sondern auch das Interesse an der Eisenbahn.

Das kam wohl nicht zufällig. Denn schon sein Großvater reiste in Westfalen als Repräsentant des Modellbahnherstellers Märklin zu Händlern, sein Vater 15 Jahre lang in Bayern. Bellingrodt selbst lernte ab 1974 bei Märklin Industriekaufmann. 1980 verließ er die Firma, um Informatik zu studieren, ist heute bei Daimler tätig.

Im Jahr 2009 stieg er wieder ins Modellbahnhobby ein, als Informatiker natürlich digital. In Rolf Schuhmann, der in Weilheim einen Tintenshop betreibt und eine schöne Anlage gebaut hat, fand er einen Gleichgesinnten. Immer wieder trafen sich die beiden Männer, um zu fachsimpeln. Stoff dafür gibt es viel, auch durch die Digitaltechnik, das Hoffnungswort „Update“ hat auch beim digitalen Modellbahner Einzug gehalten. Nur am Trafo drehen? Von wegen, viele Loks haben inzwischen Sonderfunktionen und Soundmodule eingebaut. Die Dampflok, die im „Wesley’s“ ihre Runden dreht, gibt vorbildgerechte Geräusche von sich. Mit dem nötigen Dampföl hätte sie auch noch kleine Wölkchen ausgestoßen.

„Lass uns doch mal einen Modellbahntreff machen“, sagten sich die beiden Männer. „Hier in der Gegend gibt es nichts“, stellte Schuhmann fest. Die beiden dachten an einen Treff in quasi zwei Schichten: Am Nachmittag spielen die Kinder, später am Abend können dann die Erwachsenen fachsimpeln. Oder einmal mit einigen Signalen einen Streckenblock aufbauen. An dessen Verkabelung hatten die beiden Männer und der Teenager Ruben Geywitz beim ersten Treff ganz schön zu knacken. Wo bitte, ist der Kurzschluss zu finden? Stück für Stück und mit System wurde nach dem Fehler gesucht.

„Wer hat denn den schönen Wagen mitgebracht?“, fragt Bellingrodt. Zum Modellbahntreff kann, wer hat und will, eigenes Material mitbringen, ganz egal in welcher Spurweite und mit welchem Stromsystem. Doch Bellingrodt und Schuhmann haben auch einen großen eigenen Fundus. Die schicke Fischbauchbrücke hat kurzerhand der örtliche Händler gesponsert, dazu einen Stapel Kataloge.

Mit dem Verlauf des ersten Treffs waren Bellingrodt und Schuhmann rundum zufrieden, auch wenn sie einen strahlenden Sonnentag erwischt hatten, an dem es die Leute eher nach draußen zog. Die Anlage am Fenster zog von draußen neugierige Blicke auf sich, vor allem von Kindern. „Wir wollen das regelmäßig machen“, sagt Bellingrodt. Er ist ohnehin im „Wesley’s“ gefragt. Vor 21 Jahren hatte er vom evangelischen Vikar den Eine-Welt-Verkauf übernommen, das passte gut zu seinem weltweiten Blick. Nun betreut er diesen Verkauf auch im „Wesley’s“.

Der nächste Modellbahntreff in Weilheim ist für Mittwoch, 6. Mai, von 16 bis 21.30 Uhr geplant. Weitere Infos finden Interessierte im Internet unter www.wesleys-weilheim.de.

Nur zwei Ecken vom Marktplatz weg

Das „Wesley‘s“ ist Treffpunkt, Laden und Café der Evangelisch-methodistischen Kirche in Weilheim. Links ist die Mitarbeiterin Da
Das „Wesley‘s“ ist Treffpunkt, Laden und Café der Evangelisch-methodistischen Kirche in Weilheim. Links ist die Mitarbeiterin Dagmar Haubensak zu sehen, rechts Pastor Volker Seybold. Foto: Peter Dietrich

Weilheim. „Wir öffnen unsere Kirche für die Öffentlichkeit“, sagt Pastor Volker Seybold. Am 8. Februar wurde mitten in der Innenstadt in der Hirschstraße 1 das „Wesley’s“ eröffnet. Der Name geht auf den Kirchengründer John Wesley zurück. Auch er hatte großes Interesse an den Menschen, die nicht zur Kirche kamen, kümmerte sich in England um Benachteiligte und setzte sich für soziale Reformen ein.

Früher wurden die über 100 Quadratmeter als Kinder- und Modengeschäft sowie Büro genutzt, dann standen sie einige Zeit leer. Nun wurden sie von Freiwilligen aus der EmK umgestaltet, für eine kleine Kirchengemeinde ein großes Projekt. Eine Teeküche wurde eingebaut, der Eingang mithilfe einer Klapprampe barrierefrei gemacht und einiges mehr. „Dieser Raum inspiriert“, sagt Seybold.

„Die To-do-Liste wurde immer länger“, erinnert sich Dagmar Haubensak, die sich, wie rund 25 weitere Gemeindemitglieder, im neuen Treffpunkt engagiert. Etwa fünf der Ehrenamtlichen kommen zur Unterstützung aus Kirchheim. „Wir wollen den Leuten die Möglichkeit geben, sich zu treffen“, sagt Haubensak. Diejenigen, die als Gäste ins „Wesley’s“ kämen, seien ganz glücklich, freut sie sich. „Man kommt über den Namen ins Gespräch“, erzählt sie von ihren Begegnungen mit Gästen. Die Mitarbeiter bedienen nicht nur, sondern sind jederzeit gerne zu einem „Schwätzchen“ bereit.

Parallel zum Projekt hat die Stadt eine Innenstadtoffensive gestartet, sagt Seybold. Die Pläne der EmK passten gut dazu: „Bürgermeister Züfle war ganz begeistert“, erzählt der Pastor. Die Stadt habe sogar einen Zuschuss gegeben. Ein Teil der Mietkosten kommt über die Bewirtung herein. Es gibt Richtpreise, aber die Getränke und den selbst gebackenen Kuchen gibt es dennoch auf Spendenbasis. Das Café ist dienstags und freitags von 14.30 bis 17.30 Uhr und samstags von 9 bis 12 Uhr geöffnet, auch in den Schulferien. Gruppen mit mindestens zehn Personen können für sich eine Sonderöffnung bestellen.

Jeden Donnerstag trifft sich im „Wesley’s“ eine Jungschargruppe, freitags ein Teeniekreis. Für die Jugendlichen gibt es im hinteren Bereich, hinter einer mobilen Trennwand, eine Sofaecke und einen Tischkicker. Manche Jugendliche treffen sich im „Wesley’s“, um dort gemeinsam ihre Hausaufgaben zu machen. Es gibt im „Wesley’s“ Musikabende und Vorträge, Bischof i. R. Walter Klaiber war zu Gast und sprach über den Galaterbrief. Zu einem ersten Frauenfrühstück kamen 50 Frauen. Zwei Wochen lang waren im „Wesley’s“ Kreuzwegbilder des Kirchheimer Künstlers Hans-Hilmar Seel zu sehen. Es gab schon ein Weißwurstfrühstück und einen Nachmittag mit Brett- und Kartenspielen. Ein Reparaturcafé ist geplant, ein Modellbahntreff im Aufbau.

In einer gemütlichen Sitzecke steht das „offene Bücherregal“: Wer will, der kann sich aus ihm ein Buch nach Hause ausleihen oder im Tausch ein anderes Buch einstellen. Es lockt ein gemütlicher Lesesessel. Direkt nebenan bieten schön dekorierte Wandregale Waren aus fairem Handel und Schmuck aus Guatemala an. Der Verkauf ist gut angelaufen, die bei der GEPA bezogene Erstausstattung der Eine-Welt-Waren ist bereits zur Hälfte verkauft.

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