Weilheim und Umgebung

Ganztagsidee sorgt für Sprengstoff

Einige Eltern in Ohmden fühlen sich übergangen – Forderung nach verlässlicher Halbtagsbetreuung

Ohmden strebt an, die Grundschule zum Schuljahr 2016/17 in eine Ganztagsschule in Wahlform umzuwandeln. Jetzt regt sich jedoch Widerstand: Teile der Elternschaft fürchten um eine verlässliche Halbtags­betreuung.

Der Weg zur Ganztagsschule in Ohmden gestaltet sich derzeit eher holprig. Gerüchte um einen Stundenplanentwurf haben unter Elter
Der Weg zur Ganztagsschule in Ohmden gestaltet sich derzeit eher holprig. Gerüchte um einen Stundenplanentwurf haben unter Eltern für Unmut gesorgt.Foto: Jean-Luc Jacques

Ohmden. Die Hälfte will sie, die andere Hälfte nicht: Schon seit das Thema Ganztagsschule in Ohmden aufgekommen ist, gibt es auch Kritiker des Modells. Jetzt ist einigen Eltern der Kragen geplatzt. Nach einer internen Besprechung von Gemeinde, Schulleitung und Vereinen sind ihnen Gerüchte um einen Modell-Stundenplan zu Ohren gekommen: Demzufolge soll der Unterricht künftig für alle Nicht-Ganztagsschüler um 11.20 Uhr enden. Eine Kernzeitenbetreuung seitens der Gemeinde soll es nach jetzigem Stand der Dinge nicht mehr geben.

„Das ist ein freiwilliges Angebot der Gemeinde“, sagt dazu Bürgermeister Martin Funk. Mit Einführung der Ganztagsschule fallen die Fördermittel des Landes dafür weg. Für eine Betreuung über die Schulzeit hinaus müssten die Eltern dann selbst sorgen, so der Schultes, etwa über Tagesmütter.

„Das ist für uns kein Fortschritt, sondern ein Rückschritt“, klagt Marc Rube, Vater eines künftigen Schulkindes. Er ist an diesem Abend gemeinsam mit einigen anderen Eltern in der Gemeinderatssitzung erschienen, um seinem Unmut Luft zu machen. Auch Sonja Kuch, deren Kind nächstes Jahr eingeschult werden soll, ärgert sich über die Pläne der Trinkbachgemeinde. „Es wäre schön, wenn diejenigen, die das Ganze planen, nicht nur an die Eltern und Kinder denken, die den Ganztag wollen, sondern auch an die große Zahl, die halbtags arbeitet und die Kinder nachmittags zu Hause betreuen möchte.“

„Das bisherige Modell war flexibel und anpassbar“, lobt Philipp Ferreira den Status quo in Ohmden. „Das wird in Zukunft leider nicht mehr so sein“, bedauert er. Derzeit können Eltern die Kernzeitenbetreuung bis 13.30 Uhr nutzen. Außerdem bietet die Gemeinde für die Kinder eine Nachmittagsbetreuung an vier Tagen bis 15  Uhr und freitags bis 14.30 Uhr an.

Marc Rube ärgert an den Zukunftsplänen vor allem eines: „Ich habe das Gefühl, dass man uns damit quasi in das Ganztagsmodell hineinzwingen will.“

Und noch andere Fragen stehen an diesem Abend im Raum: „Was ist, wenn das Modell für einige Familien nicht mehr passt – sollen wir dann die Schule wechseln?“ Auch wird die Sorge laut, dass das Ganztagsmodell irgendwann verpflichtend wird.

In diesen Punkten versucht Bürgermeister Martin Funk die Anwesenden zu bremsen. Zwar hätten Schulleitung, Verwaltung und Gemeinderat ihren Willen bekundet, eine Ganztagsschule zu beantragen. Ob sie überhaupt komme, stehe aber noch keineswegs fest: „Damit sie genehmigt wird, müssen 25  Schüler angemeldet werden“, stellt der Rathauschef klar. Entscheidend dafür, ob genügend Kinder zusammenkommen, ist seiner Ansicht nach nicht allein der Bedarf. „Ausschlaggebend ist auch die Attraktivität des Angebots, das die Schulleitung vorlegt", erklärte er.

Bei ihrer Umfrage zur Ganztagsschule hat die Gemeinde Eltern von 127 Kindern befragt. 92 Bögen kamen zurück, die Rücklaufquote beträgt 72 Prozent. Etwa die Hälfte befürwortet die Ganztagsschule oder sieht sie positiv. Die andere Hälfte lehnt das Modell ab oder würde die eigenen Kinder eher nicht anmelden. In nicht öffentlicher Sitzung hat eine Mehrheit des Ohmdener Gemeinderats für ein Ganztagsschulmodell in Wahlform votiert. Aufgrund der Umfrageergebnisse ist die Entscheidung für vier Nachmittage bis jeweils 15 Uhr gefallen.

Gemeinderäte sprechen sich für Kompromiss aus

„Die Ganztagsschule in Wahlform ist für Ohmden richtige Weg, aber nur, wenn es für alle fair wird“, sagt Daniela Haible-Lutz. „Dass es für die Kinder, die nicht teilnehmen, nichts mehr gibt, ist nicht richtig. Ich hoffe auf eine Betreuung bis 13.30 Uhr für alle.“ Ähnlich sieht es Benjamin Döbel. Aus seiner Sicht wäre ein Schulschluss um 11.20 Uhr das Hauptproblem. „Eltern, die noch zögern, sollte das Konzept überzeugen und nicht der Stundenplan.“ Aus seiner Sicht könnten mindestens im ersten Jahr mehr Schulstunden auf den Vormittag gelegt werden, um einen sanfteren Start zu gewährleisten. „Wir müssen warten, bis die Schulleitung ein Konzept vorlegt“, sagt Michael Georg Frank. „Ich bin überzeugt, dass wir gemeinsam einen guten Weg finden, der für alle passt.“ Auch Anja Bezler drängt auf einen Kompromiss: „Ich bin überzeugt, dass man sich bemühen sollte, einen für alle gangbaren Weg zu finden“, erklärte sie. Die Gemeinde dürfe auch nicht tatenlos dabei zusehen, dass Kinder die Schule wechseln.bil

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