Weilheim und Umgebung

Gemeinsam Steine sammeln

Projekt Künstlerin Monika Majer möchte bis zum 1. Juni steinreich sein. Wie ihre Skulptur wird, entscheiden die Steine unterschiedlicher Menschen. Von Sabine Ackermann

Künstlerin Monika Majer (links) verteilt Steinsäckchen für ihre Aktion.Foto: Sabine Ackermann
Künstlerin Monika Majer (links) verteilt Steinsäckchen für ihre Aktion.Foto: Sabine Ackermann

Zumindest stundenweise ist am Sonntagnachmittag die Einwohnerzahl von etwa 770 Menschen in Hepsisau sprunghaft nach oben geschnellt - die 800er-Marke wurde lässig geknackt. Und alle sind sie zur Alten Steige gekommen, in das Atelier der Bildhauerin Monika Majer. Eine Künstlerin, die am Zipfelbachtal arbeitet und mit Vorliebe Steine an verschiedenen Orten, Bächen, Flüssen, Seen sowie im Wald und auf Feldern sammelt.

„Ich freue mich, wenn du dabei bist“, sagt die kunstschaffende Kirchheimerin zu jedem Gast, und man nimmt es ihr ab. Selber sieht sie sich als „luftige Poetin“ und „tastend verbindende Netzwerkerin“. Die 47-Jährige erklärt: „Meine Vision ist es, in meinem Projekt ‚1000 x 1000 um die Welt‘ große Skulpturen zu schaffen und dabei dir und vielen Menschen verschiedener Generationen und Herkunft zu ermöglichen, Teil davon zu sein.“

Ob Freund, Bekannter oder Fremder, keiner der Anwesenden, den diese Idee nicht begeistert und sich ein „noch leeres“ Säckchen schnappt. Man unterhält sich, und es sind nicht wenige, die sich bereits geeignete Stellen zur „Steinfindung“ ausmalen. So wie Inge Bös zum Beispiel, die heute mit ihrem Mann Peter da ist und von diesem Projekt von Anfang an fasziniert war. „Wir sind viel in Kirchheim unterwegs, vielleicht suchen wir an den Bürgerseen“, erzählt sie und ergänzt: „Oder wenn wir in Nepal sind, einen schönen flachen dunklen Stein aus dem Fluss Kali Gandaki.“ Sigi Hasel dagegen überlegt, ob sie am Albaufstieg sammelt, immerhin sei dieser Jahrhundertbau etwas Besonderes.

Woher die Steine oder Sandkörnchen auch stammen mögen, jedes Exemplar soll im Werkstoff Beton durch Zement miteinander verbunden werden. Die Betonmischungen für diese Skulpturen - die allererste entsteht im Rahmen des Kunst- und Aktionspfades am Randecker Maar - werden aus unzähligen, von verschiedenen Menschen unterschiedlicher Generationen und Herkunft gesammelten Steinen bestehen.

Und die Form? Da ist es wohl wie im echten Leben, wo es doch auch dünne und fülligere Menschen gibt. Größentechnisch hat sich Monika Majer nach ihrem eigenen Längenmaß gerichtet, die Standfiguren werden etwa 170 Zentimeter groß sein. Doch dann bestimmt die Menge der gesammelten Steine die Fülle der Skulptur. Für die schmale Form reichen etwa 300 Steinesammelbeutel, für die rundliche Rubensfigur bedarf es der doppelte Menge, also ungefähr 600 „Schokostückchen“. Ganz wichtig: Die Steine sollten circa 3 Zentimeter lang sein, größere, wuchtige Exemplare sind nicht geeignet. „Da Stein universell ist, überall auf der Welt vorkommt und keinem Land und keiner Kultur vorenthalten ist, ist der Stein in dem Projekt das verbindende Element, das über Grenzen und kulturübergreifend zusammengebracht wird“, so Monika Majer. Schön, dass diese besonderen Projekte als „Symbol für Verbindung und Zusammenhalt an ihren Entstehungsorten bleiben“.

Nachdem alle vom Angebot einer Tasse Kaffee oder selbst gebackenem Kuchen Gebrauch gemacht hatten, gab es eine erste Musikrunde der Coverband „FaDau“. Ein hörenswertes Trio, bestehend aus Gitarrist Klaus Graage, seiner Tochter Sängerin Josephine Eick und Jannick Stein am Bass oder Cajon. Mit Spaß am Musizieren und Stimme hauten sie bekannte Titel auf Englisch oder Deutsch raus und machten ihren ersten Titel Song „Let me entertain you“ quasi zum Programm.

Dass das „Konzert“ in „ihrem“ ehemaligen Kindergarten stattfand, wusste Maria aus Hepsisau: „Früher mussten wir sogar das Holz zum Heizen mitbringen“, erinnert sich die Seniorin. Sehr bewegend und freundschaftlich verbunden klangen Janine Eicks einleitende Gedanken und Geschichten zu und über Steine sowie ihre Fantasiereise für die Gäste. Weitere inspirierende Elemente waren die Fotografien zum Thema „Steine, Wasser, Licht“ von Christa Leder und die geteilte Begeisterung von Menschen, die schon sammelnd für das Projekt unterwegs waren.

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