Weilheim und Umgebung

„Interesse der Architekten ist groß“

Städtebau In Weilheim ist der Startschuss für einen Architekturwettbewerb gefallen. Mathias Hähnig vom betreuenden Büro spricht über Ziele, Hoffnungen und Auswahlkriterien. Von Bianca Lütz-Holoch

Weilheims Gesicht soll sich ändern: Die alte Schulturnhalle wird ebenso erneuert wie das Quartier drumherum.Foto: Carsten Riedl
Weilheims Gesicht soll sich ändern: Die alte Schulturnhalle wird ebenso erneuert wie das Quartier drumherum.Foto: Carsten Riedl

Architekturbüros aus ganz Europa können sich für einen Wettbewerb in Weilheim bewerben. Gesucht werden Ideen für eine neue Schulturnhalle in Weilheims Mitte und städtebauliche Anregungen für das umliegende Quartier, das sich von der Bissinger Straße entlang der Kelterstraße und dem Lindachufer bis zum Scholderplatz erstreckt. Aus maximal 25 Arbeiten wird ein Preisgericht Mitte nächsten Jahres den Sieger küren. Für die Betreuung des Wettbewerbs zuständig ist Professor Mathias Hähnig.

Ein europaweiter Wettbewerb - ist das nicht ganz schön viel Aufwand für eine Schulturnhalle in Weilheim?

Professor Mathias Hähnig: Ein europaweites Verfahren ist aufgrund der Größe der Planungsaufgabe notwendig. Der Wettbewerb gliedert sich in zwei Teile. Zum einen geht es um den Neubau einer Schulturnhalle, zum anderen aber auch um die städtebauliche Einbindung in die angrenzenden Quartiere. Das Gebiet stellt ein Entwicklungspotenzial für die Innenstadt von Weilheim dar.

Haben die Teilnehmer denn freie Hand oder gibt es Vorgaben?

Hähnig: Was die Schulturnhalle betrifft, ist bereits ein Raumprogramm vorgegeben. Der Umgang mit der Topografie, den bestehenden Schulgebäuden und die Architektursprache sind wesentliche Entwurfskriterien. Für das umliegende Gebiet sind langfristige städtebauliche Ideen gefragt. Wunsch ist es, dass ein gemischt genutztes Quartier entsteht, das zur Stärkung der Innenstadt beiträgt. Empfohlen wird die Zusammenarbeit mit Landschaftsarchitekten, da die Gestaltung des Schulhofes und die Einbindung in den Landschaftsraum der Lindach von Bedeutung sind.

Ziel ist es, aus 25 Arbeiten auswählen zu können. Glauben Sie, es bewerben sich so viele Büros?

In der Regel ist das Interesse der Architekturbüros an Wettbewerben groß. Für sie ist es eine Herausforderung, für die gestellte Planungsaufgabe die beste Lösung zu finden. Es werden Preise und Anerkennungen ausgelobt. Im Fall des Neubaus der Weilheimer Schulsporthalle gibt es ein Auftragsversprechen für einen der Preisträger.

Und die Stadt bekommt Ideen für die Gestaltung des Quartiers. . .

Für die Stadt ist ein Architektenwettbewerb ein gutes Verfahren, um über eine konkurrierende Auseinandersetzung viele Lösungsansätze zu erhalten. Diese Verfahren haben sich für Auslober und Architekten über Jahre bewährt.

Kann denn bei dem Wettbewerb jedes Architekturbüro mitmachen?

Es gibt klar definierte Auswahl- und Qualitätskriterien. So müssen die Büros zum Beispiel nachweisen, dass sie schon einen Preis bei einem Architektenwettbewerb gewonnen haben, ein realisiertes Gebäude ausgezeichnet wurde oder sie ein Hochbauprojekt im öffentlichen Raum realisiert haben.

 

Kann die Stadt auch Wunschkandidaten äußern?

Die Stadt hatte die Möglichkeit, vorab sechs Büros zu setzen, die die Auswahlkriterien erfüllen und besonders geeignet für die Aufgabe erscheinen. Sie haben ihre Teilnahme bereits zugesichert. Die restlichen 19 werden aufgrund ihrer eingereichten Referenzen ausgewählt.

Wie wahrscheinlich ist es, dass sich ausländische Büros bewerben?

Befürchtungen, dass viele Bewerbungen aus anderen Ländern eingehen, haben sich in der Vergangenheit nicht bestätigt. Meistens sind es Büros aus Baden-Württemberg, den angrenzenden Bundesländern sowie einzelne Architekturbüros aus Österreich und der Schweiz, die sich bewerben.

Was passiert eigentlich, wenn sich zu viele Kandidaten bewerben?

Wir gehen sogar davon aus, dass sich mehr als 19 qualifizierte Architekturbüros bewerben. Sollte dies der Fall sein, entscheidet das Los.

Wie wird gewährleistet, dass der beste Entwurf gewinnt und nicht Beziehungen eine Rolle spielen?

Die Beurteilung und Bewertung der Arbeiten erfolgt über ein Preisgericht, das aus Sach- und Fachpreisrichtern, aus Vertretern der Stadt, dem Gemeinderat und externen Fachleuten und Beratern besteht. Das Verfahren ist anonym. Das heißt, sämtliche Arbeiten werden ohne Namen eingereicht. Schließlich geht es nicht um die Büros, sondern um die Entwurfsideen. Aufgehoben wird die Anonymität erst nach Abschluss des Preisgerichts.

Elfköpfige Jury entscheidet über die besten Ideen

Zum Ablauf Für den Wettbewerb zum Neubau der Schulturnhalle in Weilheim samt Umfeld hat nun die europaweite Bewerbungsfrist begonnen. Sechs Wochen haben interessierte Architekturbüros Zeit, ihre Unterlagen einzureichen. Mitte Februar wird geprüft, welche Büros dabei sind. Abgeben müssen die Teilnehmer ihre Pläne und Modelle bis Mitte April. Im Mai tagt das Preisgericht. Der Bau der Schulturnhalle kann aber voraussichtlich nicht vor 2020 oder 2021 beginnen.

Zur Entscheidung Über die Gewinner des Wettbewerbs entscheidet eine elfköpfige Jury aus Fach- und Sachpreisrichtern. Unter ihnen befinden sich neben renommierten Architekturbüros und Landschaftsarchitekten auch Stadträte, Weilheims Bürgermeister Johannes Züfle und Stadtbaumeister Jens Hofmann.

Vorgaben Fest steht, dass die neue Turnhalle zwei Felder haben und südlich der jetzigen Halle gebaut werden soll. Bei der Planung und den Ideen für das Gebiet gilt es zu beachten, dass der Schulhof mindestens so groß bleiben soll, wie er jetzt ist. Außerdem braucht es Flächen für eine mögliche Schulerweiterung.

Bürgerbeteiligung Die Anregungen aus der Bürgerveranstaltung werden dem Auslobungstext als Anlage zugefügt und fließen so in den Wettbewerb ein.

Kriterien bei der Auswahl der Arbeiten sind etwa das städtebauliche Konzept, die Einbindung in den Bestand, die architektonische Gestaltung, das Freiraumkonzept, die Innenraumgestaltung sowie Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit.

Zur Person Professor Mathias Hähnig führt zusammen mit Martin Gemmeke ein Architekturbüro in Tübingen. Der 60-Jährige lehrt an der Hochschule für Technik in Stuttgart (HfT), sitzt in Gestaltungsbeiräten und übernimmt Wettbewerbsbetreuungen und Preisrichtertätigkeiten. 2017 ist ihm die Honorarprofessoren-Würde der HfT verliehen worden.bil

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