Weilheim und Umgebung

Käthchen hat‘s geschafft

Schnellbahntrasse Gestern fand am Boßlertunnel, 80 Meter über dem Filstal bei Mühlhausen, die Durchschlagsfeier mit Ronald Pofalla und Winfried Hermann statt. Jetzt sind beide Röhren fertiggestellt. Von Iris Häfner

Serie über Arbeiter auf der Baustelle am Boßlertunnel, Bernhard Faltl, Bauleiter ErdbauBagger , Baustelle , Erdaushub , LKW

Ein lauter Knall signalisierte weithin hörbar, dass Käthchen es ein weiteres Mal geschafft hat: Die Tunnelvortriebsmaschine hat die zweite Röhre durch den Boßler für die ICE-Schnellbahntrasse Stuttgart-Ulm durchgegraben. Viel zu sehen war vor dem Durchstoß nicht allzu viel, eine dichte Staubwolke behinderte die Sicht der Zuschauer. Als dann das letzte Stück Wand kapitulierte und zusammenbrach, flogen sogar Steinchen durch die Luft.

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Käthchen hat auch musikalisches Talent bewiesen - eine Art rhythmisches Pfeifen begleitete die letzten Minuten ihrer Arbeit, nachdem die Wand gefallen war. Dann kam der große Auftritt eines kleinen Baggers. Der Fahrer formte in Windeseile aus dem Geröll einen Weg für die Mineure. Nachdem die Österreich-Fahne - viele der Tunnelbauer kommen aus der Alpenrepublik - an Käthchen festgezurrt war und im Tunnelwind flatterte, kroch einer nach dem andern aus den Freiräumen des Schneidrads heraus. Kleine Kanonen sorgten immer wieder für Goldregen, Glitzerschnipsel flogen durch die Luft.

Reden gab es natürlich auch, und der Musikverein aus Laichingen umrahmte die Durchschlagsfeier auf dem kleinen Plateau bei Mühlhausen zwischen Tunnel und Baugerüst für die Fils­talbrücke in 80 Metern Höhe. Den Rede-Reigen eröffnete Ronald Pofalla, Vorstand Infrastruktur der Deutschen Bahn AG. „Mit über 8 800 Meter ist es der längste Tunnel der Neubaustrecke und der fünftlängste Bahntunnel in Deutschland“, erklärte er. Ronald Pofalla ist überzeugt, dass das Bahnprojekt Stuttgart-Ulm einen enormen Attraktivitätsschub für die Schiene als Verkehrsträger der Zukunft bringt. „Nach der Schnellfahrstrecke Berlin-München bereiten wir mit Stuttgart 21 und der Neubaustrecke Wendlingen-Ulm nun den nächsten Quantensprung im Bahnverkehr in Deutschland und Europa vor“, so der Bahn-Vorstand. Das Baugerüst vor Augen, auf dem die Bauarbeiter Platz genommen und damit einen Logenplatz hatten, ging er auch das Brückenbauwerk ein: „Es wird die dritthöchste Eisenbahnbrücke Deutschlands.“

Die Arbeiten der Neubaustrecke sind im Zeitplan. „Wir gehen davon aus, dass sie 2022 abgeschlossen sind und damit drei Jahre vor S 21. Ich sage klipp und klar: Zum Fahrplanwechsel Ende 2022 wird es einen Interimsfahrplan geben, unabhängig von S 21,“ so Pofalla.

„Das hätte Herr Herrenknecht auch nicht gedacht, dass er mit mir den Boßler-Durchbruch feiert“, sagte Baden-Württembergs Verkehrsminister Winfried Hermann in Richtung des Firmenchefs der Tunnelvortriebsmaschinen - und damit hatte der Grünen-Politiker die Lacher auf seiner Seite. Mit der Schnellbahntrasse, S 21 und der Rheintalbahn würden in Baden-Württemberg drei große Projekte realisiert. „Ist die Trasse fertig, schrumpft die Entfernung Stuttgart-Ulm zeitlich auf Stadtbahn-Niveau“, sagte er. Heute dauert die Reise etwa 55 Minuten, später wird sie sich fast halbieren - rund 30 Minuten ist der ICE unterwegs. Auch Winfried Hermann möchte die Strecke so schnell wie möglich in Betrieb nehmen. „Wir können nicht drei Jahre warten und zuschauen, wie Biotope entstehen und sich Fledermäuse einnisten“, sagte er.