Weilheim und Umgebung

Kids bringen Farbe ins Spiel

Kunstform Beim Graffiti-Workshop des Weilheimer Kinder- und Jugendtreffs konnten Jugendliche ihrer Kreativität völlig freien Lauf lassen. Von Katharina Daiss

Der große Tisch im Kinder- und Jugendtreff in Weilheim ist komplett mit Bildern eingedeckt. Großflächig und kunterbunt ziehen sich Namen wie Lars, Fabi und Rosa über das Papier. Mit großer Liebe zum Detail und viel Fantasie wurden sie gezeichnet. Es sind die Vorlagen der Teilnehmer, die in Benjamin Seyfangs Graffiti-Workshop erst mit Stift zu Papier gebracht wurden, bevor die Kinder an die Spraydosen dürfen.

Vor ein paar Jahren fand der Graffiti-Workshop schon einmal statt. „Er wurde hervorragend angenommen, wir wurden praktisch überrannt. Weil Benjamin Seyfang den Eingang der Kita, die gerade gebaut wird, sprayen wird, haben wir den Workshop nun noch einmal angeboten“, erklärt die Jugendtreffleiterin Evelyn Schmidt.

Ein besonders großer Fan der Graffiti-Kunst ist der 14-jährige Vinc. Er hat die Graffiti-Kunst im Hip-Hop-Laden seines Vaters entdeckt. Dieser brachte ihm das Sprayen bei, doch die Leidenschaft ist teuer. „Deshalb male ich meistens mit Markern zu Hause“, erklärt der Teenager. Zu seinem ersten Workshop ist er nicht allein gekommen: Auch seine kleine Schwester und zwei Cousinen sind mit dabei. Zusammen mit den anderen Teilnehmern begleiten sie Benjamin Seyfang zu einer Folienwand, die zwischen Bäume gespannt ist.

Kunterbunte Kunst: Die Teilnehmer des Workshops haben sich mit ihren Spraydosen an Folien und Holzplatten ausgetobt. Fotos: Kath
Kunterbunte Kunst: Die Teilnehmer des Workshops haben sich mit ihren Spraydosen an Folien und Holzplatten ausgetobt. Fotos: Katharina Daiss

Vor dem Graffiti-Experten stehen kistenweise Farbdosen, während auch die jungen Teilnehmer nun endlich loslegen dürfen. Von allen Seiten ist das charakteristische Klackern geschüttelter Spraydosen zu hören, und ein Zischen setzt ein, als die ersten beginnen, die knalligen Farben auf der Folie zu verteilen. Nach einigen zaghaften Strichen wächst so langsam das Gefühl für das noch ungewohnte Werkzeug. Allmählich versuchen sich die Schüler an Schriftzügen und Formen wie Kreise, Herzen und Sterne. Rosa-Lee, die kleine Schwester von Vinc, schreibt ihren Namen in roter Ballonschrift und füllt ihn kunstvoll mit Blautönen aus. Ihr Bruder ist direkt neben ihr und völlig in seinem Element. Gekonnt verpasst er dem schwungvollen Schriftzug eine schwarze Kontur.

Auf der anderen Seite ist in bunten Farben immer wieder der Name „Fabi“ zu lesen. Der Künstler dieser Graffitis, Fabian, zeichnet gerne. „Zum Sprayen hat mich irgendwann mal ein cooles Graffiti in Kirchheim inspiriert“, erzählt er. Seitdem versucht er, sich die Kunst über „YouTube“-Tutorials beizubringen. Der Teenager bedauert, dass Graffitis überwiegend den schlechten Ruf haben, nur Wände zu beschmutzen. „Man muss da einfach differenzieren: Ist es ein echtes Graffiti oder bloß ein Stinkefinger“, erklärt er mit der Ernsthaftigkeit eines jungen Künstlers.

Als die Dosen leer sind, hat Benjamin Seyfang eine Überraschung parat: „Weil ihr die Farben jetzt schon leer gemacht habt, hab‘ ich einfach noch mal so viele mitgebracht“, ruft er. Die Kids freut‘s.

Aller Anfang ist schwer

Nun geht es an ein gemeinsames „Projekt“: Die Schüler sollen sich in kleinen Grüppchen zusammenfinden und ihre Vorlagen auf Holzplatten sprayen. Fremde Kinder bleiben interessiert stehen und beobachten, wie sich die Teilnehmer ans Werk machen. Innerhalb kürzester Zeit stellen die Teams wahre Kunstwerke her, die verschiedener nicht sein könnten: die einen sprayen Mickey Maus, andere verzieren ein großes schwarzes „F“ mit Flammen, und wiederum andere kombinieren Namenszüge mit Tiermotiven. Doch Emilia, die sich an der Disney-Figur versucht, ist nicht zufrieden mit ihrem Werk. „Aller Anfang ist schwer, deshalb seid nicht so hart zu euch selbst“, tröstet Benjamin Seyfang seine Schüler und lobt: „Ich bin sehr zufrieden mit euch, und ich hoffe, ihr seid es auch.“

Die Folie wird wohl noch eine Woche neben dem Kinder- und Jugendtreff bleiben, dann muss sie entfernt werden. Doch zumindest die Holzplatten werden noch lange an den Tag erinnern.

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