Weilheim und Umgebung

Klein, aber oho!

Projekt Bastian Traub hat sich ein kleines Eigenheim auf Rädern gebaut. In seinem sogenannten Tiny House hat es auf circa 22,5 Quadratmetern alles, was man braucht – vom Badezimmer bis zur Küchenzeile. Von Melissa Seitz

Hier soll man wirklich wohnen können? Es sieht zwar wie ein richtiges Holzhaus aus - aber seine Größe gleicht eher einem kleinen Baumhaus. Bastian Traub aus Urach hat sich ein sogenanntes Tiny House gebaut. „Bitte die Schuhe ausziehen“, sagt er und lächelt. Sein Werk ist ihm heilig. Und schließlich spaziert man auch durch seine eigenen vier Wände nicht mit Straßenschuhen. Beim ersten Schritt in das Tiny House hat man das Gefühl, in eine komplett andere Welt zu treten. Das Haus wirkt plötzlich riesig, ist lichtdurchflutet und bietet unglaublich viel Stauraum.

Herr Traub aus Bad Boll hat ein Tiny House gebaut
Foto: Carsten Riedl

 

„Es gibt hier alles, was man braucht“, sagt Bastian Traub - und er hat recht. An der Seite steht ein kleiner Esstisch, gegenüber eine Küchenzeile mit Herdplatten, einer Spüle und allem drum und dran. Auch für eine kleine Empore gibt es in dem kleinen Häuschen Platz. Zusammen mit der oberen Etage hat das Tiny House eine Grundfläche von 22,5 Quadratmetern. Zugegeben, allzu groß darf man nicht sein, wenn man die Treppe hinauf zur zweiten Ebene steigt. „Deswegen ist hier das Schlafzimmer. Das liegt man ja sowieso nur flach da“, erklärt er. Vorsichtig geht es die Treppe wieder runter und in den hinteren Teil des Gebäudes. Bis jetzt steht in dem abgetrennten Räumchen nur eine Toilette. „Anschlüsse für ein Waschbecken und eine Dusche gibt es aber“, erklärt der Uracher.

Ein Jahr lang Pläne geschmiedet

Vor zwei Jahren hat Bastian Traub eine Reportage über Tiny Houses im Fernsehen gesehen. „Ich wollte auch so eins bauen“, erzählt er. Mit Holz kennt er sich aus, denn er ist Zimmerer und seit zehn Jahren selbstständig. Die erste Voraussetzung für das Gelingen seines Vorhabens war schon einmal erfüllt. Ein Jahr lang saß er mit einem Bleistift gewappnet über einem Blatt Papier. „Ich habe Pläne gezeichnet und mich informiert, wie man ein Tiny House baut“, erzählt der Familienvater.

Auf dem Areal der Firma Stiefelmeier in Weilheim hat Bastian Traub mit seiner Idee Unterschlupf gefunden. Den Hänger für sein Tiny House hat der Zimmerer aus Holland. Warum braucht man denn für ein Haus einen Hänger? Ganz einfach, es soll mobil sein, so wie ein Wohnwagen eben. Wie man ein kleines Eigenheim baut, ist für Bastian Traub wahrlich nichts Neues: „Die Konstruktion ist wie bei einem normalen Haus.“ Schnell ist das Werk des Zimmerers in die Höhe gesprossen. 3,96 Meter hoch ist das kleine Holzhaus auf Rädern.

Für den Wohlfühl-Faktor ging es von Weilheim nach Urach - mit dem Holzhaus im Schlepptau. Ganz so spektakulär, wie man sich die Fahrt auf die Alb vorstellt, war die Aktion aber dann doch nicht: „Mit einem Pick-up, der dreieinhalb Tonnen ziehen kann, geht das super.“ Im neuem Domizil angekommen, ging es an die Inneneinrichtung. „Man soll tatsächlich drin wohnen können“, erklärt Bastian Traub. Aber: „Mir war es wichtig, dass ich ökologisch arbeite.“ Deswegen bleibt auch die Holzverkleidung des Tiny Houses völlig unbehandelt. „Es soll vergrauen und sich der Natur anpassen“, ergänzt der Zimmerer. Als Dämmstoff verwendet er außerdem Schafwolle.

Herr Traub aus Bad Boll hat ein Tiny House gebaut
Foto: pr

Inspirationen holte sich der Uracher in Foren, bei anderen Tiny-House-Bauern und in Blogs. Doch trotzdem verpasste er seinem Werk einen eigenen Schliff. Das fängt an bei der Küche, die hat er sozusagen vor dem Sperrmüll gerettet und sie recycelt. In neuem Glanze erstrahlt sie jetzt durch das Licht einer Fensterfront auf der gegenüberliegenden Seite. „Auch die Leiter, die hoch zum Schlafzimmer führt, habe ich von einem Freund geschenkt bekommen“, berichtet Bastian Traub.

Nach und nach wurde das Werk zu einem einladenden Tiny House. Ein Sofa kam hinzu, eine Toilette, kleine Deko-Artikel, und die Küche wurde komplett ausgestattet. Die verwirrten Blicke der Nachbarn haben Bastian Traub kalt gelassen. „Sie haben anfangs schon gedacht, dass ich verrückt bin. Aber als sie gesehen haben, was daraus wurde, fanden sie die Idee toll.“

Ob sein Tiny House sich auch wirklich zum Wohnen eignet, hat der Zimmerer vor Kurzem selbst getestet. „Ich habe hier auch schon zwei Nächte Probe geschlafen“, erzählt Bastian Traub, „das war fast wie im Urlaub.“ Zu seinem neuen Feriendomizil wird das kleine Haus aber nicht. Sobald es fertig ist, fährt es der Zimmerer auf die Hopfenburg nach Münsingen. Interessierte können dann das hölzerne Eigenwerk von Bastian Traub kaufen. Ganz leicht fällt ihm das aber nicht: „Es tut schon weh, es wegzugeben.“

Sein nächstes Projekt ruht schon in der Scheune. Das Tiny-House-Fieber hat ihn gepackt.

Info Weitere Informationen zum Tiny House von Bastian Traub, dem Bauprozess und den Materialien, die er verwendet hat, gibt es auf seiner Facebook-Seite www.facebook.com/bastian.traub.92.

Auf das Wesentliche beschränken

Das Tiny House Movement ist eine gesellschaftliche Bewegung aus den USA.

Mit den kleinen, mobilen Behausungen soll sich die Haltung vieler Menschen ändern: Sie sollen sich weg von großen Einfamilienhäusern bewegen und sich nur auf das Wesentliche konzertieren.

In Deutschland wurden Tiny Houses bereits in den 1980er-Jahren durch die Kinderfernsehsendung „Löwenzahn“ bekannt. Der Hauptdarsteller Peter Lustig lebt in der Sendung in einem ausgebauten Bauwagen.

Die Größe der kleinen Eigenheime variiert zwischen 15 und 45 Quadratmetern.sei

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