Weilheim und Umgebung

Mutig und erfrischend anders

Auftakt Von wegen Unglückszahl: Zum Auftakt der 13. Konzertreihe in der Weilheimer Peterskirche bringt das Ensemble „Brass Orange“ das Blech wieder zum Strahlen. Von Nicole Mohn

Die Männerriege begeisterte das Publikum in der Weilheimer Peterskirche.Foto: Nicole Mohn
Die Männerriege begeisterte das Publikum in der Weilheimer Peterskirche.Foto: Nicole Mohn

Auch bei ihrer 13. Konzertreihe machen die sechs Musiker von Brass Orange alles, nur nicht so wie andere. Frisch und mutig wagt die „orange“ Macht am Bläser-Himmel ihren ganz eigenen Blick auf altbekannte Werke und scheut sich auch nicht, Ungewöhnliches zu wagen.

Unter Insidern sind die Konzerte der sechs Musiker aus der Region schon längst ein echter Geheimtipp. Und ihrem Ruf wird die brass-liebende Männerriege auch dieses Mal wieder gerecht und lässt ihrem Spieltrieb ungehemmt freien Lauf. Da brummt die Tuba im Weilheimer Kirchenschiff im flotten Sambarhythmus und da holen Posaune, Euphonium und Trompete sonniges Flair in das Kirchgestühl, auf dem sich eine beachtliche Zahl an Konzertgängern niedergelassen hat, die nun entspannt mit den Füßen wippen.

Die Affinität zu den lateinamerikanischen Rhythmen zieht sich durch den gesamten Abend. Da schwelgt die Combo in den sanft schaukelnden Wogen eines Bossa Nova von Qincy Jones, dann fliegt Peter Alber mit seinem Euphonium wieder als frecher brasilianischer Spatz in „Tico Tico“ blitzschnell von Note zu Note und macht das Publikum mit seiner geballten Virtuosität schier schwindelig.

„Juicy“ - also saftig - so das Motto der Brass-Bande ist der Sound - und dem werden die sechs Musiker an diesem Abend auch gerecht. Nichts ist da trocken, keines der Arrangements, die oft aus den eigenen Reihen stammen, ist angestaubt oder oft schon gehört. Immer wieder schafft es Brass Orange, die Erwartungen zu durchbrechen. Beethovens weltberühmtes Streicher-„Air“ in einem Arrangement für Blech? Kein Problem für die sechs Mannen. Auch hier wieder spielen Peter Alber und sein seelenvolles Spiel auf dem Euphonium eine entscheidende Rolle.

Doch die sechs Musiker wagen in ihrer 13. Konzertreihe auch wieder Ungewöhnliches. So das „Laus Domino“, eine Conductusmontette aus dem 13. Jahrhundert, einer Zeit, in der das heutige Notensystem noch gar nicht existierte. Peter Wondra hat das Stück für das Ensemble bearbeitet und um zwei Stimmen ergänzt. Jedoch ohne den getragenen, feierlichen Charakter des „Laus Domino“ zu verfälschen. Auch die „Banda Colors“ von der zeitgenössischen Komponistin Barbara Katzer-Knappstein, ist so ein ungeschliffener Edelstein, den die Brass Orange im neuen Arrangement der Künstlerin selbst zu edlem Schein verhelfen.

Von zauberischer Leichtigkeit erhebt sich dann die Ouvertüre zu Mozarts Zauberflöte in die Höhen der Peterskirche. Hier zeigen Christian Stäbler (Trompete), Hartmut Weber (Trompete), Thomi Winkler (Tuba) sowie Andreas Breisch (Posaune) und Benjamin Bös (Horn) ihre ganze Klasse.

Immer wieder sind die sechs Musiker aber auch für ein schelmisches Zwinkern gut. Da dampft die Tuba von Thomi Winkler beim Soundtrack von Jim Knopf als Lokomotive Emma oder swingt sich die Brass Orange-Crew durch den Floral Dance von Katie Moss.

Eine Stunde lang lassen die orange-beschuhten Bläser ihr Brass funkeln und strahlen. Dann ist leider schon wieder Schluss. Ein kleiner Trost bleibt jedoch: Zwei Termine gibt es mit dem kongenialen Ensemble auf ihrer diesjährigen Konzert-Tour. Und dann ist da ja auch noch die Vorfreude - auf Konzertreihe Nummer 14.

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