Weilheim und Umgebung

Nachbarn zahlen für Betreuung mit

Bissingen, Neidlingen und Holzmaden beteiligen sich finanziell an schulischem Ganztagesangebot der Stadt Weilheim

Im nächsten Schuljahr startet am Bildungszentrum Wühle in Weilheim eine Ganztagsbetreuung. Die Nachbargemeinden zeigen sich solidarisch.

Noch ist die Mensa am Bildungszentrum Wühle in Weilheim nicht möbliert. Mit Beginn des neuen Schuljahrs soll hier Leben einkehre
Noch ist die Mensa am Bildungszentrum Wühle in Weilheim nicht möbliert. Mit Beginn des neuen Schuljahrs soll hier Leben einkehren.Foto: Carsten Riedl

Weilheim. Für jeden Schüler aus Neidlingen, Bissingen und Holzmaden, die vom kommenden Schuljahr an in den Klassen 5 und 6 die Ganztagesbetreuung am Bildungszentrum Wühle in Weilheim in Anspruch nehmen, bezahlen die Kommunen jeweils 600 Euro. Um eine entsprechende Beteiligung hatte die Stadt Weilheim gebeten. In Neidlingen und Bissingen ging der Beschluss glatt über die Bühne. In Holzmaden regte sich hingegen Widerstand gegen das Ansinnen der Limburgstadt. Mit einer knappen Mehrheit von sechs zu fünf Stimmen gab auch die Urweltgemeinde ihr Okay zur Anfrage Weilheims. Doch weigert sich Holzmaden, die vorgelegte Vereinbarung über zehn Jahre abzuschließen. Unterschrieben wird lediglich für drei Jahre. Prämisse ist zudem, dass die Kommune bei einer etwaigen Erhöhung des Solidarbeitrags nicht durch die anderen Gemeinden überstimmt wird.

„Wir wissen nicht, wie sich unsere Haushaltsmittel entwickeln“, so begründet Holzmadens Bürgermeisterin Susanne Jakob die Zurückhaltung im Holzmadener Ratsrund. Kritisiert wurde dort, dass Weilheim plant und die umliegenden Gemeinden am Ende vor vollendete Tatsachen stellt. Zudem habe die Limburgstadt ein höheres Gewerbesteueraufkommen und schöpfe aus den umliegenden Gemeinden Kaufkraft ab. Aus der Urweltgemeinde nutzen von September an voraussichtlich vier Schüler das Angebot der Ganztagesschule. Holzmaden muss dafür im kommenden Schuljahr 2 400 Euro bezahlen.

In Neidlingen standen Rat und Verwaltung dem Ansinnen Weilheims weit weniger skeptisch gegenüber. Wie Bürgermeister Klaus Däschler sagt, wurde im Reußensteinort insbesondere das pädagogische Konzept gelobt. Den Solidarbeitrag hielten die Räte deshalb für völlig angemessen. Auf das gleiche Wohlwollen stieß die Anfrage in Bissingen. „Der weiterführende Schulstandort wird durch das Vorhaben gestärkt“, betont Bürgermeister Marcel Musolf. Insgesamt rechnet er damit, dass das Ganztagesangebot jährlich bis zu 15 Kinder aus Bissingen und Ochsenwang annehmen. Damit entstünden für die Gemeinde Kosten in Höhe von jährlich 9 000 Euro.

Weilheims Hauptamtsleiter Marcel Launer wertet die Zustimmung der Nachbarkommunen als gutes Zeichen der Solidarität. Allein der laufende Betrieb koste pro Platz rund 1 500 Euro.  Gebühren müssen für das Angebot auch die Eltern bezahlen. In anderer Sache übt sich inzwischen auch die Stadt Weilheim wieder in Solidarität: Wie alle anderen Umlandgemeinden zahlen die Limburgstadt und Neidlingen nun wieder Zuschüsse an die Kirchheimer Volkshochschule. 2010 waren beide Kommunen aus dem Solidarpakt ausgeschert. Jahrelang mussten deshalb Kursteilnehmer aus den beiden Kommunen Sonderzuschläge bezahlen. Nach wie vor würde sich Weilheim wünschen, dass mehr Kurse vor Ort stattfinden. „Da hat sich was getan“, sagt Launer. „Doch es ist noch Luft nach oben.“

Auch in Lenningen hat die Gemeindeverwaltung bereits darüber nachgedacht, wie man den stetig steigenden Kosten für die Ganztagesschule begegnen kann. „Eine Idee ist natürlich eine Beteiligung der Kommunen, aus denen Kinder die Ganztagesschule besuchen“, sagt Bürgermeister Michael Schlecht. „Aus meiner Sicht ist hier aber vor allem das Land gefordert, eine Regelung wie beim Kostenausgleich bei den Kindertagesstätten zu treffen.“

Das Vorgehen der Weilheimer Nachbargemeinden, die sich an den Kosten beteiligen, hält der Lenninger Rathauschef für nachahmenswert: „Wir werden zum Schuljahr 2016/17 eruieren, wie viele Schüler aus welchen Kommunen das Angebot unserer offenen Ganztagesschule am Schulzentrum Oberlenningen wählen.“ Geprüft werden soll dann, ob die Zahl der auswärtigen Schüler zu höheren Betreuungskosten führt, als durch die Lenninger Ganztagesschüler verursacht werden.

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