Weilheim und Umgebung

Ohmdens Schüler proben für Weltpremiere

150 Jahre Max und Moritz: Kantate von Bertram Schattel setzt das beliebte Kinderbuch in Szene

In der Grundschule in Ohmden wird fleißig geprobt: Die Kinder üben Max und Moritz ein, eine Kantate, die Bertram Schattel, Chorleiter der Musikschule Kirchheim, selbst komponiert hat. Die Aufführung findet am 17. Juli im Steingauzentrum statt.

Immer üben und das auch noch mit viel Spaß: Die Schüler und Bertram Schattel freuen sich auf die Premiere.Foto: Judith Reischl
Immer üben und das auch noch mit viel Spaß: Die Schüler und Bertram Schattel freuen sich auf die Premiere.Foto: Judith Reischl

Ohmden. „Ach, was muß man oft von bösen Kindern hören oder lesen!“ So beginnt die Geschichte von Max und Moritz, geschrieben und gezeichnet von Wilhelm Busch. 150  Jahre ist es her, seit das Buch zum ersten Mal veröffentlicht wurde. Die Geschichte der beiden ist eines der meistverkauften Kinderbücher aller Zeiten. Bis heute wurde es in 300 Sprachen und Dialekte übertragen Und die Geschichte selbst ist aktueller denn je.

Und genauso wie das Buch beginnt, schmettern die Kinder der Grundschule Ohmden los, wenn Bertram Schattel die Chorprobe leitet. Mit blitzenden Augen und voller Freude sind die Grundschüler dabei, sich auf die Aufführung vorzubereiten. Seit Monaten wird geprobt, nun sitzen Text – übrigens der komplette Text, ungekürzt – und Melodie. Jetzt wird gefeilt: An der Aussprache, besonders schwierige Stellen werden geübt, bestimmte Bewegungen zur Veranschaulichung einstudiert.

Doch immer üben, die Kinder wollen das ganze Stück von Anfang an singen. Bertram Schattel schwimmt mit, nutzt die Freude und den Elan der Kinder, nun wird mit dem ersten Streich beginnend gesungen. Am Ende der Chorprobe sind alle erledigt – die Kinder stürmen in die große Pause. Fast eine dreiviertel Stunde haben sie konzentriert gearbeitet, gesungen, geprobt. Sind da gestanden ohne zu zappeln, voller Aufmerksamkeit. „Das ist eine große Leistung für die Erst- bis Viertklässler“, betont Chorleiter Schattel. Die ganze Schule singt, das ist in Ohmden schon Tradition. „Und alle Kinder sind dabei“, darauf ist Bertram Schattel, der in Kooperation mit der Grundschule als Chorleiter die Kinder betreut, besonders stolz. Jedes Jahr gibt es ein Sing-Projekt, und jedes Jahr ist das Ergebnis beeindruckend, der Chorgesang von hoher Qualität.

„Die „Weltpremiere“ der Schattel-Kantate braucht auch ihren Rahmen, also fertigen die Kinder in einer Projektwoche das „Drumherum“, erklärt Schulleiterin Gabriele Seitz. Eine Kantate – im Unterschied zu einem Musical – konzentriert sich auf das Gesungene, die Musik und der Chor stehen im Vordergrund. „Und so sollen bei der Aufführung Sequenzen zu den einzelnen Streichen an die Wand projeziert werden“, erklärt die Schulleiterin. Sechs Schülergruppen haben sich je einen Streich vorgenommen und zeigen ihn auf verschiedene Weise. Die eine Gruppe arbeitet mit Schattenbildern, es werden Marionetten gefertigt, ein Comic wird gezeichnet, denn „Wilhelm Busch ist mit seinen Bildergeschichten ja der Urvater des Comics“, erklärt Gabriele Seitz. Zudem gibt es eine Fotostory, „dass der Schneider Böck dabei zu einem Mode-Designer mutiert, war die Idee der Kinder“, schmunzelt Seitz. Dann gibt es noch ein Stabfigurentheater mit selbst gemachten Figuren und selbst genähten Kleidern und auch eine Trickfilmsequenz produzieren die Kinder.

Auch inhaltlich wird die Geschichte aufgearbeitet. „Vielleicht kommt sie uns Erwachsenen – wie auch manches Märchen – unzeitgemäß oder auch brutal vor, doch die Kinder können sehr wohl zwischen Wirklichkeit und Erzählungen unterscheiden“, sagt Gabriele Seitz. „Und es gehört zur Allgemeinbildung, das Kulturgut Max und Moritz zu kennen“.

Manche Zeile aus dem Werk ist doch inzwischen zu geflügelten Worten geworden: „Aber wehe, wehe, wehe! Wenn ich auf das Ende sehe!“, und „Dieses war der erste Streich, doch der zweite folgt sogleich“. Für die Grundschüler war es eine Herausforderung, den Originaltext zu bewältigen, wird das Werk doch auswendig gesungen. Doch die Kinder haben‘s mit Bravour gemeistert.

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