Weilheim und Umgebung

Weg für digitales Lernen bereitet

Medien Die Weilheimer Schulen werden in Sachen Digitalisierung und Technik auf den neuesten Stand gebracht. Das Bildungszentrum Wühle erhält sogenannte „Active Boards“. Von Bianca Lütz-Holoch

Junge Menschen medienkompetent machen - das ist das erklärte Ziel von Schulen und Stadt.Foto: Jean-Luc Jacques
Junge Menschen medienkompetent machen - das ist das erklärte Ziel von Schulen und Stadt. Foto: Jean-Luc Jacques

Die Corona-Krise hat es nochmal ganz klar vor Augen geführt: Digitales Lernen muss an den Schulen künftig einen viel höheren Stellenwert einnehmen. In Weilheim sind die Weichen dafür schon gestellt: Die drei Schulen der Stadt werden im Laufes dieses und des nächsten Jahres komplett neu ausgestattet.

Im Herbst hatte der Gemeinderat bereits den Medienplan der Limburg-Grundschule abgesegnet. Jetzt gab er auch grünes Licht für das Konzept der Realschule und der Werkrealschule am Bildungszentrum Wühle (BZW). „Das Land gibt leider keine Empfehlungen dazu, wie der digitale Unterricht auszusehen hat und welche Ausstattung sich eignet“, sagte Weilheims Bürgermeister Johannes Züfle. Ein Jahr lang hat deshalb nun ein gemischtes Team aus Lehrkräften der Real- und der Werkrealschule an einem Konzept gearbeitet. In der Limburghalle wurde es öffentlich vorgestellt.

„Wir haben die Konzeption gemeinsam für beide Schulen erstellt, weil wir von Synergieeffekten ausgehen“, erläuterte Robin Fehmer, Rektor der Realschule und geschäftsführender Schulleiter. Das große Ziel: „Wir müssen junge Menschen medienkompetent machen“, so Fehmer. „Wir sehen uns als digitale Wegbereiter“, ergänzte Elke Amend-Gebühr, kommissarische Leiterin der Werkrealschule. Sie gab zu bedenken, dass viele ihrer Schüler Berufe in Industrie und Handwerk ergreifen - Bereiche, in denen die Digitalisierung lange Einzug gehalten hat.

Im Mittelpunkt sollen am Bildungszentrum künftig sogenannte „Active Boards“ stehen: digitale Tafeln, die die Vorteile von Whiteboards und normalen Schiefertafeln vereinen. „Sie funktionieren auch, wenn man mal kein WLAN hat“, sagte Bernhard Grünzweig, Mitglied des Planungsteams. Die neuen Tafeln sind äußerst langlebig und flexibel. Ein Mini-PC macht daraus eine Art riesiges Tablet. Dokumentenkameras ermöglichen es, auch analoge Medien wie Schulhefte und Bücher einzublenden. Schüler können ihre eigenen Geräte anschließen und sich sogar von zu Hause aus oder aus anderen Zimmern einklinken. Auf den Tafeln lassen sich Apps anwenden und Videos abspielen. Schüler können daran auch „per Hand“ arbeiten, indem sie auf der Tafel Elemente verschieben. „Es werden also alle Lerntypen angesprochen“, sagte Team-Mitglied Alexander Frank.

In den Sommerferien werden die technischen Grundlagen am BZW geschaffen, indem alle Räume eine LAN-Verkabelung und WLAN-Abdeckung erhalten. Darüber zeigte sich Bernhard Grün- zweig erleichtert: „In den letzten Jahren war wir sehr gefrustet, weil man nie wusste, ob die Whiteboards funktionieren oder nicht.“

Stadt investiert in Medienbildung

1,1 Mio. Euro lässt sich die Stadt Weilheim die digitale Ausstattung an ihren drei Schulen kosten. Sie erhält dafür Zuschüsse in Höhe von insgesamt 440 000 Euro, ein Großteil davon stammt aus dem Digitalpakt Schule des Landes Baden-Württemberg. Aus eigener Tasche zahlen muss die Stadt Weilheim damit 660 000 Euro.

Allein die Kosten für die Grundinfrastruktur und Verkabelung betragen für das Bildungszentrum Wühle 350 000 Euro, für die Limburg-Grundschule nochmal 185 000 Euro. Die IT-Aus­stattung der beiden Schulen am Bildungszentrum Wühle beläuft sich auf 460 000 Euro. Dazu zählen etwa für digitale Tafeln, Dokumentenkameras und PCs. Für die Limburg-Grundschule fallen für die Geräte - Stand Oktober - 105 000 Euro an.

Die laufenden Supportkosten und Neubeschaffungen muss die Stadt nach aktuellem Stand übrigens selbst stemmen. Bislang sind 7 000 Euro jährlich dafür einkalkuliert. Auch für die Limburg-Grundschule fallen jährliche Wartungskosten an. Im Herbst wurden sie auf 10 000 Euro pro Jahr geschätzt.

Die „Active Boards“, die neuen digitalen Tafeln, die das Bildungszentrum Wühle anschaffen will, haben das Planungsteam nicht nur wegen ihrer Vielseitigkeit überzeugt, sondern auch aufgrund ihrer Langlebigkeit. Die Schulen gehen davon aus, dass die Tafeln mindestens zehn Jahre halten. Dabei gebe es - anders als etwa bei Beamern - kaum Qualitätsverluste. Muss die Hardware auf den neuesten Stand gebracht werden, so genügt es, die verbundenen Mini-PCs zu erneuern. Die Kosten dafür belaufen sich auf rund 400 Euro pro Stück. bil

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