Weilheim und Umgebung

Zwei Chöre holen die 70er-Jahre zurück

Konzert „Salto Vocale“ und die Sing-Tonics präsentieren im Weilheimer Löwensaal ein vielfältiges Lieder-Potpourri.

70er-Jahre-Feeling im Weilheimer Löwensaal. Foto: Sabine Ackermann
70er-Jahre-Feeling im Weilheimer Löwensaal. Foto: Sabine Ackermann

Weilheim. Am Ende gab es zu Recht viel Beifall für das reizvolle Arrangement unterschiedlich gefärbter Stimmen aus zwei Chören. Gastgeber des ungewöhnlichen Konzerts war der 23-köpfige Frauenchor Salto Vocale aus Weilheim, der unter der Leitung von Andreas Baumann eindrucksvoll unter Beweis stellte: wir können auch modern. Dass sie gleichfalls weit entfernt vom biederen Chorklischee sind, demonstrierte das aus drei Männern und acht Frauen bestehende Ensemble Sing-Tonics aus Kirchheim. „Lasse redn“, lautet einer von vielen Titeln verriet Nicole Mütschele, doch die Vereinsvorsitzende von Salto Vocale kündigt an: „Lass uns lieber singen“. Dieser Aufforderung kommen die Frauen gerne nach. Ein cleverer Schachzug, den fluffig-folkigen Popsong „California Dreamin‘“ von Mamas and Papas gleich am Anfang zu präsentieren. Schon war gute Laune programmiert. „Warm ums Herz wird es uns nun bei drei Liebesliedern“, kündigte Conférencier Andreas Baumann an, der zu jedem Titel Interessantes erzählen konnte. Mit John Denvers Ode an seine Frau Annie, zu der er 1973 während eines Skiaufenthalts in Aspen inspiriert wurde, Robert Burns „Red, red Rose” aus dem 18. Jahrhundert und der Ballade „Can´t help falling in love” von Elvis Presley, die auf dem französischen Chanson „Plaisier d‘ámour“ basierende Schlussmelodie seiner Konzerte, trafen Salto Vocale voll ins Schwarze. Dann kam ABBA - logisch dass sich die Sängerinnen für ein Medley der weltweit erfolgreichen Band entschieden. „Damit noch ein wenig mehr 70er-Jahre-Feeling aufkommt, haben die Mädels in fleißiger Handarbeit ein paar Accessoires genäht“, verrät Andreas Baumann. Das nennt man Einsatz auf ganzer Linie. Großen Einsatz vermittelte Robert Kast auf seine ganz besondere Weise, nämlich im Sitzen. Einzigartig, wie lässig, oftmals einhändig, aber immer mit unbeschreiblicher Mimik er seine Sänger dirigiert. Fast schade war, dass die meisten Zuschauer im rappelvollen Löwensaal das wohl gar nicht mitbekamen.

Anzeige

Das Ensemble Sing-Tonics baute in ihr Liedgut mitunter kleine Geschichten ein. Schon der erste Titel „Madrigal“ von William Wahl machte klar, dass der Chor nicht Alltägliches singt. Bekannter waren dagegen Stevie Wonders „I wish“, Adeles „Rolling in the Deep“ und eben „Lasse redn“, indem die Ärzte fröhlich empfehlen, all die Deppen, Spießer und Heuchler gepflegt zu ignorieren.

Keinesfalls ausblenden konnte man weitere Lieder, die für viele Aha-Momente sorgten. Ob „Jetzt ist Sommer“ von den Wise Guys, Jan Delays „Oh Johnny“, der James-Bond-Klassiker „Skyfall“ oder John Miles „Music“. Es war eine gute Idee, das knappe Dutzend Sänger mit ins Boot zu holen. Am Schluss ließen wieder Salto Vocale aufhorchen. Auch sie sind weit entfernt vom Einheitsbrei der Chöre. Es war ein tolles Konzert, bei dem der Titel „Seite an Seite“, sowohl von den Gastgebern als auch den Gästen wie die Faust aufs Auge passte. Sabine Ackermann