Zwischen Neckar und Alb

Beim Einkaufen die Hygiene voll im Griff

Erfindung Baden-Württemberg ist bekanntlich das Land der Tüftler. Jetzt hat eine Göppinger Firma einen mobilen Handgriff für Einkaufswagen entwickelt. Von Axel Raisch

Kunststoffgriffe zum Anclipsen an den Einkaufswagen
Kunststoffgriffe zum Anclipsen an den Einkaufswagen. Foto: pr

Es ist eine der positiven Begleiterscheinungen der Krise: Wieder einmal stellt der deutsche Südwesten eindrucksvoll unter Beweis, dass er zu Recht als Land der Tüftler gilt. Fast täglich melden sich mittelständische Firmen, die innerhalb kürzester Zeit innovative Produkte zur Marktreife gebracht haben, die derzeit gefragt sind.

So können beim Göppinger Spritzgussspezialisten Kick ab Mitte dieser Woche Griffe gekauft werden, die einfach am Einkaufswagen eingeklickt und ebenso leicht wieder abgenommen werden können. Nassgeschwitzte Hände unter Handschuhen oder ausgetrocknete Haut vom Desinfektionsmittel gehören damit der Vergangenheit an.

Aber ist das denn nötig, angesichts der Desinfektionsmöglichkeit der Wagengriffe in vielen Märk­ten? „Man geht doch lieber zu Hause aufs Klo, auch wenn am fremden Örtchen eine Desinfektionsmöglichkeit besteht”, macht Kick-Chef Marco Kienzler den Vorteil deutlich. Das Eigene werde erfahrungsgemäß immer vorgezogen. So berichteten Tester aus dem Umfeld der Firma auch unisono, dass sie sich mit dem Griff sicherer beim Einkauf fühlten, eine Tatsache, die Projektleiter Achim Hohler, dem die Idee zu dem Produkt beim Einkauf kam, freute.

Zudem könne der Griff, der immer paarweise verkauft wird, auch problemlos für Gefriertruhen, Türen und andere passende Gegenstände genutzt werden. „Ich kann also bequem einkaufen gehen, ohne dass ich etwas anfassen muss”, sagt Kienzler. Möglicherweise gibt es bald sogar eine Weiterentwicklung, mit der dann auch noch der Bezahlvorgang gestaltet werden kann - ein Stift zum Eintippen der PIN. „Man ist jederzeit frei beim Einkaufen, die Griffe bleiben stabil am Wagen stehen, man muss sie nicht herumtragen”, weist Hohler auf einen weiteren Vorteil hin. Zudem seien die Kunststoffgriffe spülmaschinen- und desinfektionsmittelfest.

Von der ersten Zeichnung bis zur Herstellung eines Prototyps seien gerade einmal zwei Wochen vergangen, berichtet Hohler. Die Kick-Innovation gibt es in zwei Ausführungen: für die (alten) runden Einkaufswagengriffe sowie für die (neueren) breiten Griffe.

„Not macht erfinderisch”, sagt Kick-Geschäftsführer Marco Kienzler. Die Einbrüche in der Automobilindustrie bekam auch sein Unternehmen hart zu spüren, auch wenn sich die Göppinger Traditionsfirma, die er 2014 übernommen hatte, inzwischen breit aufgestellt hat. Auch deshalb erwartet Kienzler nach der Krise eine Auftragsflut vieler Kunden.

Bereits im Herbst konnten die Göppinger einen Erfolg mit Signalwirkung vermelden, der sich angesichts der derzeitigen Entwicklung fortsetzen könnte - ein Medizintechnik-Produkt, das bislang in China hergestellt wurde, wird künftig in Göppingen produziert. Aufgrund von Qualitätsmängeln beim bisherigen Auftragnehmer in Fernost hat ein Hersteller von Beatmungsgeräten für Frühchen die Aufträge für ein Bauteil an Kick vergeben. Die Billigvariante aus China war ihn letztendlich teurer zu stehen gekommen als das in der Herstellung weniger günstige Qualitätsprodukt aus Deutschland. Da Beatmungsgeräte für Babys besonders fein justierbar sein müssen, überlegt der Hersteller, mit dieser Erfahrung nun auch einsetzbare Geräte für Erwachsene zu produzieren, die für weniger Schäden durch Beatmung sorgen könnten. Bei der Entwicklung eines Teils der Geräte ist die Göppinger Firma involviert. Nicht die schlechtesten unternehmerischen Ausssichten, auch wenn sich Kienzler und seine Belegschaft das 60-Jahr-Jubiläum der Firma anders vorgestellt hatten.

 

Kontakt: Das Unternehmen ist erreichbar unter der E-Mail-Adresse griff@kick-gmbh.de oder unter der Nummer 0 71 61/9 46 18 14

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