Zwischen Neckar und Alb

Der Bagger reißt das Pfarrhaus ab

Bau Die Gemeinderäume der Nürtinger Lutherkirche weichen einem Neubau der Stiftung Tragwerk. Am 12. Mai steigt die Abrissparty. Von Anneliese Lieb

Vor dem großen Umbau findet im Martin-Luther-Hof ein Flohmarkt statt. Dort kann man alles kaufen, was sich in den vergangenen 46
Vor dem großen Umbau findet im Martin-Luther-Hof ein Flohmarkt statt. Dort kann man alles kaufen, was sich in den vergangenen 46 Jahren in der Kirche angesammelt hat.Foto: Anneliese Lieb

Pfarrerin Barbara Brückner-Walter und Ulrike Kudlich, die Erste Vorsitzende des Kirchengemeinderats, sind sich einig: „Wir freuen uns auf das, was hier neu entsteht. Mit dem Projekt ‚Martin-Luther-Hof gemeinsam‘ öffnen wir uns und werden einige Räumlichkeiten auch gemeinsam mit der Stiftung Tragwerk nutzen.“

Der vorerst letzte Gottesdienst mit Abendmahl in der Lutherkirche hat bereits stattgefunden. Die Konfirmation wird in diesem Jahr in der Stadtkirche gefeiert, und ab Juni ist die Lutherkirchengemeinde bei der Evangelisch-methodistischen Kirche zu Gast. Auf drei verschiedene Orte wird sich die Gemeindearbeit in den nächsten eineinhalb Jahren verteilen, bis zur Fertigstellung der neuen Gebäude 2019. „Wir leben in der Utopie - Gott hat keine Residenzpflicht“ war das Predigtthema von Barbara Brückner-Walter. Die Pfarrerin ist seit 2003 an der Lutherkirche und freut sich auf den Neuanfang. Aus dem alten Pfarrhaus ist die Familie schon vor zwei Jahren ausgezogen. Übergangsweise hat die Stadt das Gebäude als Obdachlosenunterkunft genutzt.

Derzeit sind Ulrike Kudlich und weitere Mitglieder der Kirchengemeinde damit beschäftigt, das Gebäude für den Abbruch auszuräumen. „In den Regalen und Schränken haben sich über Jahrzehnte Dinge angesammelt, die niemand wegwerfen wollte“, hat Ulrike Kudlich festgestellt.

Die Lutherkirche wurde 1972 eingeweiht. Ulrike Kudlich hat Kinderschürzen mit dem Aufdruck Lutherkirche gefunden, einen alten Plattenspieler, oder Originaldrucke vom Künstler, der den Altar gestaltet hat. All diese besonderen „Schätze“ werden bei der Abrissparty am 12. Mai, die unter dem Motto „Abbruch und Aufbruch“ steht, ab 16 Uhr bei einem Flohmarkt verkauft. Kinder und Jugendliche dürfen die Abbruchgebäude mit Sprühaktionen oder Fingerfarben verschönern.

Nach dem 12. Mai rücken die Abrissbagger an. Stehen bleiben nur der Kirchenraum und der Gemeindesaal. Das alte Pfarrhaus und die Gemeinderäume rechts vom Kirchenraum müssen dem Neubau weichen. „Was die Architekten geplant haben, sieht verheißungsvoll aus“, sagt Barbara Brückner-Walter. Der Lutherkirchenraum erhält neue Fenster, eine neue Heizung, das Flachdach wird saniert und die Elektroinstallation erneuert. Auch die Trennwand zwischen Kirchenraum und Saal wird neu gemacht. „Eine neue, moderne Küche wird direkt neben dem Saal gebaut“, freut sich die Pfarrerin auch im Hinblick auf die Vesperkirche, die im nächsten Jahr vorübergehend ins Roßdorf umzieht und dann wieder in die Lutherkirche zurückkehrt. „Man kann sich gut vorstellen, dass so eine neue Küche nicht nur für die Vesperkirche, sondern auch für viele andere Veranstaltungen im Martin-Luther-Hof eine riesengroße Verbesserung ist.“

Der künftige Eingangsbereich mit dem Foyer wird von der Kirchengemeinde und der Stiftung Tragwerk genutzt. Anstelle der Gemeinderäume und des alten Pfarrhauses entsteht ein Winkelbau mit Kinderbetreuungseinrichtungen im Erdgeschoss und Büros für die Jugendhilfeeinrichtungen im Obergeschoss. In der Kindertagesstätte gibt es drei Gruppen für Über-Drei-Jährige und eine für Kleinkinder unter drei Jahren. Die im Neubau der Stiftung Tragwerk liegenden Besprechungsräume sollen von allen Beteiligten gemeinsam genutzt werden. Gleiches gilt auch für die sanitären Anlagen mit Behinderten-WC. Im Gegenzug können sowohl die Stiftung Tragwerk als auch die Kindertagesstätte den Saal beziehungsweise Mehrzweckraum, die neue Küche und den Kirchenraum der Lutherkirchengemeinde nutzen. Im Untergeschoss wird eine gemeinsame Nutzung von Abstellmöglichkeiten angestrebt. Ein Aufzug im Trakt der Stiftung Tragwerk macht das Gebäude barrierefrei. Auch die Außenanlagen sollen gemeinsam genutzt werden. „Es wird eine generationenübergreifende Einrichtung“ sagt Barbara Brückner-Walter.

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