Zwischen Neckar und Alb

Der Bürgermeister braucht kein neues Telefon

Interview Mit ihrem neuen Programm „Jetzt wird’s Dag“ touren Albin Braig und Karlheinz Hartmann durch Süddeutschland. Zu Hause sind sie jedoch im SWR. Von Thomas Krytzner

Karlheinz Hartmann (links) und Albin Braig kennt man vor allem aus „Hannes und der Bürgermeister“ im SWR. Foto: Thomas Krytzner
Karlheinz Hartmann (links) und Albin Braig kennt man vor allem aus „Hannes und der Bürgermeister“ im SWR. Foto: Thomas Krytzner

Heute, wie an jedem Dienstag um 22 Uhr, läuft im SWR wieder „Hannes und der Bürgermeister“. Die beiden Darsteller Karlheinz Hartmann (der Bürgermeister) und Albin Braig (Hannes) sind gerade mit ihrem neuen Programm unterwegs und füllen die Konzerthallen. Im Gespräch betrachten die Akteure ihre Bühnenrollen aus Distanz und geben Tipps für Jungschauspieler.

Die Requisiten der Sendung wie zum Beispiel das Wählscheibentelefon haben Kultstatus. Wird das Inventar modernisiert?

Karlheinz Hartmann: Das Telefon gibt es von Anfang an und das braucht der Bürgermeister. Es gehört einfach zur Rolle und wird nicht ersetzt.

Haben Sie zu den fiktiven Personen wie Frau Kurle oder Fritz, dem Schrietinger Bürgermeister, ein Bild im Kopf oder gar eine Beziehung?

Albin Braig: Das sind unsichtbare Menschen, die für das Publikum beschrieben werden. Da kann sich der Zuschauer selber eine Vorstellung machen. Wir haben keine lebende Person als Bild im Kopf. Sie ist im Gehirn gemeißelt.

Stellt sich Hannes demnächst zur Bürgermeisterwahl auf?

Braig: Das hat er im Laufe der Jahre schon einmal geplant gehabt, hat aber wieder zurückgezogen. Er will gar kein Bürgermeister sein. Hannes will Amtsbote bleiben.

Trafen Sie damals die richtige Entscheidung, den Hannes und den Bürgermeister zu spielen?

Braig: Durchaus. Vor vielen, vielen Jahren war es die richtige Entscheidung. Es war sogar die Entscheidung meines Vaters, den Sketch zu schreiben, und es lag dann an uns, den Figuren Leben einzuhauchen.

Das gemeinsame Schnäpschen gehört ja bei Hannes und dem Bürgermeister dazu. Gibt es einen Lieblingsbrand?

Braig: Williams ist immer gut. Wir müssen ja Obstler trinken, aus Kostengründen. Wir haben auch schon mal Edelbrände, die sind dann in der kleinen Flasche. Aber auf der Bühne trinken wir ordinäre Obstler, 42-prozentig und zehn bis 15 Stück am Abend. Das muss man überleben.

Das härtet also ab?

Braig (lacht): Das gibt eine harte Leber, ja, und härtet ab.

Gab es Szenen während Ihrer Auftritte, bei denen gar nichts mehr ging?

Hartmann: Ich wüsste jetzt nicht, dass es so schlimm war, dass wir beide nicht mehr konnten. Es gab jedoch schon Texthänger, die zu Verzögerungen führten.

Braig: Bei Patzern improvisieren wir so lange, bis wir wieder im Text sind.

Kann man im Beruf Schauspieler heute noch überleben? Haben Sie Tipps für junge Menschen?

Hartmann: Es so zu machen, wie wir beide begonnen haben, bei einer Laienbühne, empfehle ich jedem. Schauspieler als Beruf eigentlich nicht.

Braig: Wir sind ja nicht angetreten im Leben mit dem Ziel, Schauspieler zu werden. Wir hatten eine normale Berufsausbildung, haben normal gearbeitet, im Betrieb. Und irgendwann haben wir das Hobby, das so nebenher lief, die Schauspielerei, zum Hauptberuf gemacht. Wir spielten schon 20 Jahre, bis wir diese Entscheidung trafen. Ein Schauspieler, der heute über die Schauspielschule in der Theater- und Filmwelt Fuß fassen will, muss großes Glück haben. Talent alleine reicht nicht. Es braucht auch Beziehungen, um vom angeblichen Traumberuf leben zu können. Nur ganz wenige schaffen dies heutzutage.

Bleibt Ihnen noch Zeit für Hobbys nebst der Arbeit auf der Bühne?

Hartmann: Feste Hobbys habe ich nicht. Briefmarkensammeln und ähnliches fällt weg. Dann eher Wandern und Spazierengehen, wenn es die Zeit zulässt. Zu anderen Hobbys fehlt mir auch die Lust.

Braig: Ich habe keine Zeit dazu. Im Urlaub schreibe ich die Sketche. Ansonsten treten wir ja fünf mal die Woche auf. Montag und Dienstag jeweils Gastspiel, den Rest der Woche in der Mäulesmühle. Und in den Urlaub gehe ich, um zu schreiben. Ich kriege auch kaum mit, was um mich rum passiert. Wenn man sein Hobby zum Beruf macht, haben wir beides gepaart: Freizeit und Beruf.

Werden Sie in der Öffentlichkeit als Hannes und Bürgermeister angesprochen?

Hartmann: Ja, ich werde oft als Bürgermeister angesprochen. Mich stört das nicht, es macht mir sogar Spaß. Das gehört auch zum Leben eines Rollenspielers dazu.

Braig: Ich gehe ja kaum aus dem Haus und bin immer am Schreiben. Die Besorgungen macht meine Frau. Aber wenn ich mal unterwegs bin, auch im Flugzeug, werde ich als Hannes erkannt und auch so angesprochen. Das gehört dazu, ist lustig und es ehrt einen, wenn man erkannt wird. Bisher haben wir nur tolle Leute kennengelernt.

Treten Sie mit Erwartungen ans Publikum auf die Bühne?

Braig: Erwartungen haben wir nicht an unsere Gäste. Es ist ja unser Job, den Menschen zu unterhalten. Wenn wir von der Bühne gehen und die Reaktion im Zuschauerraum ist negativ, liegt es nicht am Publikum. Dann liegt es an uns.

Hartmann: Wir wollen ja die Erwartungshaltung vom Publikum erfüllen. Wir dürfen den Menschen ihre Zeit nicht stehlen.

Info Am 22. und 23. Mai, jeweils um 20 Uhr treten Albin Braig und Karlheint Hartmann im Wernauer Quadrium auf.

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