Zwischen Neckar und Alb

Der „schönste Tag des Lebens“ muss warten

Trauung Eineinhalb Jahre lang haben Felix und Jacqueline Lache akribisch ihre Hochzeit geplant. Jetzt aber fällt sie ins Wasser – zumindest vorerst. Von Max Pradler

Damals war an das Coronavirus noch nicht zu denken: Felix und Jacqueline Lache unmittelbar nach ihrer Verlobung am Flamingo Beac
Damals war an das Coronavirus noch nicht zu denken: Felix und Jacqueline Lache unmittelbar nach ihrer Verlobung am Flamingo Beach in Jamaika. Foto: privat

Die Stimmung ist getrübt, befindet sich irgendwo zwischen Frust und Verzweiflung. Dabei hätte es der schönste Tag im Leben werden sollen.

Doch von vorn: Es ist der 20. Oktober 2018, als Felix Lache am weißen Sandstrand in Jamaika auf die Knie geht. Am traumhaften Flamingo Beach bei Montego Bay hält er um die Hand seiner Lebensgefährtin Jacqueline an. Es dauert einen Augenblick, bis die 25-Jährige diesen Moment überhaupt realisiert. Dann aber fallen sich die beiden voller Vorfreude in die Arme.

Bis dato läuft alles nach Plan: Das Pärchen aus Deizisau legt sich auf eine typisch frühsommerliche Mai-Hochzeit fest. Eine romantische Feier unter freiem Himmel mit rund 100 Gästen im Reutlinger Hotel Achalm soll es werden. Als die beiden frisch Verlobten anfangen, ihre Traumhochzeit zu organisieren, ist das neuartige Coronavirus noch weit weg, sehr weit weg. An weitreichende Einschränkungen und an Veranstaltungs- oder gar Kontaktverbote denkt zu diesem Zeitpunkt niemand - warum denn auch?

Locations gibt es kaum

Nun, 39 Tage vor der geplanten Hochzeit, scheint der Traum vom schönsten Tag des Lebens zu platzen. Zumindest vorerst. Die weltweite Corona-Pandemie hat dem Brautpaar einen Strich durch die Rechnung gemacht. „Für uns ist das sehr traurig und ärgerlich. Eineinhalb Jahre intensive und anstrengende Planungen, die exakt auf diesen Tag ausgelegt waren, sind nun umsonst. Aber klar, das gerade ist eine Ausnahmesituation, und die Gesundheit aller geht nun mal vor“, erzählt Felix Lache.

Dem Paar bleibt jetzt nichts anderes übrig, als seine Vermählung zu verschieben. Das Problem: Hochzeits-Locations sind nicht nur rar gesät, sondern darüber hinaus auch sehr gefragt. Das Achalm-Hotel, das die beiden bereits kurz nach ihrer Verlobung reserviert hatten, ist schon jetzt für die kommenden zwei Jahre ausgebucht. Lediglich zwei Termine für diesen November wären noch verfügbar. „Da wir aber im Freien heiraten möchten und alles dementsprechend organisiert haben, kommt das eher nicht infrage“, sagt Felix Lache.

Dabei lag den beiden eben jener 16. Mai besonders am Herzen. „Wir hatten vergangenes Jahr an diesem Tag unsere standesamtliche Trauung, allerdings nur im engsten Kreis“, erzählt der 32-Jährige, „nun wollten wir eben exakt ein Jahr später gemeinsam mit Freunden und Verwandten unsere Traumhochzeit feiern.“

Anwalt soll die Rechtslage prüfen

Wie es nun weitergehen soll und ob sie sich möglicherweise nach einer anderen Location umschauen, wissen die beiden noch nicht. Es ist die Enttäuschung, die aktuell noch überwiegt. Sicher scheint jedoch, dass das Paar zumindest auf einem Teil der Kosten sitzen bleibt. Die Anzahlungen für die Hotel-Reservierung, teilweise auch für die Traurednerin, den DJ und den Fotografen sowie nicht zuletzt die Einladungskarten im Wert von mehreren Hundert Euro, die nun mit dem falschen Datum bedruckt sind - unterm Strich eine Summe im mittleren vierstelligen Bereich. Was und wie viel zurückerstattet wird, ist derzeit noch unklar. „Wir müssen jetzt erst einmal abwarten, wie sich die Situation politisch entwickelt, und dann per Anwalt prüfen, was für Ansprüche wir geltend machen können“, schildert der IT-Vertriebsmanager. Vom Chaos verschont bleiben die beiden immerhin bei den Flitterwochen, diese waren nämlich noch gar nicht gebucht.

Doch so ärgerlich die Situation auch sein mag, unterkriegen lassen sich Felix und Jacqueline davon nicht. „Wir müssen jetzt zwar erst einmal noch die Absage klären, was nochmals einiges an Kraft kosten wird, aber dann nehmen wir - sobald sich die Corona-Thematik einigermaßen beruhigt hat - einen neuen Termin in Angriff“, ist sich der leidenschaftliche Fußballer sicher. „Jedenfalls wird unsere Hochzeit mit diesem Hintergrund jetzt erst recht ein ganz besonderer Tag, der für immer in Erinnerung bleibt.“

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