Zwischen Neckar und Alb

Die Gesten erzählen die Geschichte

Ostern Zum dritten Mal hat das Osterkrippenteam der katholischen Kirchengemeinde Sankt Michael in Reichenbach seine Ausstellung im katholischen Gemeindehaus aufgebaut. Von Katja Eisenhardt

Waltraud Thiessen (links) und Barbara Barra legen letzte Hand an die Gestaltung des Szenentischs zur Begegnung Jesu mit der dunk
Waltraud Thiessen (links) und Barbara Barra legen letzte Hand an die Gestaltung des Szenentischs zur Begegnung Jesu mit der dunklen Gestalt der „Versuchung“ in der Wüste. Fotos: Katja Eisenhardt

Im katholischen Gemeindezentrum Sankt Michael in Reichenbach herrscht ein reges Treiben. Schritt für Schritt werden die zwölf Tische der Osterkrippen-Ausstellung durch das eingespielte Team mit Leben gefüllt, dazu kommen im Foyer zwei zusätzliche Szenen aus dem Leben Jesu. In diesem Jahr sind es die „Versuchung Jesu in der Wüste“ und seine „Taufe im Jordan“. Im Oktober starteten die Vorbereitungen für die diesjährige Osterkrippe. „Was die Requisiten und Kulissenteile angeht, ist mittlerweile einiges vorhanden oder kann für die Ausstellung dann wieder an verschiedenen Stellen ausgeliehen werden. Etwa was die zahlreich benötigten Figuren betrifft. Allein 80 davon hat Christine Maderstein, die bei dem Projekt jährlich die Fäden zusammenhält, selbst gemacht, viele weitere hat zudem Waltraud Thiessen beigesteuert: „Die Figuren haben keine Gesichter, das heißt, man muss allein an deren Gestik erkennen, was die Szene darstellen soll.“ Jeden einzelnen der Tische geht Waltraud Thiessen immer wieder akribisch durch, schaut, ob die Haltung der einzelnen Figuren auch wirklich passt. 1993 und 2010 ist sie mit dem katholischen Bibelwerk nach Israel gereist und hat sich Original-Schauplätze der Geschichte angesehen. „Ein unbeschreibliches Erlebnis“, erzählt Waltraud Thiessen noch heute mit leuchtenden Augen. Wie viele Figuren insgesamt für die Osterkrippe im Einsatz sind, wird nicht verraten: „Das ist eine der Rätselfragen, die wir zur Ausstellung vorbereitet haben“, ergänzt Christine Maderstein.

Anzeige

In der Mitte des Ausstellungsraums sind am Tag des Aufbaus die einzelnen Materialien für die verschiedenen Szenen-Tische sortiert: Dort finden sich zahlreiche neue Pflanzen für einen grünen Garten Gethsemane, Steine, Rindenstücke, Moos oder auch in Kleinstarbeit aus Modelliermasse hergestellte und anschließend glatt geschmirgelte kleine Körbe, Oliven, Eier, Teller oder Becher. Sie kommen beispielsweise in der Szene des letzten Abendmahls oder bei der Bestückung der Marktstände zum Einsatz.

Schon für die vergangenen Ausstellungen hat das Figurenteam zudem zahlreiche Kleider genäht oder die weitere Ausstattung wie Schilder und Helme für die Soldaten gebastelt. Da war Kreativität gefragt, um die originalgetreuen Formen hinzubekommen. Ein Helm entstand etwa aus einem passend ausgebeulten Teelicht. „Die jeweils wechselnden zusätzlichen Tische müssen in jedem Ausstellungsjahr neu gestaltet werden, sobald die Szene aus Jesu‘ Leben ausgewählt wurde“, erklärt Christine Maderstein. In diesem Jahr bedeutete das: Für die Szene in der Wüste, in der Jesus nach 40-tägigem Fasten auf die Gestalt der Versuchung trifft, die ihn vom rechten Weg abbringen will, wurde eine entsprechende Kulisse inklusive Felsen, Sand und der beiden Figuren gebaut. Noch etwas komplizierter war der Bau des zweiten Extra-Tischs, auf dem Jesu‘ Taufe im Fluss Jordan dargestellt wird. „Der Modellbau der Flusslandschaft war hier wirklich eine Herausforderung, da haben wir länger daran getüftelt. Das war wie beim Modelleisenbahnbau, von dort haben wir uns auch die Inspiration geholt“, erzählt Christine Maderstein.

Ansonsten dienen nach wie vor die Bilder aus der Kinderbibel als praktische Vorlage für den Aufbau der einzelnen Szenen der Passionsgeschichte. Benötigt werden für die einzelnen Szenen zum Beispiel viele Wände oder Säulen, Berge, Gräber oder das Tor von Jerusalem. Als Hintergrundbilder für die Kulisse hat das Team selbst passende Acrylbilder gemalt. Fachliche Tipps liefert hier Gruppenmitglied Barbara Barra, die an der Kunstakademie in Esslingen gelernt hat. Insgesamt teilt sich die Gruppe der gut 15 Helfer in vier Teams auf: Kulissen, Requisiten, Figuren und Öffentlichkeitsarbeit.

Die Ausstellung soll „die Ostergeschichte erlebbar machen“, sagt Christine Maderstein. Gerade für die jüngsten Besucher sei das immer wieder besonders interessant: „Das Erzählte wird durch die szenische Darstellung greifbarer.“

Informationen Bis Sonntag, 23. April, kann man die Osterkrippe im katholischen Gemeindezentrum Sankt Michael in der Seidenstraße 1 in Reichenbach anschauen. Sie ist täglich von 15 bis 18 geöffnet - am Ostermontag zudem von 11.30 bis 12.30 Uhr. Weitere Termine wie die Theologischen Führungen mit wechselnden Referenten stehen unter www.st-michael-reichenbach.de. Am Karsamstag bleibt die Ausstellung geschlossen. Führungen können unter der Nummer 0 71 53/95 70 30 vereinbart werden. Der Eintritt ist frei.

Das letzte Abendmahl.
Das letzte Abendmahl.