Zwischen Neckar und Alb

Die Hochschul-Ehe ist perfekt

Vertrag unter Dach und Fach: Seit gestern gehört die Hochschule für Kunsttherapie offiziell zur HfWU

Mit ihrer Unterschrift hat Wissenschaftsministerin Theresia Bauer die Integration der Hochschule für Kunsttherapie Nürtingen in die Hochschule für Wirtschaft und Umwelt (HfWU) Nürtingen-Geislingen besiegelt.

Nürtingen. Im Hof genießen die Studenten die Frühlingssonne, während sich oben im Stucksaal ein historischer Moment anbahnt: Die Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kunst ist nach Nürtingen gekommen, um die Integration der bis dato in privater Trägerschaft befindlichen Hochschule für Kunsttherapie (HKT) perfekt zu machen.

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Tränen hat hier keiner im Auge – allenfalls Freudentränen. Das gilt auch für Professor Jürgen Thies von der Stiftung für Kunst und Kunsttherapie Nürtingen, dem bisherigen Träger der HKT. Im Gegenteil: „Für mich ist es eine gewisse Krönung, dass die Hochschule nun in staatliche Hände geht“, erklärt er. Entwickelt hat sich die Idee zu einem Studium für den therapeutischen Einsatz von Kunst aus der Freien Kunstakademie heraus. 1987 schließlich erhielt die HKT die staatliche Anerkennung und genießt seither einen hervorragenden Ruf. Mit dem neuen Studiengang Theatertherapie untermauerte die private Hochschule vor zwei Jahren ihre akademische Spitzenstellung.

Als kleine Hochschule mit rund 260 Studierenden allerdings tat sich die HKT zusehends schwer. „Die Forderung, für den Master zehn Vollzeit-Professoren vorhalten zu müssen, war für uns ein echter Paukenschlag“, gibt Professor Johannes Junkers, Rektor der HKT, zu. Auch in die Gebäude hätte die Hochschule investieren müssen. Seit Herbst liefen die Vorbereitungen für die hochkarätige Hochschul-Ehe. Zunächst ging es dabei um operative Fragen, damit der Studienbetrieb pünktlich zum Sommersemester reibungslos anlaufen kann. Etliche juristische Fragen mussten geklärt, aber auch Abläufe und Honorare harmonisiert werden.

Wo die ehemalige HKT aber andocken wird, war den Beteiligten schnell klar: Mit dem neuen Semester finden die drei Studiengänge ihre neue Heimat im Hochschulinstitut für künstlerische Therapien unter dem Dach der Fakultät Landschaftsarchitektur, Umwelt- und Stadtplanung (FLUS). Der Gedanke, eine eigene Fakultät zu gründen, sei schnell vom Tisch gewesen, sagt Junker. Mit nur rund 260 Studierenden wäre das wohl kaum zu machen gewesen.

Mit der Idee, zu den Landschaftsarchitekten und Stadtentwicklern zu gehen, hat man sich bei der HKT aber schnell anfreunden können, gibt es doch interdisziplinär eine wahre Fülle von Anknüpfungspunkten. „Wir haben schnell gemerkt, dass die Chancen die Risiken weit übersteigen“, berichtet auch Fakultätsleiter Professor Dr. Christian Küpfer von einem positiven Ergebnis im Abwägungsprozess. „Wir erwarten viele Synergien im Spannungsfeld Landschaft und Stadt, Kunst und Kultur“, erklärt er. Ebenso sieht es Rektor Professor Dr. Andreas Frey: „Es ist eine große Chance, das Studienangebot im gesundheits- und therapeutischen Bereich auszubauen.“

Ministerin Bauer zeigte sich im Rahmen der kleinen Feierstunde zur Vertragsunterzeichnung davon überzeugt, dass kein Nebeneinander der Fachbereiche herrschen wird, sondern ein Miteinander. Sowohl Ökologie und Ökonomie als auch Soziales seien an der HfWU verankert. Wenn es gelinge, diese drei Bereiche miteinander zu verzahnen, habe dies großen Modellcharakter. Am Gelingen hat die Grünen-Politikerin wenig Zweifel. Schon im Vorfeld trieben die Hochschulen die Integration partnerschaftlich und konstruktiv voran.

Die Raumsituation an der Hochschule ist allerdings angespannt. Das liegt daran, dass die HfWU nur drei der Gebäude der HKT übernehmen konnte. Mitte Januar hatte sich herausgestellt, dass zwei Gebäude nicht den Anforderungen entsprechen: „Es fehlen Fluchtwege und entsprechende Brandabschnitte“, erklärt Alexander Leisner, Kanzler der HfWU. Kurzfristig schrieb die Verwaltung deshalb alle Fakultäten an, um die wegfallenden Atelierräume ersetzen zu können: „Alle sind zusammengerückt und haben geholfen“, berichtet er. Derzeit laufen zudem Gespräche, um zum Wintersemester 2016 die fehlenden Räume zu ersetzen. Mittelfristig, das macht Rektor Frey deutlich, wird die HfWU um einen weiteren Neubau nicht herumkommen.