Zwischen Neckar und Alb

Einblicke ins Kelten-Leben

Gerd Stegmaier und Jörg Bofinger informieren über die Ausgrabungen am Burrenhof

Zwischen Hülben, Grabenstetten und Erkenbrechtsweiler befand sich einst die größte keltische Siedlung in ganz Europa: Davon zeugt noch heute der Heidengraben.

Die Ausgrabungen am Burrenhof haben begonnen. Foto: Mona Scherer
Die Ausgrabungen am Burrenhof haben begonnen. Foto: Mona Scherer

Erkenbrechtsweiler. Die Grabungen am Burrenhof führten in den vergangenen Jahren zu aufschlussreichen Erkenntnissen. So entdeckten die Wissenschaftler im Jahr 2015 vier Brandgrubengräber der vorrömischen Metallzeit und verschiedene Pfostenstrukturen, die einst zu keltischen Bestattungsbauten gehörten. Eine Besonderheit war die Entdeckung einer Opfergrube.

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Etwas Vergleichbares ist ihm gesamten keltischen Kulturraum bisher nicht gefunden worden. Die Grube steht in unmittelbarem Zusammenhang mit dem Bestattungs- und Totenkult der Kelten und gibt so erstmals Einblicke in Opferbräuche und -praktiken der spätkeltischen Zeit.

Die Grabungen sollen nun fortgeführt werden und Aufschluss darüber geben, was sich unter den Flächen zwischen den Hügeln befindet. Das Areal, das noch untersucht werden muss, ist etwa 0,3 Hektar groß. Das entspricht ungefähr der Größe von zwei Fußballfeldern. Insgesamt erstreckt sich der Heidengraben über 1 700 Hektar. 7 000 Quadratmeter wurden schon ausgegraben.

Die Ausgrabungen am Burrenhof dienen der bauvorgreifenden Untersuchung im Bereich des geplanten Heidengrabenzentrums. Dieses soll das Kernstück des interkommunalen Projektes „Erlebnisfeld Heidengraben“ werden.

Vergangenes Jahr wurden hier zwei parallel verlaufende Gräben gefunden. „Diese laufen nicht auf eines der Tore, sondern auf die Befestigung zu“, so Gerd Stegmaier. Der Archäologe ist zu 50 Prozent an der Universität Tübingen angestellt und zu 50  Prozent bei den drei Heidengrabengemeinden Erkenbrechtsweiler, Hülben und Grabenstetten, wo er am Konzept des Erlebnisfeldes arbeitet.

Da 2015 die Felder zwischen den Gräben und der Befestigung landwirtschaftlich bebaut waren, konnte der Verlauf nicht bis zum Schluss gemessen werden. Das soll sich nun ändern. „Wir wollen wissen, ob die Gräben unter der Befestigung durchlaufen“, erklärt Stegmaier. Diese Untersuchungen können Aufschluss über den zeitlichen Ansatz bieten und die Frage beantworten, wie sich die Befestigung zu diesem Weg verhält.

Im August sollen zudem die Lehrgrabungen der Universität Tübingen starten. Drei Gruppen, die jeweils aus zwölf Studenten bestehen, werden insgesamt vier Wochen den südlichen Bereich des Gräberfelds untersuchen. Ziel der Grabungen ist es, einen Einblick in die Opferungen und rituellen Handlungen der Kelten zu erhalten. Unter der Leitung von Gerd Stegmaier werden die Studenten des Instituts für Ur- und Frühgeschichte und Archäologie des Mittelalters das Handwerk der modernen Grabungs- und Vermessungstechnik erlernen und vor Ort am originalen archäologischen Befund geschult.

Einige Studenten lernen den Umgang mit geomagnetischen Messgeräten. Jason Herrmann, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Tübingen, erklärt, zu was solche Messungen dienen: „Der Boden hier ist nur schwach magnetisch. Wir suchen nach Dingen, die das bloße Auge nicht sehen kann.“ Damit meint er Objekte, die ein magnetisches Signal ausstrahlen: zum Beispiel Metalle, die durch Hitze beeinflusst wurden. Die Messungen sammeln Daten, die später am Computer ausgewertet und zu einer Art Landkarte zusammengesetzt werden.

Die Grabungen am Burrenhof verlaufen planmäßig, und dem Bau des Heidengrabenzentrums stehe nichts mehr im Weg. Das versichert Jörg Bofinger vom Landesamt für Denkmalpflege: „Vor uns stehen noch die Behördengänge und das Einholen verschiedener Genehmigungen. Wir befinden uns also mitten im Planungsverfahren.“

Aus denkmalpflegerischer Sicht gibt es keine Einwände – das Gegenteil ist sogar der Fall: „Das Gelände wurde jahrhundertelang landwirtschaftlich genutzt. Es ist höchste Zeit, die letzten Reste zu dokumentieren“, sagt Bofinger. Viele Überbleibsel wurden bereits beschädigt: Zum Beispiel eine Urne, die von einem Pflug gekappt wurde. „Das Denkmal war bedroht“, betont Bofinger.

Gerd Stegmaier ist davon überzeugt, dass die Grabungen wieder spannend sein werden: „Die Qualität der Substanz ist sehr hoch. Ich denke, wir werden nicht mit leeren Händen gehen.“