Zwischen Neckar und Alb

Geflüchtete stärken die Vereine

Integration Die Landkreiskonferenz in Esslingen zieht eine Bilanz der Flüchtlingskrise. Der Sport dient als gutes Beispiel.

Einwanderung
Symbolbild

Kreis. Fünf Jahre nach Beginn der Flüchtlingskrise hat das Landratsamt Esslingen eine Zwischenbilanz zur ehrenamtlichen Integrationsarbeit im Landkreis gezogen. Rund 10 000 Menschen seien in dieser Zeit in den Kreis gekommen, sagte Sozialdezernentin Katharina Kiewel bei einer Feierstunde. Von diesen Flüchtlingen seien mehr als 500 minderjährig gewesen. Weil sich innerhalb kurzer Zeit bereits mehr als ein Dutzend Arbeitskreise aus der Flüchtlingshilfe engagierten, sich teils aber auch in die Quere kamen, hat der Landkreis 2015 das Projekt „Konzept zur Koordinierung und Förderung des kommunalen bürgerschaftlichen Engagements“ entwickelt. Auf Landkreisebene sollten damit die vielen ehrenamtlichen Integrationshelfer einen Ansprechpartner haben. Ein Ziel war es, Doppelstrukturen abzubauen, Netzwerke zu bilden und von den Ehrenamtlichen zu lernen.

Im Rahmen der Feierstunde im Landratsamt wurde diese Organisation vielfach gelobt. „Bürgerschaftliches Engagement ist etwas, was der Staat braucht, aber gar nicht selber herstellen kann.“ Die Zusammenarbeit von Ehren- und Hauptamtlichen, die in der Flüchtlingsarbeit engagiert sind, werde dadurch erleichtert. Perpetua Schmid, Akademische Mitarbeiterin an der Hochschule Ravensburg-Weingarten, die gemeinsam mit ihren Studenten eine Auswertung des Konzepts durchführte, gab auch die Empfehlung, derartige Programme aufrechtzuerhalten und auszuweiten. Denn: „Fehlende Integration auf kommunaler Ebene bedeutet langfristige Abhängigkeit der Flüchtlinge von Sozialleis­tungen, die zum Großteil von den Städten und Gemeinden selbst getragen werden müssen.“

Der Meinung ist auch Konrad Hummel, ehemals Sozialdezernent in Augsburg: „Deutschland hat viel zu spät angefangen, zu diskutieren, wie man Zuwanderung regulieren kann“, sagte er. „Wir haben jetzt die dritte Generation von Deutsch-Türken, die hier leben, aber sie ist uns abhanden gekommen. Das müsste nicht sein, wenn die Integration gelungen wäre.“

Vielfalt wird nicht widergespiegelt

Ein Problem, das auch Saime Ekin Atik kennt. Die Landkreiskoordinatorin Ehrenamt in der Flüchtlingshilfe ist 1987 selbst als Migrantin nach Deutschland gekommen. „Das große Engagement, das ich von den Menschen im Landkreis Esslingen mitbekomme, hätte ich mir selbst in meiner Jugend gewünscht“, erinnerte sie sich. „Wir spiegeln die Vielfalt noch nicht wider.“ Der Sport sei dabei ein gutes Beispiel. „Ohne interkulturelle Mischung würde unsere Nationalmannschaft nicht funktionieren“, so Hummel. So sollten es auch andere Vereine halten. Julia Theermann

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