Zwischen Neckar und Alb

„Gefühlte Stadt war für mich das Größte“

Abschied Wernauer CDU-Fraktionschef Joachim Ungethüm sagt nach 43 Jahren im Gemeinderat Adieu

Joachim Ungethüm
Joachim Ungethüm zieht es in die Champagne. Foto: Bulgrin

Wernau. Das muss ihm erst mal einer nachmachen: 43 Jahre lang saß Joachim Ungethüm im Wernauer Gemeinderat, davon knapp 30 Jahre als Fraktionsvorsitzender der CDU und mehr als 20 Jahre als stellvertretender Bürgermeister. Jetzt hört er auf und widmet sich der Renovierung eines Bauernhofs in der Champagne.

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Entstanden sind in vier Jahrzehnten ein neues Zentrum mit Stadtplatz, das Quadrium als neues Rathaus mit Wellnesslandschaft, die nordöstliche Randstraße mit riesigem Baugebiet und nicht zuletzt ein Schulzentrum, das dem Lehrer Ungethüm am Herzen lag. In diesen Jahren sei auch die Teilung in Steinbach und Pfarrhausen endgültig überwunden worden. „Die gefühlte Stadt, das war für mich das Größte“, sagt der CDU-Chef. Mit dem Quadrium sei die Stadtmitte vollendet worden.

1975 ist Ungethüm erstmals in den Rat gewählt worden. „Das war damals eine Aufbruchstimmung. Wir haben in den Kneipen die Weltpolitik diskutiert.“ Im Gemeinderat habe man als jüngstes Mitglied den knorrigen Alten erstmal eine Weile zugehört, erinnert er sich. Heute sei das ganz anders wenn einer ins Gremium nachrücke. Drei Rathauschefs hat Ungethüm erlebt. Die klaren Vorgaben von Roger Kehle scheinen dem 67-Jährigen mehr gelegen zu haben als der offene Stil von Armin Elbl. Aber am Tag des Abschieds sieht er es großzügig: „Der Stil hat auch was für sich.“ Er hat auch auf die Arbeit in der Fraktion durchgeschlagen: „Der einzelne Gemeinderat hat mehr Freiheit, seine Position darzustellen.“ Früher gab es nur eine klare Linie.

Jens Müller, der nun den Fraktionsvorsitz übernimmt, lobte seinen Vorgänger für visionäre Ideen und realistischen Blick: „Du hast ein Stück Wernauer Geschichte mitgeschrieben.“ Joachim Ungethüm dankte den Bürgern, denn die Gespräche mit ihnen hätten ihn geprägt. Nach seinem kommunalpolitischen Marathon wolle er sich einer kleinen familiären Vision widmen und das Anwesen seines Schwiegervaters auf Vordermann bringen. An seiner Stelle rückt jetzt Andreas Bettelhäuser, der CDU-Stadtverbandsvorsitzende, in den Gemeinderat nach. Zum zweiten stellvertretenden Bürgermeister wählte der Rat einstimmig Bernhard Adolf. Roland Kurz