Zwischen Neckar und Alb

Gerangel um den Zuschuss für das Kommunale Kino geht weiter

Zuschuss Der Esslinger Kulturausschuss diskutiert kontrovers über 40 000 Euro extra für das renommierte Filmtheater. Entscheidung fällt erst in der Etatberatung. Von Alexander Maier

Mit seinem ganz eigenen Profil hat Esslingens Kommunales Kino viele Freunde gefunden. Trotz der großen Publikumsgunst gibt es ab
Mit seinem ganz eigenen Profil hat Esslingens Kommunales Kino viele Freunde gefunden. Trotz der großen Publikumsgunst gibt es aber finanzielle Probleme.Foto: Roberto Bulgrin

Esslingens Kommunales Kino (Koki) wird ob seines profilierten Programms weithin geschätzt, mehr als 50 000 Besucher jährlich sprechen für die hohe Akzeptanz. Doch so sehr sich die Macher des kleinen Filmtheaters auf der Maille auch mühen - die finanziellen Probleme sind in den vergangenen Jahren immer größer geworden: Steigende Kosten, ein immer höherer technischer Aufwand und wachsende Anforderungen angesichts der großen medialen Konkurrenz haben das strukturelle Defizit seit der letzten Zuschuss- erhöhung 2006 in die Höhe getrieben. Deshalb hatte das Koki schon im November 2018 beantragt, die städtische Förderung um 40 000 Euro jährlich zu erhöhen - mit dem erfreulichen Nebeneffekt, dass dann auch das Land seinen Zuschuss um 20 000 Euro erhöhen würde. Im Kulturausschuss des Gemeinderats kam es nun zum Schwur. Doch CDU, Freie Wähler und vor allem der FDP-Vertreter taten sich schwer. Am Ende gab es dennoch eine Mehrheit, die 40 000 Euro zusätzlich in den Haushalt einzustellen - allerdings nur vorbehaltlich der Zustimmung im neuen Doppelhaushalt.

„Das Kommunale Kino ist aus der Esslinger Kulturlandschaft nicht mehr wegzudenken“, betonte die Kulturverwaltung in ihrer Sitzungsvorlage. „Festivals wie die Schulkinowoche, die Krimitage, das Queerfilm-Festival, das Kino am Campus und vor allem das Kino auf der Burg sind in der Stadt und bei den Besuchern beliebt und etabliert.“

Die Kulturverwaltung zeigt Verständnis für die Nöte des Kommunalen Kinos: „Der Abschluss 2018 macht deutlich, dass das strukturelle Defizit auch durch viele Anstrengungen nicht geschlossen werden kann“, heißt es in einer Sitzungsvorlage. „Wurde früher für das ‚Kino auf der Burg’ eine Rücklage gebildet, um Ausfälle bei Schlechtwetter aufzufangen, muss jetzt der Gewinn aus dem Festival fest eingeplant werden, um das Defizit des regulären Kinobetriebs auszugleichen.“ So werde jedes Jahr mit Blick auf das Wetter zum Glücksspiel - ist ein Sommer verregnet, gerät das Budget in Schieflage, ganz abgesehen von den Folgen für die Zukunftsfähigkeit: „Die notwendige Weiterentwicklung von Programm, räumlicher Ausstattung und Werbung sowie Gewinnung und Betreuung neuer Ehrenamtlicher und weitere Drittmittelakquise sind aufgrund des jährlichen Defizits und der engen Personaldecke nicht möglich. Notwendige bauliche Investitionen können nicht erfolgen“, betonte das Kulturamt.

Bereits im vergangenen April hatte der Kulturausschuss über einen höheren Zuschuss beraten und grundsätzlich Bereitschaft signalisiert, dass die Verwaltung vom Doppelhaushalt 2020/21 an zusätzlich 40 000 Euro im Jahr einplant. Nach Vorlage des Jahresabschlusses 2018 sollte dann endgültig über den höheren Obolus befunden werden. Wegen der Haushaltssperre konnten dann jedoch im vergangenen Jahr keine finanzwirksamen Vorlagen mehr eingebracht werden. Nun hatte die Verwaltung empfohlen, die Erhöhung des städtischen Zuschusses zu genehmigen, „um den Kinobetrieb des Kommunalen Kinos nachhaltig zu sichern“.

Im Ausschuss gab es keine einmütige Zustimmung. Während man wenige Minuten zuvor leichten Herzens 20 000 Euro extra fürs Podium-Festival beschlossen hatte, waren die Meinungen beim Koki geteilt. Marco Bertazzoni (Grüne) sah im Kommunalen Kino „einen Glücksfall für Esslingen“ und betonte die hohe Bedeutung der Einrichtung für die Esslinger Kulturlandschaft. Wolfgang Drexler (SPD) würde sich zwar ein großzügigeres Domizil mit höherer Zuschauerkapazität fürs Koki wünschen - da andere Räume jedoch nirgendwo in Sicht sind, plädierte er für den höheren Zuschuss, „um die wichtige Arbeit zu sichern“. Alexander Kögel (Freie Wähler) brachte den städtischen Risiko-Fonds ins Gespräch, um mögliche Defizite auszugleichen, falls ein Open-Air-Sommer verregnet sein sollte. Doch diesen Fonds hatte die Stadt schon vor geraumer Zeit eingestellt.

Tim Hauser (CDU) erinnerte an die angespannte Haushaltslage und mochte nicht darüber abstimmen, ob die Stadt den höheren Zuschuss in den Doppelhaushalt aufnimmt: „Wenn wir anderswo in der Kultur streichen, gibt es vielleicht sogar mehr Spielräume für das Kommunale Kino.“ Und Sven Kobbelt (FDP) meinte, das Koki erreiche mit seinem intellektuellen Anspruch nur eine kleine Zielgruppe, und er fragte: „Können wir es uns leisten, das zu finanzieren?“ Nach kurzem Schlagabtausch beschloss der Ausschuss mit den Stimmen von Grünen, SPD und Linke, die zusätzlichen 40 000 Euro in den Etat aufzunehmen - vorbehaltlich der Zustimmung zum Doppelhaushalt.

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