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Großeinsatz des Roten Kreuzes

Beim Landesentscheid der Bereitschaften mussten knifflige Aufgaben gelöst werden – Hohenlohe hatte die Nase vorn

Anlässlich des 125-jährigen Bestehens der Bereitschaft Nürtingen fand der Baden-Württembergische Landesentscheid der DRK-Bereitschaften statt.

Das könnte im Alltag passieren: Ein Bauarbeiter war „verunglückt“. Beeindruckt von der Leistung waren Innenminister Thomas Strob
Das könnte im Alltag passieren: Ein Bauarbeiter war „verunglückt“. Beeindruckt von der Leistung waren Innenminister Thomas Strobl, DRK-Kreisvorsitzender Rolf Siebert und Oberbürgermeister Otmar Heirich beim Landesentscheid in der Nürtinger Innenstadt (von links). Fotos: Daniel Jüptner

Nürtingen. Die 15 Sieger der vorhergegangenen Bereichsentscheide traten in verschiedenen Aufgaben gegeneinander an, verteilt auf die gesamte Nürtinger Innenstadt, um bei verschiedenen, teils dramatischen Szenarien ihr Können unter Beweis zu stellen. Begutachtet wurden sie dabei vom neuen baden-württembergischen Innenminister, Thomas Strobl, von Dr. Lorenz Menz als Präsident des DRK-Landesverbands Baden-Württemberg, DRK-Landesdirektor Jürgen Wiesbeck sowie einer Delegation aus Feuerwehr und Deutschem Roten Kreuz.

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Einmal im Jahr messen sich die ehrenamtlichen Sanitäter der Bereitschaften im bundesweiten Wettbewerb. 15 Gruppen reisten nach Nürtingen, um beim landesweiten Vorentscheid gegeneinander anzutreten. Zwar stehen auch der Spaß und die Begegnung im Fokus dieses Treffens, doch vorrangig geht es darum, das Können in außergewöhnlichen, wenn auch durchaus realistischen Szenarien, zu beweisen.

So kam es laut Szenario vor der Mörikeschule zu einem „medizinischen Notfall“, bei dem ein Autofahrer Herzprobleme erlitt. Dieser verlor die Kontrolle über sein Fahrzeug, erfasste zwei Fußgänger und kam schließlich auf einer Rabatte zum Stehen. Traurige Aktualität erlangte diese Übung durch das Ereignisse in Nizza. „Wir haben lange darüber beraten, aber letztlich war es zu kurzfristig, die Aufgabe durch eine neue zu ersetzen“, sagte Uwe Bantleon, stellvertretender Kreis-Bereitschaftsleiter.

Dies ist verständlich, handelt es sich doch um einen Wettbewerb mit Punktevergabe und strengen Richtlinien. Man habe sich aber entschlossen, die Situation zu entschärfen, indem man auf realistisches Schminken der Mimen verzichtete. Innenminister Thomas Strobl zeigte sich bei seinem Rundgang durch die Stadt beeindruckt von der Professionalität der Rettungskräfte und der Mimen. Diese waren es auch, die für eine realitätsnahe Situation sorgten, denn sie sind genau wie Maskenbilder dafür ausgebildet. So sorgte ein Bauarbeiter, der völlig ruhig im Schockzustand an den Stäffele zur Stadtkirche saß, genauso für Gänsehaut wie eine völlig aufgebrachte Jugendliche am Rathaus.

Während Ersterer laut Szenario mit einer Bohrmaschine abgerutscht ist, sich hierbei den Kopf verletzte und einen Zahn ausgeschlagen hatte, der gefunden werden musste, erlitt Letztere eine Panikattacke, als ihr Begleiter bei einem Rock-Festival bewusstlos zusammensackte und von weiteren Rettungskräften schweißtreibend reanimiert werden musste. Das sind Aufgaben, die einen schnell überfordern können, wenn man nicht darauf vorbereitet ist. Alle Gruppen bewiesen aber, dass sie genau hierfür gut ausgebildet worden sind.

So erhielten auch ausnahmslos alle Teilnehmer das goldene Leistungsabzeichen für ihr Können. Gesamtsieger mit 1 037 Punkten wurde Hohenlohe 2, dicht gefolgt von Wangen, 1 032 Punkte und Ravensburg, 1 030 Punkte. Zwischen Sieger und letztem Platz liegen dabei gerade einmal 112 Punkte Unterschied, was auch für den Landesverband erfreulich ist, nachdem dies den vergleichbaren und durchaus hohen Leistungsstand im Landesverband bestätigt.

Bei den Stationen war die Öffentlichkeit eingeladen, zuzuschauen und mitzufiebern. Über die weitere Arbeit und die Ausrüstung der Rettungskräfte informierte das DRK Nürtingen in der Kirchstraße bei einem separaten Rettertag mit Fahrzeug-Ausstellung.

Sehr zur Freude der jüngeren Besucher durften die Besucher hier nicht nur schauen, sondern Dinge auch anfassen – und sich wie ein großer Lebensretter auf einem Motorrad fühlen. „Wir freuen uns immer über Nachwuchs“, scherzt Philipp Ringer vom DRK. Das Eintrittsalter bei der Jugend liegt bei vier Jahren. „Zu jung“ gibt es für Erste Hilfe nicht. Mit dem Motorradfahren werden sie dann aber sicherlich noch ein paar Jahre warten müssen.

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