Zwischen Neckar und Alb

Investor baut Null-Energie-Quartier

Stadtentwicklung Die CG-Gruppe hat das Otto-Areal in Wendlingen erworben. Dort sollen 330 Wohnungen entstehen, 47 000 Quadratmeter können gewerblich genutzt werden. Von Roland Kurz

Das ehemalige Weberei- und Spinnereiareal Otto in Wendlingen wird bis zum Jahr 2025 zu einem neuen Stadtquartier transformiert. 330 Wohnungen sollen dort entstehen, 47 000 Quadratmeter sind als Gewerbefläche vorgesehen. Das hat die CG-Gruppe AG verkündet, die das Gelände von der HOS-Gruppe erworben hat. Das Unternehmen von Christoph Gröner (CG) bezeichnet sich als führender Mietwohnungsentwickler in Deutschlands. In Wendlingen soll die Stuttgarter CG-Niederlassung den Masterplan umsetzen, den die Stadt mit der HOS-Gruppe entwickelt hat. Darüber hinaus kündigt das Unternehmen an, aus dem Otto-Areal „das deutschlandweit erste Null-Energie- und Null-Emissions-Quartier“ zu machen.

„Eine sehr erfreuliche Entwicklung“, kommentierte Bürgermeister Steffen Weigel die CG-Pläne. „Ich hoffe, dass es schnell vorwärts geht.“ Wenn der Investor das Projekt in den nächsten zehn Jahren umsetze, sei das schnell. Die Firma hat sich sogar das Jahr 2025 zum Ziel gesetzt. Ebenso erfreulich findet Weigel, dass der neue Besitzer den Masterplan eins zu eins akzeptiere.

Bisher war das Areal neben dem Wendlinger Bahnhof ein reines Gewerbegebiet. Im Masterplan, den der Gemeinderat verabschiedet hat, ist nun eine Aufteilung von Gewerbe und Wohnen im Verhältnis von 75 zu 25 vorgesehen. Diese Öffnung hat die Stadt mit der Region Stuttgart abgestimmt. Durch den S-Bahn-Anschluss eignet sich das Gelände ideal für den Wohnungsbau. CG hat etwa 330 Wohnungen mit bis zu 22 000 Quadratmetern Wohnfläche geplant.

Spinnerei, Kessel- und Turbinenhaus sollen erhalten bleiben. Grafik: Blocher
Spinnerei, Kessel- und Turbinenhaus sollen erhalten bleiben. Grafik: Blocher

Die Stadt rechnet mit einem Zuwachs von 750 Einwohnern. Derzeit zählt Wendlingen rund 16 000 Einwohner. In den denkmalgeschützten Gebäuden und den Neubauten sollen Arbeit, Handel und Wohnen verknüpft werden. George Moutoulis, der Leiter der Stuttgarter CG-Niederlassung, denkt an ein Boardinghaus, Business-WGs und Mehrgenerationenhäuser. Außerdem kann er sich ein Drei-Sterne-Plus-Hotel mit etwa 180 Betten, Cafés, einen zentralen Quartiersplatz mit Grünzonen und einen Zugang zum Neckar vorstellen.

Der Vorstandsvorsitzende Christoph Gröner bezeichnet das Otto-Quartier als „wahres Schmuckstück”. Das Investitionsvolumen für das neue Stadtquartier gibt er mit 276 Millionen Euro an. Die CG-Gruppe hat 97 000 Quadratmeter gekauft, ein kleiner Teil des Geländes bleibt laut Bürgermeister Weigel in den Händen der HOS-Gruppe.

Das imposante Kesselhaus soll erhalten bleiben, ebenso die dreigeschossige Spinnerei mit ihren markanten Ecktürmen und Jugendstildetails. Sie soll als Quartierszentrum und Veranstaltungsort dienen. Die Weberei und die Trafohalle sowie das 1886 erbaute Wasserturbinenhaus vervollständigen das denkmalgeschützte Ensemble. Den Kamin, der nicht mehr steht, will man mit einer Carbonfaser-Struktur nachbauen und so das alte Erscheinungsbild simulieren. Man werde eine „behutsame Verbindung von Alt und Neu“ realisieren, so Gröner.

Den Nullenergie-Standard will der Investor mit thermischer Energie aus dem Neckar, einer Wasserkraftanlage, Plus-Energiebauweise und Photovoltaik erreichen. „Wir können das Quartier neu denken“, beschreibt Moutoulis die Möglichkeiten, die das acht Hektar große Grundstück bietet.

Nun werde man mit der Stadt ins Bebauungsplanverfahren gehen. Im ersten Quartal 2021, so rechnet Moutoulis, könne man mit der Gestaltung des Areals beginnen. Moutoulis ist zuversichtlich, dass der Zeitplan bis 2025 eingehalten werden kann.

Auf dem Areal ist Platz für Wohnen und Gewerbe.Foto: Bulgrin
Auf dem Areal ist Platz für Wohnen und Gewerbe.Foto: Bulgrin
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