Zwischen Neckar und Alb

Mann aus dem Eis macht halt in Nürtingen

Ausstellung Ötzi hat jetzt einen Klon: Im Nürtinger Stadtmuseum können Steinzeit-Fans in die Welt der Gletscher-Mumie eintauchen. Von Uwe Gottwald

Berge, Fellkleidung, Steinböcke: So oder so ähnlich sah das Leben des Ötzi aus.Foto: Jürgen Holzwarth
Berge, Fellkleidung, Steinböcke: So oder so ähnlich sah das Leben des Ötzi aus.Foto: Jürgen Holzwarth

Ab sofort lädt eine neue Sonderausstellung des Nürtinger Stadtmuseums zu Einblicken in die Tierwelt und das Leben der Menschen in der Jungsteinzeit ein. Doch das ist nicht alles, die Besucher erwartet auch ein spannender Kriminalfall: Ötzi, der sensationelle prähistorische Fund eines mumifizierten Menschen, und seine Geschichte.

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Der Jahrhundertfund, den 1991 ein Ehepaar bei einer Alpentour zufällig machte, war eine wissenschaftliche Sensation. Ötzi, wie die mumifizierte Leiche eines Mannes aus der Jungsteinzeit am Übergang zur Kupferzeit genannt wird, gab nach und nach immer tiefere Einblicke in das damalige Leben der Menschen.

Der Präparator Dieter Luksch lässt in der von ihm konzipierten Ausstellung Ötzi wieder aufleben, mitsamt der Tierwelt. Der Fund lieferte interessante Informationen über Bekleidung, Ausrüstungsgegenstände und auch Waffen, wie den Eibenholzrohling eines Jagdbogens, der anfangs fälschlicherweise für einen Wanderstab gehalten wurde.

Exakte Nachbildung der Mumie

Von Experimentalarchäologen ließ Luksch diese Gegenstände rekonstruieren und zeichnet mit Nachbildungen ein interessantes Bild in das Dachgeschoss des Stadtmuseums. Nicht nur ein Modell des Steinzeitmannes in seiner nachmodellierten, mutmaßlichen Umgebung ist zu sehen, sondern auch eine sehr exakte Nachbildung der Mumie, die im Original im südtirolischen Bozen in keimfreier Umgebung bei minus sechs Grad und 99 Prozent Luftfeuchtigkeit aufbewahrt wird. Wie in Bozen ist die Nachbildung in Nürtingen auch nur durch eine runde Fensterluke zu bestaunen.

Aus Jägern wurden Ackerbauern

Dazu sind naturgetreue Präparate der Tierwelt zu sehen, die Ötzi und seine Gefährten umgeben haben, aus den Wäldern und Felsregionen der Alpen, aber auch in ihren Ansiedlungen. Denn es war auch eine Zeit der Umbrüche, mitverursacht durch den Klimawandel und die sich verändernde Vegetation. Auch darüber gibt die Ausstellung Auskünfte. Aus Jägern und Sammlern wurden allmählich Ackerbauern und Viehzüchter, Gerätschaften veränderten sich. Ötzi hatte ein aus Stein gefertigtes Messer bei sich, aber auch eine Kupferaxt. Daneben fand man Reste der Kleidung aus verschiedenen Tierfellen und -häuten, eine Gürteltasche, Pfeile und Bogen und einen Glutbehälter aus Birkenrinde.

Eine Kriminalgeschichte ist der Fund in zweierlei Hinsicht: Zum einen ist es ein Wissenschaftskrimi, gab die ehemals im Gletschereis gefriergetrocknete Mumie doch erst nach und nach Geheimnisse preis. Zum Teil brachten erst neuere Untersuchungsmethoden, zum Beispiel aus der Medizin, weitere Erkenntnisse. Zum anderen ist man sich sicher, dass Ötzi eines gewaltsamen Todes starb. Erst 2001, zehn Jahre nach dem Fund, wurde eine Pfeilspitze in seiner linken Schulter entdeckt, die wohl die todbringende Verletzung verursachte. Dass er in einen Kampf verwickelt gewesen sein muss, darauf weisen tiefe Schnittwunden an den Handflächen hin, auch Blutergüsse an der Brust.

Museumsleiterin Angela Wagner-Gnan hatte bereits vor zehn Jahren bei der Rulaman-Ausstellung im Stadtmuseum das Interesse besonders von Kindern und Jugendlichen an steinzeitlichen Themen festgestellt. So sprang ihr das Angebot von Dieter Luksch ins Auge, auch wegen der interessanten Verbindung mit Ötzis Geschichte. Neben der Sonderausstellung im Dachgeschoss gibt es ein Quiz mit zehn Fragen, anhand derer sich junge Museumsbesucher selbstständig auf Entdeckungsreise begeben können. Im „Steinzeit-Abenteuer-Wald“ kann in Kinder- und Jugendliteratur zur Steinzeit gestöbert werden.

Info Die Ausstellung ist bis zum 25. Februar im Nürtinger Stadtmuseum zu sehen. Ötzi kann man dienstags bis freitags von 14 bis 18 Uhr, samstags, sonntags und feiertags von 10 bis 18 Uhr bestaunen. Am 24. und 25. sowie am 31. Dezember bleibt die Ausstellung geschlossen, am 26. Dezember und 1. Januar sind die Türen des Stadtmuseums hingegen geöffnet.