Zwischen Neckar und Alb

Mit Lulu macht Schule Spaß

Bildung In der Wendlinger Gartenschule unterstützt ein Klassenhund den Unterricht in einer ersten Klasse. Die Anwesenheit des Tieres tut den Schülern sichtlich gut. Von Sylvia Gierlichs

Lulu kommt aus Spanien, ist ein Hund von der Straße. Kurz vor den Herbstferien hatte der Terriermischling, der Lehrerin Katharina Kernen gehört, seinen ersten Einsatz als Klassenhund in der Wendlinger Gartenschule. Seitdem kommt Lulu zweimal in der Woche und verbringt den Vormittag mit den Erstklässlern. „Lulu ist der beste Hund“, sagt ein Mädchen. „Und der schönste“, sagt ihre Sitznachbarin. Angst vor dem Hund? Natürlich nicht. Mit Lulu macht das Lernen viel mehr Spaß. Wenn die Klasse mit dem Hund lernt, dann sind immer auch Leckerlis im Spiel. Der Beutel mit den Hundekeksen wird versteckt und Lulu muss ihn finden. „Such, Lulu!“ ist das Kommando. Sobald sich der Hund auf die Suche macht, wird es mucksmäuschenstill bei den sonst quirligen Erstklässlern. In dem Beutel sind nicht nur Kekse, sondern auch Karten mit Wörtern und Bildern. Hier gilt es, den Buchstaben zu identifizieren, den die Kinder gerade lernen und zu erkennen, wie oft er im jeweiligen Wort vorkommt.

Der kluge Terrier-Mix kann auch würfeln, sodass die Kinder mit den gewürfelten Zahlen rechnen oder eine andere mathematische Aufgabe lösen können. Oder sie zeigt einige ihrer Kunststückchen. Sagt ein Kind „Buenos dias“, dann gibt Lulu Pfötchen. Auch ein High Five kann der Hund. Das wichtige an diesen Übungen ist, dass die Kinder lernen, dem Hund gegenüber den richtigen Tonfall anzuschlagen und selbstbewusst aufzutreten.

Auf die Idee, Lulu als Klassenhund in die 1 a zu integrieren, kam Klassenlehrerin Katharina Kernen, als sie ihn einmal in den Sachkundeunterricht mitnahm. „Da hab ich gemerkt, wie gut den Kindern die Anwesenheit des Hundes tut und dass es auch mir Spaß macht, Lulu dabeizuhaben. Ich habe dann recherchiert, welche Voraussetzungen nötig sind und welche Möglichkeiten es gibt. Nachdem ich das Einverständnis von Schulleitung, Kollegen und Eltern eingeholt hatte, habe ich mit der Ausbildung und dem Einsatz begonnen“, erzählt Lehrerin Katharina Kernen.

Lulu bringt noch einen weiteren wichtigen Vorteil mit. Die Kinder bauen schneller eine Beziehung zu ihr als zu der Lehrerin auf. „Lulu fungiert hier als eine Brücke zwischen den Kindern und mir. Durch das Interesse am Hund kommen die Kinder leichter auch mit mir ins Gespräch“, sagt Kernen. Der Umgang mit Tieren ist für die Kinder gar nicht so unvertraut, denn viele haben selbst ein Tier zu Hause, zu dem sie eine emotionale Beziehung haben.

Einige Eltern hatten Zweifel

Nicht alle Eltern konnten sich anfangs vorstellen, wie der Unterricht mit Lulu aussieht. Manche hatten auch grundsätzlich Vorbehalte - beispielsweise weil sie die Sorge hatten, der Schulvormittag würde sich nur noch um den Hund drehen und die Kinder würden nichts lernen. Doch Katharina Kernen versuchte, die Eltern durch Gespräche zu überzeugen. Schließlich ist Lulu ja nicht den ganzen Vormittag da. Die meiste Zeit liegt sie brav in ihrem Körbchen, kann aber frei entscheiden, ob sie im Klassenzimmer umherläuft, ob sie gestreichelt werden möchte oder ob sie in den Sitzkreis dazukommt. Nur für einzelne Unterrichtsfrequenzen ruft Katharina Kernen Lulu herbei.

Die Kinder mussten lernen, dass es Regeln für den Umgang mit Lulu gibt. „Mir war es auch wichtig, den Kindern zu erklären, dass Lulu ein empfindliches Gehör hat und sie darauf besonders Rücksicht nehmen müssen“, erklärt die Klassenlehrerin. Die Kinder sind aufmerksamer, gehen auch untereinander freundlicher miteinander um. Aggressives Verhalten kommt dank Lulu jetzt seltener vor.

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