Zwischen Neckar und Alb

Pläne für einen S-Bahn-Ringschluss

Kommunen aus dem Neckartal geben Untersuchung in Auftrag

Ein Ringschluss der S-Bahn vom Neckartal auf die Filder ist seit Jahren im Gespräch. Nun sehen die Kommunen im Einzugsbereich der S 1 dringenden Handlungsbedarf.

Der Bahnhof Wendlingen könnte bei einem Ringschluss zu einem Dreh- und Angelpunkt werden.Foto: Roberto Bulgrin
Der Bahnhof Wendlingen könnte bei einem Ringschluss zu einem Dreh- und Angelpunkt werden.Foto: Roberto Bulgrin

Wendlingen. „Der Individualverkehr nimmer immer mehr zu, da brauchen wir Alternativen“, begründet Wendlingens Bürgermeister Steffen Weigel den Vorstoß. Deshalb haben er und seine Kollegen eine weitere Untersuchung in Auftrag gegeben, die zwei Trassenvarianten darstellt.

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Im Verband Region Stuttgart wird seit Langem über den Ringschluss nachgedacht. Da sich der Aufgabenträger für den öffentlichen Nahverkehr „trotz der auf der Hand liegenden Vorteile nicht zu einer weiteren Untersuchung entschließen konnte“, beauftragte Wendlingen mit dem Landkreis und weiteren Kommunen der Raumschaft das VWI – Verkehrswissenschaftliche Institut an der Universität Stuttgart. Die Experten prüfen Varianten, die in einem Pressegespräch im Wendlinger Rathaus vorgestellt wurden.

„Wir brauchen den Ringschluss von der Filderebene ins Neckartal“, begründete Landrat Heinz Eininger das Engagement des Landkreises. Vor allem im Berufsverkehr gebe es immer mehr Staus. Daher trage der Landkreis die Hälfte der Kosten für die 13 000 Euro teure Studie. Wenn Ergebnisse vorlägen, könne man auf politischer Ebene fundierter argumentieren. Die S-Bahn-Verlängerung von Bernhausen nach Neuhausen, die laut Eininger „auf der Zielgeraden“ ist und die 2020/21 fertig sein soll, lege den Ringschluss nahe.

Dass der achtspurige Ausbau der A 8 zwischen dem Dreieck Leonberg und der Autobahnausfahrt Wendlingen im Bundesverkehrswegeplan auf der Prioritätenliste nach oben gerückt ist, sieht Weigel kritisch: „Der öffentliche Personennahverkehr muss für Pendler attraktiver werden.“ Zwar sei der Ringschluss der S-Bahn noch in weiter Ferne, aber die Weichen müsse man jetzt stellen.

Ein möglicher Ringschluss der S-Bahn von den Fildern ins Neckartal könnte nach Ansicht der Experten des VWI nördlich oder südlich verlaufen. Für die südliche Variante über Wolfschlugen und Nürtingen nach Wendlingen gibt es eine grobe Trassierung und ein Betriebskonzept. Als Alternative stellte VWI-Geschäftsführer Stefan Tritschler nun eine nördliche Variante vor, die sich am Verlauf der ICE-Neubaustrecke orientiert und die Denkendorf und Köngen mit anbinden könnte. „Über mögliche Haltepunkte können wir nichts sagen“, sagte Tritschler. Dazu sei man in einem zu frühen Stadium. Zudem deutete er an, dass in Neuhausen ein Tunnel nötig werden könnte.

Am Nutzen des Ringschlusses zweifeln die Bürgermeister nicht. Neben Wendlingen, Wernau und Kirchheim beteiligen sich Köngen, Oberboihingen und Unterensingen an der Studie. „Wir brauchen aus Wernau eineinviertel Stunden mit öffentlichen Verkehrsmitteln zum Flughafen“, sagte Armin Elbl. Mit dem Auto sei man in 15 Minuten dort. „Ringschlüsse sind im S-Bahn-Netz des VVS Erfolgsmodelle“, sagte Frank Buss aus Plochingen, dessen Stadt nachträglich eingestiegen ist. Wenn die Expertise weiter gediehen sei, hole man die Filderkommunen ins Boot, sagte Weigel. Er sieht die S-Bahn wie sein Unterensinger Kollege Sieghart Friz als „wichtigen Wirtschaftsfaktor“.