Zwischen Neckar und Alb

Sprungbrett für spannende Künstler

Kulturszene Tesfaye Urgessa beschert dem Wendlinger Galerieverein eine rosige Jahresbilanz. Das ehrenamtliche Team ist bestens in der Kunstszene vernetzt. Von Elisabeth Maier

Der Stuttgarter Galerist Marco Schacher fördert und betreut den äthiopischen Künstler Tesfaye Urgessa: Fotos: Bulgrin
Der Stuttgarter Galerist Marco Schacher fördert und betreut den äthiopischen Künstler Tesfaye Urgessa: Fotos: Bulgrin

Dass Eike Schmidt, Direktor der Uffizien in Florenz, nach Wendlingen zur Ausstellung von Tesfaye Urgessa kommen würde, hätten sich die Mitglieder des Galerievereins nicht träumen lassen. „Das war unsere erfolgreichste Ausstellung seit Langem“, schwärmt Rolf Körber von der Schau im vergangenen Jahr. Der Vorsitzende des Galerievereins wurde auf den äthiopischen Künstler aufmerksam, der in Nürtingen lebt und an der Kunstschule lehrt. Weil diese Schau ungewöhnlich viele Besucher in die Galerie lockte und viele Bilder verkauft wurden, sehen die Mitglieder des Vereins rosig in die Zukunft.

Obwohl sich immer weniger Sponsoren bereitfinden, eine Ausstellung des ehrenamtlichen Galerieteams zu unterstützen, ist Körber mit den Verkäufen bei der Ausstellung Urgessas zufrieden. „Damit haben wir wieder Spielraum für unser nächstes Programm“, sagt Körber. „Denn leider fehlen Unternehmen, die uns zumindest mit einem Teilbeitrag fördern.“ Derzeit sind nur noch die Stadtwerke Esslingen und die Stadt Wendlingen als Sponsoren an Bord.

Körber ist stolz, dass er bei Urgessa den richtigen Riecher hatte. Kunst aus der Region zu fördern, ein Sprungbrett für junge Künstler zu sein, ist das Ziel von Werner Sommer, der die Öffentlichkeitsarbeit des Vereins macht. Das Gespräch mit Eike Schmidt hat das Galerieteam beeindruckt. „Und dabei war er sehr unkompliziert“, findet Körber. Bei Fleischkäsebrötchen und Kaffee im Plastikbecher plauderte der Uffizien-Chef mit ihnen über moderne Kunst.

Ob der ehemalige Student der Stuttgarter Professorin Cordula Güdemann in den Uffizien ausstellen kann, ist offen. „Museumsdirektor Eike Schmidt ist mit dem Künstler in Kontakt“, teilte die Pressestelle des weltberühmten Kunstmuseums in Florenz mit. „Zwar gibt es derzeit keine konkreten Pläne für eine Ausstellung in den Uffizien, aber es ist gut möglich, dass die Kontakte in eine Zusammenarbeit münden.“ Dann könnten Urgessas Arbeiten im gleichen Gebäude hängen wie die Werke der Großmeister Michelangelo und Caravaggio.

Der Erfolg freut den Stuttgarter Galeristen Marko Schacher, der Urgessa seit Jahren betreut. Im März plant er mit ihm einen Besuch bei Eike Schmidt in Florenz. Der Künstler malt in Schichten mit Öl und Kreide. Er zeigt entblößte Menschen in seelischen Grenzsituationen, bringt Zorn und Verzweiflung über Rassismus, Krieg und Gewalt zum Ausdruck. „The Artist“ von 2012 zeigt einen Künstler in Häschenpantoffeln. Humorvolle Nuancen machen der Düsternis Platz. „Rolling again and again and...“ (2016) zeigt zwei Körper, ein Gesicht ist zur Maske erstarrt, Glieder und Leib sind zum Äußersten gespannt. Starke Gefühle reizen den Künstler. Schacher hat einige Ausstellungen Urgessas kuratiert. Zur Biennale in Venedig hat er 2017 Werke des Künstlers gebracht, der mit Frau und zwei Kindern in Nürtingen lebt. „Ich bin mit dem Auto gefahren, um die Gemälde zu transportieren.“ Junge Künstler zu fördern und zu begleiten, ist Schachers Leidenschaft.

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