Zwischen Neckar und Alb

Täter war Kunde der Prostituierten

Nach der Messerattacke in der Nähe eines Bordells sind die beiden Toten identifiziert – Motiv unklar

Blumen erinnern an die Bluttat. Unweit des Bordells „Paradise“ hat ein 53-Jähriger aus Bad Mergentheim am Sonntag eine 25-jährig
Blumen erinnern an die Bluttat. Unweit des Bordells „Paradise“ hat ein 53-Jähriger aus Bad Mergentheim am Sonntag eine 25-jährige rumänische Prostituierte und dann sich selbst erstochen. Foto: 7aktuell/Oskar Eyb

Leinfelden-Echterdingen. Blumen und zwei kleine Teddybären sind auf dem Gehweg an der Leinfeldener Dieselstraße abgelegt, Teelichter brennen – an dieser Stelle, die 50

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Meter von dem Bordell „Paradise“ entfernt ist, wurde am Sonntag gegen 16 Uhr eine junge Frau mit einem Messer so schwer am Hals verletzt, dass sie wenig später verblutete. Mehr erinnert einen Tag später nicht an die schreckliche Tat. In dem Gewerbegebiet ist scheinbar wieder Alltag eingekehrt.

Direkt am Tatort gibt es ein kleines Wohnhaus, doch die Bewohner wollen zu den dramatischen Ereignissen, die sie möglicherweise gesehen haben, nichts sagen. Vor einer Firma steht ein Polizeiauto. „Die Kriminaltechnik ist dabei, die Spuren vom Tatort auszuwerten und Zeugen zu befragen“, sagt ein Polizeisprecher. War es Eifersucht? Verschmähte Liebe? Das Motiv für die Bluttat ist weiter unklar. Fest steht bislang nur, dass das Opfer eine 25 Jahre alte Frau aus Rumänien ist, die in dem Bordell beschäftigt war und offenbar auch dort wohnte. Der Angreifer, der sich nach der Attacke selbst Schnittwunden an Arm und Hals zufügte, ist ein 53-Jähriger aus Bad Mergentheim – und ein Kunde der Rumänin. Auch er verblutete noch am Tatort.

Nach Zeugenaussagen soll die Frau aus dem Bordell gelaufen und nach einem Streit von dem Mann attackiert worden sein. Ob die beiden unmittelbar vor der Tat zusammen in dem Bordell waren, konnte die Polizei noch nicht klären. Viele Prostituierte haben am Sonntag aus dem Fenster mit ansehen müssen, wie ihre junge Kollegin getötet wurde. Das Etablissement, das sich in einem ehemaligen Lagerhaus über fünf Stockwerke erstreckt, ist am Tag danach aber wie gewöhnlich geöffnet.

Was sich hinter der weinroten Beton-Fassade abspielt, ist nicht zu erfahren. Die Dame am Empfang blockt Anfragen ab. „Wenn es eine Gedenkfeier für das Opfer gibt, dann sicher ohne Öffentlichkeit“, sagt sie nur. Auch ein Polizeibeamter in Zivil gibt sich zugeknöpft: „Wäre die Tat im Haus passiert, wäre die Aufregung sicher noch größer“, sagt er nur. An dem Schnellimbiss, der an das „Paradise“ angrenzt, ist die Messerattacke Gesprächsthema. „Aber wir wissen auch nicht mehr als das, was in den Medien stand“, sagt eine Mitarbeiterin. Der Imbiss sei, wie die meisten Betriebe hier, sonntags ohnehin geschlossen.

Es gibt aber das Gerücht, dass der 53-Jährige schon seit Längerem als Stalker aufgefallen war und die Prostituierte belästigt haben soll. Das wollte die Polizei auf Anfrage weder bestätigen noch dementieren. „Wir ermitteln in diese Richtung“, so ein Sprecher. Der Angreifer soll das Messer, mit dem er die Frau tötete, bei sich getragen haben. Der Polizei zufolge war noch ein zweites Messer im Spiel. Der genaue Tatablauf ist aber noch unklar. Angaben zum persönlichen Umfeld von Täter und Opfer wollte die Polizei nicht machen. Es gibt aber keine Anhaltspunkte dafür, dass Dritte beteiligt waren oder die Tat einen direkten Bezug ins Rotlicht- oder Rockermilieu haben könnte.

Das „Paradise“ in der Nähe des Stuttgarter Flughafens gilt als größtes Bordell in Baden-Württemberg. Laut Wikipedia-Eintrag wird es von Jürgen Rudloff betrieben, der aber vor einem Jahr öffentlich über einen Verkauf nachdachte. Damals wurde wegen Betrugs gegen ihn ermittelt. 2013 sendete die ARD eine Dokumentation über das Etablissement. Frauenrechtler übten Kritik, als Günther Jauch Rudloff in seine Sendung einlud.