Zwischen Neckar und Alb

„Viele verstehen, dass es keinen Plan für die Pandemie gibt“

Politik Corona ist auch für den SPD-Bundestagsabgeordneten Nils Schmid das beherrschende Thema.

Nils Schmid
Nils Schmid

Kreis. Auf der Weltbühne überschlagen sich die Ereignisse, der außenpolitische Sprecher der SPD und hiesige Bundestagsabgeordenete, Nils Schmid, fokussiert sich bei seiner Neujahrs-Pressekonferenz aber aufs Wesentliche, ist pragmatisch und unaufgeregt. Die Pandemie macht alle gleich, auch er hat mit den deutlichen Einschränkungen zu leben - virtuelle Treffen statt persönliche, stringent geführte Meetings statt spontanem Gespräch auf dem Flur im Reichstag. „Es gibt kein Silvesterwiegen in Nürtingen, alle Neujahrsempfänge entfallen - das ist auf Dauer eine Einschränkung, die den Resonanzboden einer Gesellschaft trifft. Es verlangt den Menschen viel ab, kaum jemanden mehr treffen zu können“, ist er sich bewusst.

Seine ganze Hoffnung, aus dem Lockdown rauszukommen, ist die Impfkampagne. „Das wird das beherrschende Thema sein“, sagt er und blickt diesbezüglich trotz aller Anlaufschwierigkeiten positiv in die Zukunft. Nicht zuletzt deshalb, weil es innerhalb kürzester Zeit gelungen ist, einen Impfstoff auf den Markt zu bringen. „Diese Beschleunigung war möglich, weil der Staat massiv Gelder dafür bereitgestellt hat. In so kurzer Zeit die Massenproduktion des Impfstoffs auf die Beine gestellt zu haben ist eine historisch einmalige Leistung“, erklärt Nils Schmid. Noch nie habe er seinen Fraktionskollegen Karl Lauterbach, Mediziner und Gesundheitsökonom, so optimistisch erlebt wie im Dezember. „Der war freudig unterwegs - die Impfung ist für mich das Licht am Horizont“, sagt er.

Die Pandemie habe gezeigt, wie wichtig ein handlungsfähiger Staat ist. „Das ist ein großes Pfund, mit dem wir wuchern können. Es gibt den Menschen Sicherheit. Hier geht es nicht um parteipolitische Fragen“, so Nils Schmid. Er nimmt ein großes Verständnis in der Bevölkerung für die Maßnahmen wahr. „Die große Mehrheit hält sich an die Regeln. Es ist ein staatsbürgerliches Bewusstsein, seinen Beitrag zu leisten, indem man Abstand hält und die Hygienevorschriften beachtet“, erklärt der Abgeordnete. Deshalb sei die Verärgerung groß, wenn sich eine kleine Minderheit nicht daran hält und dann auch noch munter ohne Maske demonstriert. „Viele verstehen, dass es keinen Plan für die Pandemie geben kann. Es gibt eine Ausnahme, die man selbst in der Hand hat: die Impfung.“ Den Bogen dürfe man jedoch nicht überspannen. Deshalb ist er froh, dass in Baden-Württemberg die 15-Kilometer-Regel (noch) nicht gilt.

Ein sensibler Punkt sei jedoch Kinderbetreuung und Schule. Hier gehe es um die Zukunft der Kinder und wie deren Perspektive im Blick auf den Beruf aussieht. Nils Schmid spricht von einem großen Unmut über die Organisation der Schule bei den Betroffenen.

„Vieles wird von Corona dominiert, das wird auch die nächsten Monate so sein“, ist der Politiker überzeugt. Die Ermattung vieler Menschen wegen der langen Durststrecke ist ihm bewusst, ebenso die Unsicherheit, die in vielen Branchen wie dem Einzelhandel, den Kulturschaffenden, der Industrie und anderswo herrscht. Die Struktur der Automobilindustrie will er stärker in den Fokus rücken. Sie soll besser und gerechter werden und stärker auf die Zukunft ausgerichtet sein. Er will den Arbeitsmarkt stabilisieren und die Arbeitnehmer vor harten Folgen abschirmen. Das werde ein wichtiger Beitrag der SPD sein. „Wir sind in einer Ausnahmesituation, deshalb sind auch die Schulden gerechtfertigt“, sagt er.

Die Wahlen hat er fest im Blick. „Wir sind im Sommerwahlkampf, die Kollegen im Landtag müssen aber jetzt im Winter ran“, erklärt er und hofft, in der warmen Jahreszeit seinen Wahlkampf nicht ausschließlich digital führen zu müssen. Iris Häfner

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