Zwischen Neckar und Alb

„Wir tun uns schwer mit Tempo 30“

Verkehr Der Wernauer Gemeinderat hält eine Geschwindigkeitsreduzierung an der Durchgangsstraße am Freitagshof für überflüssig. Von Roland Kurz

Freitagshof
Geschwindigkeitsbegrenzungen am Freitagshof? Der Wernauer Gemeinderat hält das für überflüssig. Foto: Markus Brändli

Der Wernauer Gemeinderat kann sich mit weiteren Tempobeschränkungen auf der Durchgangstraße nicht anfreunden. Sowohl am Freitagshof als auch zwischen den beiden Kreisverkehren im Wernauer Gewerbegebiet lehnte die Mehrheit Tempo 30 ab. Stufe 2 im Lärmaktionsplan hatte das vorgesehen. „Schade, dass es gekippt wurde“, kommentierte Bürgermeister Armin Elbl den Beschluss zum Freitagshof. Mit dem Bürgermeister hatten die drei Stadträte Martin Baumann, Stefan Prakesch und Jens Müller für Tempo 30 gestimmt. Die Ablehnung bedeute, so Elbl, dass im Bebauungsplan entsprechende Bedingungen aufgenommen werden müssten, um Wohnbau entlang der Straße zu ermöglichen. Die Häuser in der ersten Reihe sind derzeit nicht bewohnt.

Bedenken beim Landratsamt

Vor einem Jahr hatte sich der Gemeinderat noch für Tempo 30 ausgesprochen und das beim Landratsamt beantragt. Landratsamt und Regierungspräsidium, erklärte Stadtbaumeister Jürgen Hartmann, hätten zwar ihre Bedenken gegen Tempo 30 ausgesprochen, aber der Gutachter war dafür. Auch die Temporeduzierung im Bereich des Gewerbegebiets zwischen Max-Eyth-Straße und Brühlstraße fand nur vier Befürworter. Selbst wenn es nicht so viele Wohnungen seien, hätten deren Bewohner Anspruch auf Lärmschutz, hatte Elbl argumentiert.

Joachim Ungethüm sprach von „Lärmaktionismusplan“. Man müsse den gesunden Menschenverstand walten lassen. Wer von Kirchheim aus auf den Freitagshof zufahre, lasse es sowieso ausrollen. Und zwischen den beiden Kreiseln werde nicht schnell gefahren. Auch Gereon Trabold sprach sich gegen die Reduzierung aus: „Tempo 30 ist in Wernau sowieso Illusion, es geht doch nur Tempo 15.“ Wolfgang Sieler wies darauf hin, dass sich nur drei Bürger gemeldet und für Tempo 30 ausgesprochen hätten. Jürgen Haas, Vorsitzender der Freien Wähler, sagte: „Wir tun uns schwer mit Tempo 30.“

Bessere Radwege sollen gefördert werden

Nachdem zusätzliche Tempo 30-Zonen gekippt worden waren, stand auch die Verkehrsinsel am Freitagshof nicht mehr zur Debatte. Die bestehende Tempo 30-Regelung in der Kirchheimer Straße, von der Brücke bis zur Tankstelle, hat der Gemeinderat allerdings bestätigt. Außerdem wurde den Empfehlungen für bessere Radwege zugestimmt, ebenso der Förderung der Elektromobilität, soweit dies die Finanzen der Stadt zulasse.

Bürgermeister Elbl tröstete sich nach der Abstimmungsniederlage mit der Feststellung, dass Wernau mit Tempo 30 auf dem größten Abschnitt der Ortsdurchfahrt, dem Lkw-Durchfahrtverbot sowie der Plexiglaswand an der Bahnlinie schon viel für den Lärmschutz getan habe. Das Thema Lärmschutz ist auch noch nicht endgültig abgehakt. 2018 steht bereits die Aktionsstufe 3 an.

Anzeige