Zwischen Neckar und Alb

Zwischen Rummel und Bildungsauftrag

Bilanz Mit knapp 79 000 Besuchern übertrifft das Beurener Freilichtmuseum die Erwartungen in diesem Jahr. Das Niveau zu halten, wird aber immer anstrengender. Von Bernd Köble

Ein jährlicher Besuchermagnet ist das Mostfest im Museum. Foto: privat
Ein jährlicher Besuchermagnet ist das Mostfest im Museum. Foto: privat

Erlebniszentrum, ländlicher Kulturbetrieb oder einfach nur Tourismusmotor - Steffi Cornelius kann mit allen drei Titeln gut leben. Hauptsache sie und ihre Mannschaft bewegen sich am Puls der Zeit. Was für die Leiterin des Beurener Freilichtmuseums zählt: die richtige Balance zu finden zwischen anspruchsvollen Ausstellungsthemen und publikumswirksamen Events. 2018 ist dieser Spagat gut gelungen. Mit freundlicher Unterstützung des Rekordsommers strömten in dieser Saison knapp 79 000 Besucher nach Beuren, eine Steigerung gegenüber dem Vorjahr um knapp zehn Prozent. Anders als beim Wetter blieb das Allzeithoch in der Statistik zwar unangetastet - 2002 und 2007 waren es rund siebentausend Gäste mehr - doch das Ergebnis liegt deutlich über dem, was angepeilt wurde, nämlich 75 000 zahlende Besucher.

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Ein gutes Jahr also, dank ambitionierter Projekte wie der Sonderausstellung „Jüdisches Leben im ländlichen Württemberg“, die eingebettet in Vorträge und ein ausführliches Begleitprogramm alleine etwa 12 000 Besucher anlockte. Dass man den Bildungsauftrag im Museum ernst nimmt, wird am Umgang mit diesem sensiblen Stoff besonders deutlich. Kindgerechte Aufbereitung, einfache, verständliche Texte - damit ist es gelungen, nicht nur Erwachsene für das Thema zu gewinnen. „Vor allem das Interesse an den Vorträgen haben unsere Erwartungen bei Weitem übertroffen“, freut sich Steffi Cornelius. Ein weiterer Grund für das Besucher-Plus ist im erweiterten museumspädagogischen Angebot mit deutlich mehr Mitmachaktionen zu suchen.

Neues und Bewährtes - ein Mix, der offenbar zieht. Ohne Arche-Markt, Mostfest oder dem nur alle zwei Jahre stattfinden Oldtimer-Treffen, das im August allein mehr als 7 000 Besucher auf die Beine brachte, sähe die Bilanz bescheidener aus, das wissen auch die Programmgestalter. Event-Marketing und wissenschaftliche Arbeit, das gehört im Museum seit jeher zusammen. Ein Ansatz, der im September Thema einer Veranstaltung in Beuren war, auf die man im Landkreis besonders stolz ist. Zum ersten Mal trafen sich Vertreter von Freilichtmuseen aus ganz Deutschland zu einer Fachgruppentagung im Ländle. Für die Museumsleitung der Höhepunkt des Jahres, auch wenn hier hinter verschlossenen Türen getagt wurde. Nervös sei man gewesen, verrät Cornelius, schließlich ging es auch darum, die eigene Arbeit im fachlichen Vergleich einer kritischen Analyse zu unterwerfen.

Die Konkurrenz schläft nicht, und sie ist im Freizeitbetrieb besonders groß. In einer Boom-Region wahrgenommen zu werden, bedürfe immer größerer Anstrengungen, stellt Landrat Heinz Eininger fest. In Zahlen: Knapp 2,5 Millionen Euro investieren der Kreis und sein Museums-Förderverein im neuen Jahr. Unter anderem in den Ausbau eines Genuss- und Erlebniszentrums im neu zu erstellenden Gartensaal aus Geislingen (siehe Infoteil rechts). 118 000 Euro davon sind Sponsorengelder. Freier Eintritt ins Museum, wie ihn FDP-Sprecher Wolfgang Haug angeregt hatte, dürfte es so schnell dagegen nicht geben. Angesichts des finanziellen Aufwands, den man betreibe, sagt Eininger, „gibt es keinen Anlass, unsere gute Arbeit auf dem Markt zu verschleudern“.

Und auch das gab es 2018 zum ersten Mal: Vier Paare haben sich im Hopfensaal des Bauernschlosses aus Öschelbronn das Ja-Wort gegeben. Ein zunächst auf zwei Jahre befristeter Testlauf der Gemeinde Beuren, der sich zum Erfolgmodell entwickeln könnte. Zwar ist Nostalgie allein nicht unbedingt ein Grund, zu heiraten. Die Hoffnung, ein so geschlossener Bund möge ähnlich lange halten wie zu Großmutters Zeiten, ist immerhin verlockend.

„Alte Sorten“ im Gartensaal

Nebel über den Beurener Herbstwiesen bedeutet nicht Stillstand auf dem Museumsgelände. Derzeit laufen die Tiefbauarbeiten am künftigen Standort des Gartensaals aus Geislingen, der im September kommenden Jahres eröffnet werden soll.

Der 125 Jahre alte Fest- und Tanzsaal des Gasthauses Wilhelmshöhe trat im März auf Umwegen seine lange Reise ins nur 45 Kilometer entfernte Museum an. In einer Halle im oberschwäbischen Illerbachen im Landkreis Biberach wurden die Einzelteile des Gebäudes im Sommer aufwendig restauriert und eingelagert. Je nach Witterung soll noch in der Winterpause mit dem Aufbau im Beurener Museum begonnen werden.

Ein Ort für Veranstaltungen soll der Gartensaal auch am neuen Standort sein. Als Erlebnis- und Genusszentrum mit angegliederter Schauküche und als Ort der Dauerausstellung „Alte Sorten“. Partner sind Erzeugerverbände, Brenner, Landfrauen- und Gartenbauvereine, die ihr Wissen einbringen und sich von Besuchern über die Schulter schauen lassen.bk