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Abgeordnete weiter im Kampf-Modus

Einschätzungen Der Abend nach der Wahl im Wahlkreis zeigt: Die einen feiern, die anderen hadern, allen Kandidaten gemein ist jedoch, dass sie sich vehement weiter für ihre politischen Ziele einsetzen wollen. Von Irene Strifler

Hatten gestern gut lachen: Der SPD-Bundestagsabgeordnete Dr. Nils Schmid (links) und das Kirchheimer SPD-Urgestein Andreas Kenne
Hatten gestern gut lachen: Der SPD-Bundestagsabgeordnete Dr. Nils Schmid (links) und das Kirchheimer SPD-Urgestein Andreas Kenner mit ihren Fans im Kirchheimer Wachthaus-Biergarten.Foto: Markus Brändli

Der Wahlkampf ist vorbei, doch die Kandidaten im Wahlkreis bleiben kampfeslustig: „Wir möchten Regierungsverantwortung übernehmen und werden knallharte Bedingungen stellen“, verkündet Renata Alt bestens gelaunt schon kurz nach 18 Uhr im „Wilden Mann“. Ihre FDP hatte es geschafft, das zweistellige Wahlergebnis von 2017 zu steigern. „Jetzt wollen wir Deutschland in die Zukunft katapultieren“, kündigt die Abgeordnete an, ehe sie sich auf eine kurze Nacht einstimmt: Am frühen Morgen wartet in Berlin nicht nur die Fraktion, auch Fernsehsender aus den östlichen Ländern Europas haben die Ostexpertin um Interviews gebeten.

Umworben werden ab sofort von der SPD und der Union nicht nur die Liberalen, sondern auch die Grünen. Deren Abgeordneter Matthias Gastel rechnet mit langwierigen Koalitionsverhandlungen und macht keinen Hehl aus seiner Enttäuschung: „Wir Grüne haben das beste Wahlergebnis aller Zeiten - und liegen trotzdem weit hinter unseren Möglichkeiten“, bedauert er und vermutet, dass die Veränderungsbereitschaft der Menschen doch nicht so groß ist wie erhofft. Das Wichtigste sei nun, eine Neuauflage der Großen Koaliation zu verhindern: „Das würde Stillstand bedeuten“, sagt er und setzt darauf, dass seine Fraktion im Rahmen einer Regierungkoalition das Land voranbringen wird.

„Die SPD ist wieder dort, wo sie hingehört als eine der großen Volksparteien“, jubelt der Abgeordnete Dr. Nils Schmid vor seinen Anhängern im Wachthaus-Biergarten, während SPD-Urgestein Anne Kenner die rote Fahne seiner Partei schwenkt. Für alle steht schon früh fest: Die Sozialdemokraten sind die Gewinner der Wahl, der Regierungsauftrag liegt nun bei Olaf Scholz. Schmid selbst bekennt sich klar zu einer „Ampelkoalition“ mit den Grünen und der FDP. Der Verlierer sei die Union.

„Wir sind ordentlich verdroschen worden“, will da auch sein CDU-Kollege Michael Hennrich nichts beschönigen. Von den beiden Wahlzielen, den Wahlkreis zu verteidigen und im Bund stärkste Kraft zu bleiben, wurde wenigstens das erste erreicht. Dass das Feld in Berlin keinesfalls kampflos an die Sozialdemokraten übergeben werden darf, steht für Hennrich außer Frage: „Der Regierungsauftrag ist alles andere als klar“, lautet seine Interpretation des Wahlergebnisses. Nun müsse man schauen, in welcher Kombination gute Politik möglich sei.

Nicht mitreden wird da die AfD. Die hiesige Kandidatin Kerstin Hanske ist trotz Verlusten nicht unzufrieden: „Unser Versprechen im Jahr 2017 war: Wir sind gekommen, um zu bleiben - und das haben wir eingehalten“, meint sie. Eher gedämpft war die Stimmung am Wahlabend zu früher Stunde bei der Linken. Im kleinen Kreis analysierten Kandidat Hüseyin Sahin und seine Mitstreiter das für sie enttäuschende Wahlergebnis, mussten sie doch um den Einzug in den Bundestag bangen. Der Kandidat zeigte sich nicht traurig über die Tatsache, nicht mitregieren zu können, sondern eher dar-über, die inhaltlichen politischen Themen, vor allem im sozialen Bereich, wohl nicht überzeugend platziert zu haben. Allerdings ist für ihn klar, dass die Linke sozusagen ein Opfer des Kopf-an-Kopf-Rennens zwischen Laschet und Scholz im Wahlkampf geworden ist: „Viele haben nun eben doch noch die SPD gewählt, um damit auf jeden Fall die CDU zu verhindern.“

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