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Der Hibiskus bringt Farbe ins hochprozentige Spiel

Modegetränk Martin Lutz aus Schlierbach hat drei Jahre lang an seinem roten Gin „Red Nig“ getüftelt. Um sich kreativ gegen die Konkurrenz zu behaupten, setzt er auch schon mal Gin-Salami ein. Von Thomas Krytzner

Geheimrezept: Nebst Wachholderbeeren gehören 27 weitere Zutaten zur Würzmischung des roten Gins.
Geheimrezept: Nebst Wachholderbeeren gehören 27 weitere Zutaten zur Würzmischung des roten Gins.

Gin ist ein königliches Modegetränk. Die Queen aus dem Vereinigten Königreich gilt gar als Werbeikone für die ­bekannte Spirituose. Es ist allgemein bekannt, dass sie jeden Tag ihr Gläschen Gin pur schlürft. Für den Getränkehändler Martin Lutz aus Schlierbach war das klare Getränk dennoch zu langweilig. Lange sinnierte er, wie man den schnöden veredelten Wacholderschnaps noch weiter aufpeppen könnte. Rasch war ihm klar, es musste Farbe ins Spiel kommen. „Es sollte eine Färbung sein, die auffällt und das Flair des Modegetränks verstärkt“, erklärt Martin Lutz seine Tüftelei. Die Entscheidung fiel auf die Farbe Rot, weil es in der Natur viele rote Beeren gibt.

Gesagt, getan: Vor drei Jahren begann der Getränkehändler mit den ersten Versuchen, dem Gin die vorgestellte Farbe zu geben. „Rund 50 verschiedene Rezepturen habe ich ausprobiert, bis Farbe und Geschmack passten.“ Immer wieder wurden die Zutaten ausgewechselt oder die Menge in der Kräutermischung verändert. „Ich fühlte mich fast wie im Labor, wenn ich Wacholderbeeren, Kardamom und Zitronengras mit roten Beeren mixte“, erinnert sich Martin Lutz an seine Experimente. Beim gefühlt fünfzigsten Versuch stimmte alles - der „Red Berry Gin“ war geboren.

Das Rezept besteht aus 28 sogenannten Bio-Botanicals - natürliche Zutaten. Was alles dazugehört, bleibt Betriebsgeheimnis. Eines sei verraten: Hibiskus gehört auch mit ins Rezept, dient aber lediglich der Farbgebung. Bei Martin Lutz setzte in der Folge der Erfindergeist erneut ein: Jetzt musste noch ein passender Name für den neu kreierten Gin her. „Eines Nachts grübelte ich über mögliche Markennamen nach und plötzlich fiel mir die Bezeichnung wie Schuppen von den Augen: Red Nig.“ Dies ist ein Buchstabenspiel aus dem Begriff „Der Gin“. Martin Lutz schrieb sich die Idee sofort auf und gleich am nächsten Morgen prüfte er bei entsprechenden Markenschutzportalen, ob es seine Kreation schon gab. „Die Bezeichnung existierte noch nicht und so konnte ich sie direkt beim Markenamt in München schützen lassen.“ Nun galt es, die Erfindung bekannt zu machen. Lutz setzte dabei auf Mund-zu-Mund-Propaganda: „Ich habe den Red Nig im Getränkemarkt angeboten und die Kunden waren begeistert.“ So begeistert nämlich, dass sie im Bekanntenkreis vom roten Gin erzählten und immer mehr Kunden nach dem einzigartigen Getränk verlangten.

Der rote Gin dient Kennern als Basis für viele Mixgetränke. Am bekanntesten ist der Gin Tonic. Mittlerweile ist Gin aber nicht mehr nur ein Modegetränke für die junge Szene und wird auch gerne ohne Tonic getrunken, wie Lutz es täglich erlebt: „Vom benachbarten Seniorenheim kommen die Bewohner samt Rollator in den Getränkemarkt und holen sich ein Fläschchen Red Nig.“ Wenn er dann ein Tonic anbietet, verneinen die Senioren: „Wieso mischen? Wir trinken den pur.“

Mündliche Werbung allein reicht nicht, wenn man ein Produkt erfolgreich lancieren will. „Wir sind in den sozialen Medien vertreten und stellen den Gin auf entsprechenden Messen vor.“ Eine davon ist die „Gin A’ Fair“, die jährlich in Stuttgart und in Freiburg ausgetragen wird. Martin Lutz erinnert sich amüsiert an seine erste Teilnahme, bei der er den anderen Produzenten mit einem leckeren Schachzug die Show stahl: „Ich wusste, dass in den Messehallen fast nur Getränke angeboten werden, und so habe ich beim örtlichen Metzger eine Gin-Salami herstellen lassen.“ Um den Messestand mit dem roten Gin bildete sich alsbald eine Menschentraube. „Ich glaube, die anderen Hersteller waren fast ein bisschen neidisch.“

Von der passenden Gewürzmischung bis zum roten Gin war es ein langer Weg für Getränkehändler Martin Lutz.
Von der passenden Gewürzmischung bis zum roten Gin war es ein langer Weg für Getränkehändler Martin Lutz.
Mittlerweile kommen einige Gins nicht mehr nur transparent auf den Markt. Martin Lutz sorgte mit seinem roten Gin für einen Boom
Mittlerweile kommen einige Gins nicht mehr nur transparent auf den Markt. Martin Lutz sorgte mit seinem roten Gin für einen Boom in der Farbenwelt des Modegetränks.
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Geheimtipp für einen süffigen Mix

Das Rezept ist so einfach wie genial: Man nehme 4 cl Red Nig und fülle dies mit 16 cl Thomas Henry Tonic Water auf. Noch drei Eiswürfel ins Glas geben, Orangenzesten zur Dekoration ins Getränk und ein Orangenschnitz am Glasrand anbringen - fertig.

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