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Egerländer feiern wie seit 328 Jahren

Vinzenzifest Das Fest aus der Stadt Eger, das seit 1953 am Neckar gefeiert wird, gab es gestern nur in abgespeckt­em Rahmen. Zur 70. Wendlinger Ausgabe 2022 wird der Termin in den Juli verlegt. Von Andreas Volz

Prozession und Festgottesdienst sind seit jeher Bestandteil des Vinzenzifests - seit 328 Jahren insgesamt und seit 68 Jahren in
Prozession und Festgottesdienst sind seit jeher Bestandteil des Vinzenzifests - seit 328 Jahren insgesamt und seit 68 Jahren in Wendlingen. Fotos: Markus Brändli

Es war ein besonderes Vinzenzifest, das gestern in Wendlingen über die verregnete Bühne ging: Corona-bedingt gab es nur ein reduziertes Programm. Außerdem war das 69. Vinzenzifest in Wendlingen das letzte seiner Art - weil es am traditionellen letzten Wochenende im August stattfand. Vom nächs­ten Jahr an ändert sich das. Neuer Termin ist das letzte Wochenende vor den Sommerferien.

In der Sitzung des Patenschaftsrats zeigte sich Wendlingens Bürgermeister Steffen Weigel froh, dass es überhaupt ein Vinzenzifest geben konnte: „Eine solche jahrhundertealte Tradition darf nicht zu lange unterbrochen werden. Wir wollten auch ein Zeichen der Hoffnung zu setzen - mit Festen und Feiern als einem wichtigen Bestandteil unseres kulturellen Lebens.“ Um auch weiterhin öffentliche Veranstaltungen anbieten zu können, warb er dafür, sich gegen Covid-19 impfen zu lassen.

„Flucht und Vertreibung sind begrifflich voneinander zu trennen“, sagte Steffen Weigel und verwies auf die Umstände, die dazu führten, dass sich die deutschsprachigen Egerländer nach dem Zweiten Weltkrieg und ihrer Vertreibung aus dem Sudetenland eine neue Heimat suchen mussten. „Dennoch glaube ich, dass Flucht und Vertreibung oftmals dieselben Ursachen haben und dass Menschen, die davon betroffen sind, in ähnlicher Weise leiden.“

Dass ein erfolgreicher Neuanfang nach Flucht und Vertreibung möglich ist, hätten die Egerländer gerade in Wendlingen gezeigt, wo sich viele von ihnen niedergelassen haben. Deshalb gibt es in Wendlingen das Vinzenzifest, das die Vertriebenen aus der Stadt Eger mitgebracht haben: „Das Vinzenzifest hat sich zu einem Wendlinger Stadtfest entwickelt. Getragen von vielen Vereinen und Organisationen in der Stadt, trägt es die Tradition des Birnsonntags, der Prozession und des Gottesdiensts, aber auch der Patenschaftsratssitzungen in sich - und auch in die kommenden Generationen hinein“, sagte Steffen Weigel.

Gleichzeitig habe sich das Vinzenzifest zu einem großen Treffpunkt der Heimat- und Trachtenvereine entwickelt. „Beide Aspekte, Stadtfest und Treffen der Heimat- und Trachtenverbände, sollen nach dem Willen der Egerländer und der Stadt Wendlingen ausgebaut werden.“ Deshalb werde der Termin nun verlegt, nach gemeinsamer Absprache. Das letzte Augustwochenende liegt mitten in den Sommerferien. Das führt dazu, dass sich viele Trachtengruppen nicht daran beteiligen können. Auch Schulen und Kindergärten seien von einer aktiven Teilnahme ausgeschlossen gewesen. Sicher sei es ein großer Schritt, den Traditionstermin zu verlegen. Aber Nachforschungen hätten ergeben, dass der Termin Ende August keinen religiösen Hintergrund in Bezug auf den heiligen Vinzenz hatte. Vielmehr handle es sich um einen klassischen Erntedank-Termin.

„Bundesvüarstaiher“ Volker Jobst und der stellvertretende Landesfürsteher Alexander Friedl bestätigten, dass die Egerländer Gmoin nach langem Nachdenken der Verlegung des Vinzenzifests zugestimmt haben, weil auch sie von den Vorteilen des Juli-Termins überzeugt sind. Alexander Friedl erinnerte an die Tradition des Vinzenzifests, das in Eger seit 328 Jahren belegt sei. 1953 schließlich habe das Vinzenzifest mit dem dazugehörigen Markt das Marktrecht nach Wendlingen gebracht. „Trotz Anpassungen hat das Vinzenzifest seinen Charakter bewahrt. Es handelt sich nicht um eine gesichtslose Pseudokultur.“

Nachdem Bürgermeister Weigel daran erinnert hatte, dass das Egerland nicht mehr durch Zäune und Sperranlagen von Wendlingen getrennt ist, zeigten Barbara und Hans Georg Bachmann in einem Diavortrag, wie sich die Eger grenzüberschreitend bereisen lässt - von ihrer Quelle im bayerischen Fichtelgebirge bis zur Mündung in die Elbe im tschechischen Leitmeritz. Eine solche Reise ist zur Nachahmung empfohlen - nicht nur für Egerländer.

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