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Geistliches WortNachfolger gesucht

Will etwa Jesus sein Geschäft aufgeben oder sein Amt niederlegen, weil er in den Altersruhestand geht? Oder gibt er als heilender Seelentherapeut seine Praxis auf und sucht dafür einen Nachfolger? Ganz bestimmt so nicht! Wenngleich er aber doch zu Petrus und seinem Bruder Andreas sagt: „Kommt und folgt mir nach!“ (Mt 4,18). Jesus sucht keine Nachfolger, die jetzt seine Aufgabe übernehmen. Nachfolger im Sinne Jesu zu sein, heißt vielmehr, in seinem Sinne und in seiner Intension mit den Menschen von heute zu leben und mit ihnen unterwegs zu sein.

Jesus sucht keine Nachfolger als Spezialisten und Profis mit amtlichem Zertifikat, sondern Amateure mit Leib und Seele. Und zu welchen hervorragenden Leistungen Amateure fähig sind, zeigen uns immer wieder die Olympischen Spiele. Diese Sportler sind auch Amateure mit viel Herzblut und Engagement.

Jesus zeigt uns durch sein eigenes Beispiel, wie er diesen Auftrag versteht. Er hat den Trauernden Trost zugesprochen, er hat Kranke geheilt, er hat gescheiterte Existenzen aufgerichtet, er hat Benachteiligten und Entrechteten Mut zugesprochen und ihnen zu ihrem Recht verholfen. Jesus hat den Sündern und denen, die auf Abwege geraten sind, die Vergebung Gottes zugesprochen. Vor allem aber zeigt Jesus allen Menschen, dass Gott ihnen nahe ist: den Gläubigen, den Zweiflern, den Kritikern, den Besserwissern, den Gottsuchern und denen, die den Sinn des Lebens immer wieder suchen.

In diesem Dienst am Menschen ist uns Jesus vorausgegangen und hat uns gezeigt, wie es geht, für den Menschen einzutreten und Anwalt für Menschenwürde und Menschlichkeit zu sein. In einer Zeit, wo Menschenwürde und Menschlichkeit öffentlich in Welt und Gesellschaft im Schwinden zu sein scheinen, ist dies bestimmt ein ganz aktueller Auftrag in unserer gegenwärtigen Zeit. Darin sucht Jesus Menschen, die ihm darin nachfolgen.

Jesus lässt seine Nachfolger nicht allein, er begleitet und ­stärkt sie, so wie er es schon tat, als er noch als Mensch auf der Erde lebte. Heute aber, vom Himmel, von Gott her, denn in ihm und in allen, die ihm nachfolgen, wird Gott gegenwärtig. Ganz gleich, ob diese fromm oder nicht fromm sind, ob diese kirchlich oder kirchenabstinent leben und glauben. Nein, Jesus Christus geht nicht in den Altersruhestand, so wenig wie Gott selbst im Ruhestand ist und niemals sein wird. Er will immer wieder gegenwärtig werden in der Welt, durch dich und durch mich!

Peter Martin

Pfarrer katholische Kirchengemeinde St. Franziskus, Weilheim

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