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High-Tech erobert den Ackerbau

Kooperation Die Nürtinger Hochschule für Wirtschaft und Umwelt erforscht das Potenzial von digitaler Landwirtschaft.

Nürtingen. Big Data, Agrar-Sensoren an Drohnen und landwirtschaftlichen Maschinen, individualisierte-Software-Anwendungen - die „Landwirtschaft 4.0“ bietet großes Potenzial. Zum Beispiel lassen sich durch den präziseren Einsatz von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln nicht nur Zeit und Kosten einsparen, sondern es wird gleichzeitig ein Beitrag zum Umwelt- und Ressourcenschutz sowie einem erhöhten Tierwohl geleistet. Doch gerade für bäuerliche Familienbetriebe stellt sich die Frage, ob und in welcher Form sie aufgrund ihrer geringen Betriebsgröße diese Vorteile für sich nutzen können.

Wie die für Baden-Württemberg typischen kleinen bäuerlichen Familienbetriebe von der Digitalisierung profitieren können, untersuchen Agrarwissenschaftler der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen (HfWU) im Verbund mit Projektpartnern von der Uni Hohenheim sowie mit Unterstützung der landwirtschaftlichen Landesanstalten, von Verbänden und Firmen. „Digitale Wertschöpfungsketten für eine nachhaltige kleinstrukturierte Landwirtschaft (DiWenkLa)“ heißt das neue Großforschungsprojekt, das mit 4,2 Millionen Euro von Bund und Land gefördert wird.

Technologien kosten viel Geld

Landwirte sehen sich mit immer mehr Anforderungen konfrontiert: Sie sollen umwelt- und naturschonend mit höheren Tierwohlstandards arbeiten, aber dennoch wirtschaftlich produzieren, um das Überleben des eigenen Hofs nicht zu gefährden. Eine Chance können hier digitale Lösungen bieten, so die HfWU. Zum Beispiel ließen sich Pflanzenschutzmittel einsparen, in dem die Landwirte auf mechanische Unkrautbekämpfung umstellen - und diese automatisieren: „Das lässt sich durch Maschinen mit sensorgesteuerten Kameras umsetzen: Ein Bilderkennungsprogramm identifiziert unerwünschte Pflanzen, so dass die Maschine die Anbauflächen selbstständig davon befreien kann“, sagt der Koordinator des Projekts an der HfWU, Professor Dr. Markus Frank. Ebenso könnten mittels digitaler Technologien die optimalen Ernte- oder Mähzeitpunkte ermittelt werden, um besonders hochwertig zu produzieren.

Allerdings sei der Einsatz dieser Technologien mit hohen Investitionen verbunden. Im „DiWenkLa“-Projekt sollen deshalb die Hindernisse kleinstrukturierter Familienbetriebe untersucht sowie entsprechende Technologien angepasst und weiterentwickelt werden. Die Nürtinger Hochschule ist an dem Vorhaben mit einer Fördersumme von gut 1,3 Millionen Euro beteiligt. Das Forschungsprojekt hat eine Laufzeit von zunächst drei Jahren und soll bereits im Verlauf des nächsten Jahres mit ersten Ergebnissen aufwarten. pm

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