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Höhere Impfquote, klarere Regeln, kein Kompetenzwirrwarr

Empfehlungen Marc Lippe von den Maltesern und Bürgermeister Günter Riemer ziehen Lehren aus der Pandemie.

Kirchheim. Die Pandemie ist noch lange nicht überwunden, warnt Marc Lippe, Bezirksgeschäftsführer der Malteser: „Wir befinden uns mitten in der vierten Welle. Die Inzidenzzahlen verdoppeln sich alle 14 Tage. Das kann uns also ganz schnell wieder um die Ohren fliegen.“ Das Problem benennt er glasklar: „Wir haben eine zu niedrige Impfquote.“ Deswegen hält er es einerseits für falsch, dass die Impfzentren im Land zum 30. September geschlossen werden. Andererseits ist er erleichtert über die Entscheidung der „Stiko“, nun doch die Impfung für 12- bis 17-Jährige zu empfehlen.

Sollte es zu einer erneuten Pandemie kommen, würde sich Marc Lippe wünschen, dass die Anfangsfehler vermieden werden: „Wir waren auf so eine Lage schlecht vorbereitet. Da müssten wir uns im Bevölkerungsschutz viel besser aufstellen.“ Im Landkreis Esslingen sei es trotzdem ganz gut gelaufen - „obwohl wir durch die Rückkehrer aus dem Skiurlaub von Anfang schwer betroffen waren“. Wichtig sei es, in der Beschaffung von Schutzausrüs­tung unabhängig zu werden.

Aktuell sieht Marc Lippe eine große Gefahr für die Pflegeheime: „Da brauchen wir die dritte Impfung, um die Bewohner nicht noch einmal von der Außenwelt abschotten zu müssen.“ Auch für alle weiteren Altersgruppen setzt er auf das Impfen: „Da wird es einen großen Schub geben, sobald es ernsthafte Schwierigkeiten für diejenigen gibt, die nur einen negativen Test vorweisen können. Wir brauchen da scharfe Kontrollen - so wie ich es jetzt in Österreich erlebt habe. Da gibt es auf jeder Almhütte Zugangskontrollen.“

Strengere Regeln hätte sich auch Kirchheims Erster Bürgermeister Günter Riemer gewünscht - und zwar von Anfang an, und von höherer Warte: „Das Kompetenz­wirrwarr war ein großes Problem. Wir mussten sehr viel interpretieren.“ An positiven Entwicklungen sieht er immerhin, dass die Pandemie das Homeoffice, die Digitalisierung und den Breitbandausbau befördert hat. Videokonferenzen beispielsweise seien inzwischen eine Selbstverständlichkeit.

Das ist auch deswegen ein Vorteil, weil Günter Riemer davon ausgeht, dass sich die Pandemie eben nicht irgendwann einmal von selbst erledigt hat: „Das ist ein Thema, das uns in Zukunft immer wieder begegnen wird.“ Deswegen sei es auch gut, in Kirchheim den Verwaltungsstab geschaffen zu haben, der während der Pandemie schnell reagieren konnte: „Das ist eine sehr schlagkräftige, entscheidungsfreudige Truppe.“

Generell würde er sich aber wünschen, dass nicht zu viele Entscheidungen im kleinen Kreis getroffen werden müssen. Er hält es für wichtig, die vorhandenen demokratischen Gremien zu beteiligen, also in Bund und Land die Parlamente sowie in den Kreisen und Kommunen die Kreistage und die Gemeinderäte. „Man braucht Mut zu Entscheidungen - auch wenn es einmal die falschen sein sollten. Aber es bringt nichts, etwas zu verzwingen.“ Andreas Volz

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