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Schandfleck stößt sauer auf

Ärgernis Das Gebäudeensemble Heimareal am Eingang zur Neckarsteige in Nürtingen verfällt zusehends. Der Kirchheimer Investor hat sich von seinen Fertigstellungs- und Eröffnungsterminen weit entfernt. Von Anneliese Lieb

Mit Sperrholzplatten zugenagelte Fenster, ein Container, herumliegende Bretter: Bauarbeiten haben am Heimareal lange nicht statt
Mit Sperrholzplatten zugenagelte Fenster, ein Container, herumliegende Bretter: Bauarbeiten haben am Heimareal lange nicht stattgefunden.

Ist dem Investor das Geld ausgegangen? Diese Frage stellen sich viele Nürtinger, die in den letzten zwei Jahren regelmäßig an der Baustelle Heimareal beim Kreisverkehr an der Neckarbrücke vorbeikommen.

Mit Sperrholzplatten zugenagelte Fenster, ein Container und verstreut herumliegende Bretter hinter einem Bauzaun. Im denkmalgeschützten Gebäude an der Ecke Mühlstraße/Neckarsteige ist von einem Umbau wenig zu erkennen. Bauarbeiter hat man auf dem Areal schon lange nicht mehr gesehen. „Das Gebäude verfällt zusehends“, ärgert sich auch Oberbürgermeister Johannes Fridrich über den Stillstand auf der Baustelle.

Schon vor einem Jahr hatte Investor Baldenhofer aus Kirchheim angekündigt, dass er mit Oberbürgermeister Fridrich zur Eröffnung im April 2021 einen Kaffee trinken wolle. Doch weder aus der Kaffeerösterei noch aus den anderen Plänen des Investors, der dort auch eine Arztpraxis und vier Wohnungen bauen wollte, ist bisher etwas geworden.

Ursprünglich war geplant, das kernsanierte Wohn- und Geschäftshaus-Ensemble an der Neckarsteige im Jahr 2017 zu eröffnen. Dabei sollten die Gebäude auch energetisch vorbildlich saniert werden. Die Häuser sollten mit einem Blockheizkraftwerk ausgestattet werden, hatte der Investor angekündigt.

Schon im März 2016 stimmte der Gestaltungsbeirat der Stadt Nürtingen den Umbauplänen zu. Alle Beiratsmitglieder waren damals voll des Lobes über das Vorhaben. Doch so richtig Bewegung kam nicht in die Angelegenheit. Weil eines der drei Gebäude nicht erworben werden konnte, musste Investor Baldenhofer umplanen.

Kein Rückkaufsrecht für die Stadt

Dann verzögerte sich der Baubeginn, weil mittelalterliche Spuren im Keller entdeckt wurden, die Archäologen erst sichern wollten. Immer wieder wurde die Stadt vertröstet. Von den genannten Fertigstellungs- und Eröffnungsterminen hat sich der Investor weit entfernt. Und daran war die Corona-Pandemie nicht schuld.

Auch Oberbürgermeister Johannes Fridrich hat sich vom Bauvorhaben mehr versprochen. Der Nürtinger Rathauschef hatte bei seinem Amtsantritt vor zwei Jahren gehofft, dass das ehemalige Heim-Areal bis zur Eröffnung des Stadtbalkons in neuem Glanz erstrahlt. Fehlanzeige. Außer Versprechungen hörte man auch bei der Stadt wenig von Jörg Baldenhofer. „Der Investor hält sich nicht an Absprachen“, ärgert sich Johannes Fridrich. Versäumt wurde von der Stadt Nürtingen damals beim Verkauf der beiden Gebäude, ein Rückkaufsrecht im Vertrag festzuhalten. „So was passiert uns heute nicht mehr“, sagt Fridrich. Auch für die Presse ist der Investor nicht zu erreichen. Unter der bekannten Telefonnummer meldet sich niemand. Einen Anrufbeantworter gibt es nicht. Schade um das denkmalgeschützte Heimareal.

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