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Screening und Röntgen decken auf

Screening und Röntgen decken auf
Wer raucht, ist gefährdeter als ein Nichtraucher an einer schweren Zahnfleischentzündung (Parodontitis) zu erkranken.Foto: proDente e.V.

proDente. Die Entzündung der zahntragenden Gewebe, eine Parodontitis, bedarf immer einer Behandlung. Bleibt die Krankheit unbehandelt, kann die Entzündung ungehindert den Zahnhalteapparat zerstören: Es drohen Zahnlockerung und Zahnverlust! Orale Bakterien können sich zudem im ganzen Körper ausbreiten und auch Auswirkungen auf die allgemeine Gesundheit haben. Dem Erkennen und Behandeln der Entzündung im Mund kommt daher eine große Bedeutung zu.

Rosa und fest - so sieht gesundes Zahnfleisch aus. Krankes, entzündetes Zahnfleisch dagegen ist angeschwollen, dunkelrot sowie blutet leicht und kann bereits zu Mundgeruch führen. Symptome einer Entzündung des Zahnfleischs, in der Fachsprache Gingivitis genannt. Geht sie von dem Zahnfleisch auch auf die anderen zahntragenden Gewebe über, den gesamten sogenannten Zahnhalteapparat, entwickelt sich eine Parodontitis, umgangssprachlich auch als Parodontose bezeichnet. Ohne Behandlung kann sich das zahntragende Gewebe zurückbilden. Im schlimmsten Fall droht Zahnverlust. „Parodontitis ist die Hauptursache für Zahnverlust bei Erwachsenen“, verdeutlicht Prof. Dr. Bettina Dannewitz, niedergelassene Zahnärztin und Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Parodontologie e.V. (DG PARO). Orale Bakterien können sich zudem im ganzen Körper ausbreiten und verschiedene andere Krankheiten wie Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Rheuma beeinflussen. Wie gesund ihr Zahnfleisch ist, können Patienten mit dem Parodontitis-Check der Deutsche Gesellschaft für Parodontologie e.V. (DG PARO) prüfen. Er ersetzt jedoch nicht die Kontrolle durch die Zahnärztin oder den Zahnarzt:

www.prodente.de/zaehne/beratung/parodontitis-check.html.

Zudem gibt die DG PARO Informationsmaterialien zur Früherkennung, Vorbeugung und Behandlung der Parodontitis unter www.dgparo.de/patientenportal/patientenratgeber heraus.

Früherkennung mit dem Parodontalen Screening-Index

Bei der Kontrolluntersuchung kann die Zahnärztin oder der Zahnarzt eine mögliche Parodontitis mit Hilfe des sogenannten Parodontalen Screening Index (PSI) feststellen. Dabei untersucht die Zahnärztin oder der Zahnarzt das Zahnfleisch im Hinblick auf die Ausbildung von sogenannten Zahnfleischtaschen. Mit einer Sonde tastet die Zahnärztin oder der Zahnarzt für Patienten kaum spürbar das Gewebe zwischen Zähnen und Zahnfleisch ab. Die Zahnärztin oder der Zahnarzt misst die Tiefe der Zahnfleischtaschen in insgesamt sechs Bereichen an jedem Zahn und kontrolliert mögliche Befunde wie Blutungen oder das Vorliegen von Zahnstein. Die neue seit dem 1. Juli 2021 geltende Richtlinie zur Behandlung der Parodontitis sieht eine schriftliche dokumentierte Information des Patienten über die Ergebnisse und mögliche Handlungsempfehlungen beim Vorliegen eines Verdachtes auf Parodontitis vor. Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten für die Messung der Zahnfleischtaschen im Rahmen der Parodontitis-Vorsorge alle zwei Jahre.

Beim Vorliegen von Hinweisen auf eine Parodontitis erhebt die Zahnärztin oder der Zahnarzt gegebenenfalls einen ausführlichen Befund der parodontalen Situation (Parodontalstatus) und macht ein oder mehrere Röntgenbilder.

Röntgen deckt Veränderungen am Kieferknochen auf

Der Blick mit dem Röntgengerät verrät der Zahnärztin oder dem Zahnarzt, ob die parodontale Entzündung bereits zu einem Abbau von Knochengewebe geführt hat. Dabei werden auch zur Einschätzung der Schwere des Erkrankungsverlaufes mögliche vorhandene Röntgenbilder aus der Vergangenheit herangezogen. So können Zahnärzte genau beurteilen, wie weit der Abbau des zahntragenden Gewebes fortgeschritten ist, um auch die Prognose der Zähne einschätzen zu können. Dank moderner Technik ist die Strahlenbelastung durch das Röntgen stark zurückgegangen.

So Parodontitis vorbeugen

Sorgfältige Mundhygiene beugt Entzündungen vor. Dazu gehört, zweimal täglich mit System (z.B. KAI-Systematik) mindestens zwei Minuten Zähneputzen. Elektrische Zahnbürsten bieten Vorteile gegenüber Handzahnbürsten. Insbesondere der tägliche und gründliche Gebrauch von Zahnzwischenraumbürsten hilft, Zahnbelag an entscheidenden Stellen zu entfernen. Bei engen Zahnzwischenräumen kann stattdessen auch Zahnseide eingesetzt werden. So entstehen Entzündung und blutendes Zahnfleisch gar nicht erst. Auf Anweisung der Zahnärztin oder des Zahnarztes kann eine antibakterielle Mundspüllösung die individuelle Mundhygiene ergänzen. Sie hilft, den bakteriellen Biofilm auf den Zähnen zu verringern und beugt so einer Zahnfleischentzündung vor.

Zudem wichtig: Bei halbjährlichen Kontrollen kann die Zahnärztin oder der Zahnarzt erste Anzeichen einer Zahnfleischentzündung erkennen und eine entsprechende Behandlung durchführen.

Rauchen: Warnsignal Zahnfleischbluten bleibt aus

Das Nervengift Nikotin führt zum Verengen der feinen Blutgefäße des Zahnfleisches. Das Zahnfleisch wird nicht mehr normal durchblutet. Zahnfleischbluten als Symptom bleibt somit aus. Raucher bemerken eine Parodontitis daher meist erst spät. Insgesamt haben Raucher ein vier- bis sechsfach erhöhtes Risiko, eine Parodontitis zu entwickeln und leiden vermehrt unter schweren Parodontalerkrankungen. Auch der Erfolg der Behandlung einer Parodontitis ist bei Rauchern deutlich schlechter als bei Nichtrauchern. Ebenso verlieren Raucher häufiger Zähne als Folge einer Parodontitis. Ein Rauchstopp lohnt - nicht nur den Zähnen zuliebe!

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