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„Stadtradeln“ - gut fürs Klima?

Zur Berichterstattung über das Stadtradeln

Ist dieser seit einigen Jahren in Kirchheim stattfindende Wettbewerb wirklich „gut für das Klima“ - oder inzwischen nur noch ein kommunaler Marketing-Gag, der nichts bringt? Die Zielsetzung dieser Aktion ist doch, „möglichst viele Menschen für das Umsteigen auf das Fahrrad im Alltag zu gewinnen und dadurch einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten“. Nachdem aber das Fahrradfahren dank E-Bikes, gestiegenem Gesundheits- und sicher auch Klima- bewusstsein ohnehin stark zugenommen hat, fragt man sich, ob diese Zielsetzung (Umstieg) von kommunaler Seite nicht mit ganz anderen Maßnahmen erreicht werden müsste. Glaubt man denn wirklich, mit einem Wettbewerb, an dem vermutlich zu 99 Prozent ohnehin nur Menschen teilnehmen, die eh schon länger und überzeugt Fahrrad fahren, auch nur einen Autofahrer zum Umstieg auf das Fahrrad bewegen zu können? Und warum wäre es ein „Erfolg“, wenn dieses Jahr dabei mehr als 130 000 Kilometer von den Teilnehmern gefahren werden, wenn die Mehrheit davon im Alltag wieder in ihren (Zweit-)Wagen steigt, ihre Brötchen beim nächsten Bäcker mit dem Auto besorgt und so weiter . . .

Tatsache ist doch, dass der Radverkehr in und um Kirchheim inzwischen recht hoch ist. Den Menschen - gerade auch den bereits Fahrrad fahrenden - würde es (statt „Stadtradeln“) doch deutlich mehr bringen, wenn das Fahrradnetz in Kirchheim weiter ausgebaut und stärker gepflegt wäre, noch mehr Menschen das bestehende Radwegenetz überhaupt richtig kennen würden, und Fahrradfahrerinnen und Fahradfahrer sich immer sicher im Verkehr bewegen könnten. Und man vor allem an die denkt, die noch nicht oder nicht mehr aufs Fahrrad umsteigen können: (Fern-)Pendler und der immer größer werdende Anteil älterer Menschen. Hier bedarf es konkreter Alternativen zum Pkw-Gebrauch - auch zum Klimaschutz.

Jürgen Lewak, Kirchheim

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