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Wenn das Notfalltelefon nicht klingelt

Corona Das Notfalltelefon im Frauenhaus steht plötzlich still. Das ist nicht unbedingt eine gute Nachricht.

Kirchheim. Renate Dopatka vom Verein „Frauen helfen Frauen“ in Kirchheim spricht von der „Ruhe vor dem Sturm“. Die Zahl der Anfragen ist stark zurückgegangen. „Pessimistisch betrachtet, könnte man sagen, es ist mehr Kontrolle vorhanden, damit sind die Sozialkontakte der Frauen eingeschränkt“, sagt sie. Es könne sogar bedeuten, dass Frauen die Telefone weggenommen oder sie eingesperrt würden. „Einige denken vielleicht auch, es sei nur ein Ausrutscher, wenn der Partner zuschlägt - und warten ab“, sagt Dopatka. Sie empfiehlt, sich wenn möglich telefonisch beraten zu lassen. Unter der Nummer 0 80 00 11 61 16 stehen geschulte Gesprächspartner zur Verfügung.

Warum steigt gerade jetzt die Gewaltbereitschaft? Es ist das „sich ständig auf der Pelle hocken“, das bei manchen an den Nerven zerrt. Hinzu kommen möglicherweise Sorgen um den Arbeitsplatz. Oft hat es auch schon vorher Beziehungsprobleme gegeben, die sich in einer Ausnahmesituation wie jetzt nicht lösen oder beiseite schieben lassen.

Gewalterfahrungen in Familien gibt es in allen Schichten. „Doch in der Regel kommen die Personengruppen, die kein Geldproblem haben, nicht ins Frauenhaus, sie gehen eher in ein Hotel oder eine Ferienwohnung“, sagt Renate Dopatka. Was derzeit jedoch auch nur schwer möglich ist. In Zeiten der Corona-Krise kommt hinzu: Eine Aufnahme ins Frauenhaus ist derzeit nicht möglich aus Sicherheitsgründen. „Wir müssen immer damit rechnen, einen Infektionsfall zu haben. Deswegen versuchen wir, Kontakte auf ein Minimum zu beschränken und auch das Frauenhaus nicht voll zu belegen“, erklärt Renate Dopatka.

Doch wohin mit Frauen, die ihr Zuhause verlassen müssen, um sich und womöglich vorhandene Kinder zu schützen? In nicht belegte Hotels, wie derzeit immer wieder vorgeschlagen wird? Eine Lösung, die Dopatka nicht als optimal empfindet: „Man kann dort nicht kochen.“ Besser seien Apartments, wie sie etwa an Montagearbeiter vermietet werden.

Ist eine Frau akut von Gewalt betroffen, ist die Polizei erster Ansprechpartner. Die Beamten werden entweder vom Opfer selbst, oft auch von Zeugen oder Nachbarn, gerufen. Sylvia Gierlichs

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