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Wirklichkeitsnah und bestürzend

Zum Artikel „Kirchenasyl vor dem Kadi“ vom 30. Juli

Glückwunsch zur Themenseite über die aktuelle Lage beim Kirchenasyl!

Der Artikel über das Engagement der Oberin Mechthild Thürmer ist ebenso wirklichkeitsnah wie bestürzend: Zum einen beschreibt er realistisch anhand von Beispielen grauenhafte Schicksale von Menschen, die aus ihrer Heimat weg mussten und geflohen sind in der Hoffnung, einen sicheren Lebensort für sich und ihre Familie zu finden. Sie hoffen in der Ferne auf Empathie und Verständnis, ohne die das Leben zu Schanden wird.

Kirchenasyl als christliche Initiative ist kein Vergnügen: Es ist anstrengend für Zuflucht Suchende und für Kirchengemeinden; ich weiß das aus eigener Erfahrung. Finanziert wird es übrigens aus Spenden und organisiert durch viel ehrenamtliche Mithilfe; das erfordert langen Atem, viel Zeit, umsichtigen Einsatz von Unterstützern und Unterstützerinnen, im Übrigen Abstimmung mit Behörden und Beharrlichkeit.

Und das ist das andere: Das Bundesamt für Migration und Flucht (BAMF) konzediert zwar Kirchenasyl „für absolute Ausnahmefälle“; was aber muss der erwähnten Nigerianerin denn noch passieren, um dieses Kriterium zu erfüllen?! Die Hamburger Pastorin Dietlind Jochims kritisiert im Interview zu Recht die Tendenz, das Kirchenasyl zu kriminalisieren, wie es jetzt auch der Oberin passiert. Ein mehrjähriger Konsens zwischen Kirche und BAMF wird einseitig aufgelöst; das oft begründete Anliegen, eine humanitäre Härte noch einmal genau zu prüfen, statt nur nach Aktenlage zu entscheiden, wird kalt gecancelt. Dass die Ordensschwester und die Pastorin samt all den Engagierten nicht resignieren, sondern weiter bei Kräften und guten Mutes bleiben, kann man nur sehr wünschen.

Walter Bartels, Kirchheim

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