Serie Alte Weilheimer Gastwirtschaften

Wo man einst im Städtle einkehrte

Geschichte Wilhelm Braun bietet am morgigen Samstag eine Stadtführung an. Es geht um alte Weilheimer Gastwirtschaften. Der Teckbote stellt einige in einer Serie vor. Von Bianca Lütz-Holoch

Eine lange Tradition hat die Gaststätte zur Post in Weilheim. Sie gehört zu den Wirtschaften, die Wilhelm Braun bei seinem histo
Eine lange Tradition hat die Gaststätte zur Post in Weilheim. Sie gehört zu den Wirtschaften, die Wilhelm Braun bei seinem historischen Stadtrundgang vorstellt.Foto: Jean-Luc Jacques

Die einen sind schon längst von der Bildfläche verschwunden, in anderen wird noch immer allabendlich gespeist und getrunken: In Weilheim gab und gibt es eine Vielzahl von Gastwirtschaften, teilweise mit langer Tradition. Der Weilheimer Stadtführer Wilhelm Braun hat Informationen rund um alte und neuere Wirtshäuser im Städtle zusammengetragen. Am kommenden Samstag nimmt er Interessierte mit auf eine historische Gaststättentour.

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„Ich möchte aufzeigen, wie viele Gastwirtschaften es in Weilheim eigentlich gab“, sagt Wilhelm Braun. Ein großer Wunsch des 80-Jährigen ist es, Wissen über das frühere Leben der Menschen zu erhalten und weiterzugeben. Und zu deren Alltag gehörte es eben auch, die Wirtshäuser im Ort zu besuchen. Auch manches heutige Wohnhaus beherbergte einst eine Kneipe oder ein Restaurant. „Das sieht man den Gebäuden oft nicht mehr an“, gibt Wilhelm Braun zu bedenken. Einige Häuser, wo die Weilheimer früher gerne einkehrten, stehen schon gar nicht mehr. „Und Menschen, die man fragen kann, wie es früher war, gibt es immer weniger“, ergänzt der Stadtführer.

Um die 40 Traditionsgaststätten, die es im 19. und 20. Jahrhundert in Weilheim gab und teilweise noch gibt, hat Wilhelm Braun genauer unter die Lupe genommen. Er hat die Namen der einstigen Besitzer und Pächter ausfindig gemacht und die unterschiedlichen Nutzungen der Gebäude im Laufe der Zeit beschrieben.

Erste Aufzeichnungen über Gaststätten stammen aus dem 18. Jahrhundert. Damals, so ist es im Heimatbuch „Weilheim. Die Geschichte der Stadt an der Limburg“ in einem Aufsatz von Martin Mundorff nachzulesen, habe es nur „zwei miserable Schildwirtschaften“ gegeben - vermutlich den Hirsch und den Ochsen. Im Jahr 1794 kam dann noch der Löwen dazu.

Bis zur ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts durften lediglich die „besseren“ Schildwirtschaften warmes Essen servieren. Die Gassenwirtschaften boten nur Getränke und kaltes Vesper an. Im frühen 19. Jahrhundert wurde dann die Gewerbefreiheit eingeführt, und der Markt öffnete sich. So kam es, dass die Zahl der Gaststätten in Weilheim bis zum Jahr 1848 auf 34 anstieg. Darunter befanden sich Speiselokale und Branntweinschenken ebenso wie Schild- und Gassenwirtschaften.

In seine Nachforschungen über die alten Weilheimer Gaststätten hat Wilhelm Braun viel Zeit und Herzblut gesteckt. „Ich habe im Stadtarchiv recherchiert, Heimatbücher gewälzt und mit den Nachkommen der einstigen Gastwirtsfamilien gesprochen“, berichtet der gebürtige Hepsisauer.

Weil viele Informationen dem Gedächtnis der einstigen Besitzer und ihrer Nachkommen entstammen, kann Wilhelm Braun nicht garantieren, dass jede Zahl stimmt. Eine wissenschaftliche Abhandlung will er aber auch gar nicht liefern: „Es geht mir darum, einen groben Überblick über die Häuser zu bieten und sie stärker ins Bewusstsein der Menschen zu rufen.“

Führung in Weilheim und Serie im Teckboten

Eine Stadtführung rund ums Thema alte Gaststätten bietet Wilhelm Braun am Samstag, 19. August, an. Start ist um 16 Uhr am Weilheimer Rathaus. Der Rundgang dauert etwa zwei Stunden, inklusive einer kurzer Erfrischungspause in einer Gaststätte. Es wird ein geringer Unkostenbeitrag erhoben.

In einer Serie stellt der Teckbote einige alte Wirtschaften vor. Wer noch etwas zu ihrer Geschichte weiß, kann sich in der Redaktion unter 07021/­9750-­22 melden.